Waadtländer KB überzeugt als Bank und als Investition

Banque Cantonale Vaudoise: Der Aktienkurs hat sich in den letzten zehn Jahren knapp verdoppelt. Foto: Thomas Delley/Keystone

Die Romands gelten in der Schweiz als Genussmenschen – ich habe die Fête des Vignerons am Lac Léman genossen – das einzige immaterielle Kulturerbe der Schweiz, das durch die Unesco geschützt ist und einmal pro Generation stattfindet. Von einer Generation zur nächsten lassen sich auch die Aktien der Waadtländer Kantonalbank (BCV) vererben. Die hat vergangene Woche seine Halbjahresergebnisse veröffentlicht. Trotz schwierigem Umfeld konnte der Zinsertrag gesteigert werden. Die Bank ist die grösste Immobilienfinanziererin im Kanton Waadt, jede dritte Hypothek wird von der Kantonalbank finanziert. Nebst dem Hypothekargeschäft verfügt die BCV auch in der Vermögensverwaltung über ein kräftiges Standbein, wo das Institut 93 Milliarden Franken verwaltet. Dass die Bank solide und breit aufgestellt ist, lässt sich aus der Entwicklung des Aktienkurses ablesen: Er hat sich in den vergangenen zehn Jahren knapp verdoppelt. Anleger schätzen die BCV als Dividendenperle. Aktuell beträgt die Dividendenrendite 4,7 Prozent – mit Blick auf die Verzinsung der konservativen Alternative des Sparbüechlis ein nahezu unverschämter Ertrag. Kaufen

Betriebsgewinnmarge von 21 bis 25 Prozent

Alcon hat vergangene Woche den ersten Halbjahresbericht seit der Trennung von Novartis vorgelegt. Das auf Augenheilung spezialisierte Unternehmen hat weder enttäuscht noch positiv überrascht. Ein Wachstum von 5 Prozent aus eigener Kraft ist okay. Von einem Marktführer erwarte ich aber mehr. Anderseits ist das Resultat beachtlich, war das Management doch mit vielen Zusatzarbeiten beschäftigt: dem Aufsetzen einer neuen Organisation, dem Bezug des neuen operativen Sitzes in Genf und anderem mehr. Was die Profitabilität betrifft, hat Alcon einiges aufzuholen. Vor vier Jahren erwirtschaftete die ehemalige Nestlé- und Novartis-Tochter eine Betriebsgewinnmarge von 26 Prozent. Das Ziel 2019 lautet 17 bis 18 Prozent, wobei Sondereffekte herausgerechnet werden. Mittelfristig, bis 2023, will das Management einen Wert von 21 bis 25 Prozent erreichen. Wie Konzernchef David Endicott andeutete, ist der grössere Teil der Steigerung erst gegen Ende der Frist zu erwarten. Dieses und nächstes Jahr ist Alcon noch sehr mit sich selbst beschäftigt. Darum werden die Aktien bis auf weiteres den Markt kaum übertreffen. Halten

Gute Perspektiven

Nach der Veröffentlichung des Halbjahresergebnisses haben die Aktien von Huber+Suhner stark korrigiert und notieren wieder auf dem Stand von Anfang Jahr – oder 20 Prozent unter dem Hoch von Anfang Juli. Dabei hat das Elektrotechnikunternehmen zwar einen niedrigeren Umsatz ausgewiesen, der Gewinn aber ist gestiegen. Das zeigt, dass Huber+Suhner vor allem jene Produkte gut verkaufte, die hohe Margen abwerfen – ein gutes Zeichen. Der Kursrückgang ist aber nicht nur deswegen als Kaufgelegenheit zu betrachten. Auch die mittelfristigen Perspektiven bleiben gut: Die Aufrüstung auf den Handystandard 5G wird für Huber+Suhner als Lieferant von Antennenkomponenten zu einem Wachstumstreiber werden, die Projektaktivität im Bahnbereich, für den das Unternehmen Spezialkabel herstellt, ist robust, und neuere Kundensegmente wie Rechenzentren oder die E-Mobilität bieten viel Potenzial. Die starke Bilanz, gepaart mit hoher Nettoliquidität, gestattet es zudem, Gelegenheiten für Akquisitionen nutzen zu können. Kaufen

Hohe Abschreibungen

Feintool hat im ersten Halbjahr einen bösen Rückschlag erlitten. Die Industriegruppe ist spezialisiert auf die Serienfertigung präziser Feinschneid- und Umformkomponenten und bietet auch entsprechende Anlagen an. Gut 90 Prozent des Umsatzes werden mit dem Automobilsektor erzielt. Das erklärt aber nur einen Teil des Gewinneinbruchs um fast drei Viertel. Der andere wichtige Faktor sind hohe Abschreibungen. Sie sind die Kehrseite der forschen Investitionstätigkeit der letzten Jahre und fallen nun, wo das Ergebnis unter Druck steht, brutal ins Gewicht. Einen quantitativen Jahresausblick zu geben, traut sich das Management nicht zu. Es geht von einer unverändert schwierigen Marktlage aus, verspricht aber ein «nachhaltig positives Nettoergebnis» – wobei ich «nachhaltig» als längerfristig verstehe. Die Chancen dafür sind m. E. recht gut. Von der Börse kommt jedoch ein anderes Signal: Die Aktien notieren unter Buchwert. Normalerweise würde ich das als Einstiegsgelegenheit deuten, doch angesichts der vielen Unwägbarkeiten rate ich zu einer Beobachterrolle. Halten

Zeichen stehen auf Wachstum

Ziehen über Mobilezone dunkle Wolken auf, oder steht der Handyspezialist vor einer glänzenden Zukunft? Die miese Aktienkursentwicklung der letzten Monate könnte Ersteres nahelegen. Aber die Halbjahreszahlen vom Freitag deuten auf die zweite Option: Umsatz, Gewinn und Marge stimmen auch in Zeiten, die für den Detailhandel schwierig sind. Und durch die Übernahme der deutschen SH Telekommunikation stehen die Zeichen weiter auf Wachstum – ganz besonders im zukunftsträchtigen Onlinegeschäft. Was mich noch mehr freut: Trotz der höheren Verschuldung aufgrund des Zukaufs ist Mobilezone weiterhin in der Lage, die attraktive Ausschüttung von 60 Rappen pro Aktie zu bezahlen. Am Schweizer Aktienmarkt gibt es nur wenige Gesellschaften, die eine höhere Dividendenrendite (rund 6 Prozent) bieten. Klar: Das Management muss nun die PS in Deutschland auf den Boden bringen, sprich, die jüngsten Zukäufe konsolidieren. Gleichzeitig müssen die Schulden runter auf ein erträgliches Mass. Wer – wie ich – daran glaubt, greift nun zu. Kaufen

1 Kommentar zu «Waadtländer KB überzeugt als Bank und als Investition»

  • Tom Sivers sagt:

    Es gibt deutlich interessanterer Aktien als sie die Banque Vaudoise, ein mickriges Plus von 0.53% seit Jahresbeginn, bei Nestle habe ich seit Jahresbeginn ein Plus von satten 35% auch wenn die Dividende etwas geringer auffällt. Das Wachstum ist maßgebend, da sehe ich bei BCV bei dieser Tiefzinsphase absolut kein Potenzial.

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