«Eidgenossen» sind ein Verlustgeschäft

Warum der Kauf von Bundesobligationen für Privatanleger nicht sinnvoll ist, obwohl diese sehr sicher sind.

Minusrendite: Die Durchschnittsrendite für Schweizer Bundesobligationen mit einer Laufzeit von 10 Jahren ist auf unter minus 1 Prozent gefallen. Foto: Keystone

Sicherheit ist meinem Mann und mir sehr wichtig. Wir haben 300’000 Franken auf mehreren Konten und möchten diese in sichere Bundesobligationen anlegen. Ist das wirklich sicher, und wir müssen keine Angst haben, dass wir unser Geld verlieren? E.Z.

Ich müsste auf Ihre Frage mit Ja und Nein zugleich antworten. Punkto Sicherheit gehören die «Eidgenossen» – also die vom Schweizer Staat herausgegebenen Bundesobligationen – zu den zuverlässigsten Anlagen. Die Schweiz ist auch im internationalen Vergleich ein ausgezeichneter Schuldner mit einem Top-Rating der Ratingagenturen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Schweiz ihre Verpflichtungen in Zukunft nicht erfüllt, ist extrem gering. Ihr Geld wäre aus dieser Perspektive also sehr sicher angelegt.

Ein Problem gibt es von anderer Seite, und darum habe ich auf Ihre Frage gleichzeitig mit Nein geantwortet: Gerade weil die Schweizer Bundesobligationen punkto Kreditrating so sicher sind, flüchten viele Investoren auch aus dem Ausland in diese Papiere und in den Schweizer Franken als sicherer Hafen.

Um den Schweizer Franken für ausländische Anleger weniger attraktiv zu machen, hat die Schweizerische Nationalbank vor bald fünf Jahren Negativzinsen von minus 0,75 Prozent eingeführt. Im Zuge der Flucht in Sicherheit ist die Durchschnittsrendite für Bundesobligationen mit einer Laufzeit von 10 Jahren auf unter minus 1 Prozent gefallen.

Wenn Sie jetzt Bundesobligationen kaufen, machen Sie damit faktisch Verlust. Konkret ausgedrückt bedeutet die Minusrendite, dass wenn Sie jetzt 300’000 Franken in Schweizer Bundesobligationen investieren, bekommen Sie rein rechnerisch in zehn Jahren weniger zurück. Sie würden Geld verlieren.

Vor diesem Hintergrund rate ich Ihnen von Ihrem Vorhaben ab, in «Eidgenossen» zu investieren. Denn aktuell gibt es keine einzige Schweizer Staatsanleihe mit einer positiven Rendite. Auch wenn Sie bereit wären, eine sehr lange Laufzeit in Kauf zu nehmen, wäre dies nicht sinnvoll. Selbst bei einer Anleihe mit Laufzeit bis 2064 verlieren Sie unter dem Strich mit diesen Papieren Geld.

Eine rasche Wende ist bei den Minusrenditen auch nicht in Sicht. Da die Europäische Zentralbank in Aussicht gestellt hat, dass sie ihre Geldpolitik aufgrund der Konjunkturabschwächung in Europa noch weiter lockern wird, kommt auch die Schweizerische Nationalbank unter Zugzwang. Auch die SNB müsste dann die Geldpolitik noch mehr lockern und könnte den bereits bestehenden Negativzins von 0,75 Prozent sogar auf minus 1 Prozent ausweiten.

Mit den «Eidgenossen» wird man daher noch sehr lange nichts verdienen. Wenn jemand jetzt in diese Papiere investiert, bezahlt er faktisch für die Sicherheit – für die Gewähr, dass er das Geld später mit grösster Wahrscheinlichkeit wieder zurückbekommt. Die Papiere sind dann wie ein Tresor, in den man das Geld versorgt. Dafür bezahlt man aber einen hohen Preis. Für Privatanleger macht ein solches Vorgehen keinen Sinn.

Lassen Sie sich von Ihrer Bank Alternativen für die Anlage der 300’000 Franken ausarbeiten. Keine Alternative sind Staatsanleihen aus Deutschland, obwohl diese auch sehr sicher wären: Die Rendite der deutschen Staatsanleihen mit 10 Jahren Laufzeit bewegen sich ebenfalls auf rund minus 0,7 Prozent.

Eine Möglichkeit bieten Anlagefonds, die in eine Vielzahl von ausländischen Staatsanleihen und Unternehmensanleihen mit nicht ganz so gutem Rating investieren, aber trotzdem noch eine hohe Sicherheit bieten. Allerdings müssen Sie bei solchen Anleihenvehikeln auch die Gebühren genau im Auge behalten. Oft führen bei Obligationenfonds die Gebühren dazu, dass man im Zuge der sehr geringen Renditen auch mit diesen unter dem Strich Geld verliert.