So investieren Sie Ihr Vorsorgekapital nachhaltig

Eine kurzfristig orientierte Strategie mit schnellen Käufen und Verkäufen zahlt sich meist nicht aus.

Strategie bei Vorsorgefonds: Wichtiger als kurzfristige Gewinne ist beim Vorsorgegeld, dass man möglichst immer investiert ist und keine positiven Phasen verpasst. Foto: Getty Images

Ich bin 53 Jahre alt und habe ein 3.-Säule-Depot mit einer Rendite von momentan 12 Prozent. Wäre es eine gute Idee, die angelegten Fonds jetzt zu verkaufen und auf mein 3a-Konto zu transferieren, um diesen Gewinn einzustreichen? Ich würde dann von neuem in dieselben Fonds investieren und dafür ein neues 3a-Konto eröffnen und das andere ruhen lassen. Was meinen Sie dazu? T.Z.

Die positive Entwicklung der Finanzmärkte im ersten Halbjahr dieses Jahres schlagen sich zum Glück auch bei den Vorsorgefonds nieder. Je nach Aktienanteil in den Vorsorgevehikeln profitiert man von einem mehr oder weniger starken Plus.

Das veranschaulicht, dass es sich lohnt, das Vorsorgegeld nicht einfach auf einem Konto der Säule 3a liegenzulassen, sondern es zu investieren – eben in Vorsorgefonds, wie Sie es gemacht haben.

Die starke Performance der Märkte im ersten Semester und die Buchgewinne in den Vorsorgefonds reizen denn auch, dass man die Gewinne realisiert. Ich kann Ihre Überlegungen somit gut nachvollziehen, zumal ich jenen Privatanlegern, die unabhängig von der Vorsorge stark in Aktien investieren, geraten hatte, dass sie angesichts der beeindruckenden Börsenentwicklung ruhig auch mal wenigstens einen Teil ihrer Gewinne mitnehmen sollen.

Bei Vorsorgefonds ist die Sache allerdings etwas komplexer. Hier spekulieren Sie ja nicht mit dem Geld, sondern investieren es langfristig in Ihre Altersvorsorge. Gerade weil man in der steuerbegünstigten Säule 3a einen langen Anlagehorizont von zwanzig oder sogar mehr Jahren hat, eignen sich Vorsorgefonds mit einem höheren Aktienanteil gut.

In Ihrem Fall verbleiben Ihnen bis zum ordentlichen Rentenalter noch weitere zwölf Jahre. In dieser Zeit werden die Märkte mal raufgehen und mal stärker korrigieren. Auf lange Sicht ist das nicht wirklich relevant, denn entscheidend ist die Performance nach vielen Jahren beim Bezug der Vorsorgegelder.

Natürlich wäre es noch besser, wenn Sie in positiven Marktphasen immer die Gewinne realisieren und dann in schwachen Marktphasen jeweils wieder zu tiefen Kursen neu einsteigen könnten. Was auf den ersten Blick einfach erscheint, erweist sich in der Praxis oft als schwierig. Wir wissen nicht, ob die Börsen angesichts der weiter sinkenden Zinsen nicht allenfalls noch mehr steigen oder ob wir den Peak bereits überschritten haben und eine heftige Korrektur folgt.

Doch falls Sie jetzt aussteigen: Wann ist dann wieder der optimale Wiedereinstiegszeitpunkt? Wir wissen es nicht. Ob Sie den perfekten Ein- und Ausstieg finden, ist oft auch etwas Glückssache. Bei Vorsorgegeldern rate ich generell zu einem langfristigen Horizont und eben gerade nicht zu einer Strategie mit schnellen Käufen und Verkäufen – eben gerade, weil man selten das perfekte Timing findet.

Letztlich ist es aber Ihr Geld: Wenn Sie lieber einmal die Gewinne ins Trockene bringen möchten, kann ich das sehr gut verstehen. Damit für Sie die Rechnung langfristig aufgeht, müssen Sie die Märkte dann aber genau verfolgen und dürfen den Wiedereinstieg nicht verpassen.

Persönlich bin ich gegenüber einer kurzfristig orientierten Strategie bei Vorsorgefonds allerdings skeptisch. Wichtiger noch als kurzfristige Gewinne ist meines Erachtens beim Vorsorgegeld, dass man möglichst immer investiert ist und vor allem keine positiven Phasen verpasst.