Anlagefrust? Ziehen Sie die Reissleine!

Viele Anleihenfonds performen enttäuschend. Wer mit der Rendite unzufrieden ist, sollte nicht abwarten.

Was tun, wenn die Kurse nicht in die gewünschte Richtung gehen? Passanten an der Zürcher Bahnhofstrasse verfolgen die Entwicklung an den Börsen. Foto: Alessandro Della Bella (Keystone)

Gerne möchte ich Sie um Ihre Einschätzung zweier Fonds bitten, die ich 2017 bei Postfinance auf Empfehlung der Beraterin hin gekauft hatte. Es handelt sich um Pictet LUX – Global Emerging Debt – HP CHF und Swisscanto (LU) Bond Fund – Global Corporate – ATH CHF. Ich bin pensioniert und möchte nicht fünf Jahre warten und ärgere mich, dass beide Fonds seit Kauf nur im Minusbereich sind. Wie schätzen sie diese Fonds ein? D.H.

Der Fonds Pictet – Global Emerging Debt – HP CHF investiert das Kapital in ein diversifiziertes Portfolio von Anleihen und anderen Schuldverschreibungen, die von Staaten, staatlichen Körperschaften oder anderen Emittenten der Schwellenländer ausgegeben oder garantiert werden.

Der Fokus liegt somit auf Anleihen, Wandelanleihen und in geringerem Masse auf Geldmarktinstrumenten. Laut Beschreibung kann der Fonds bis zu maximal 30 Prozent des Nettovermögens in Anleihen investieren, die auf chinesische Renminbi und andere Schuldtitel lauten.

Wenn Sie in Anleihen von Schwellenländern anlegen, haben Sie zwar die Chance, etwas Rendite zu erwirtschaften, tragen aber ein deutlich erhöhtes Risiko. Zusätzlich sind Sie Währungsrisiken ausgesetzt.

Deutlich geringeren Risiken ausgesetzt sind Sie bei Ihrem zweiten Fonds. Auch dieser investiert zu praktisch hundert Prozent in Anleihen. Im konkreten Fall auf Unternehmensanleihen weltweit. Dabei ist festgelegt, dass die Schuldner solid sein müssen und wenigstens ein Schuldnerrating der internationalen Ratingagentur Moody’s von Aaa bis Ba3 aufweisen müssen. Die Fremdwährungsanlagen werden gegenüber dem Schweizer Franken abgesichert.

Das Problem bei diesem Fonds ist, dass Sie mit solchen Anleihen angesichts der rekordtiefen Zinsen nur wenig Rendite erwirtschaften können. Bei sehr sicheren Frankenanleihen, die in dem Fonds auch enthalten sind, sind nur mickrige Renditen möglich – erst recht, wenn Sie auch noch die Gebühren mitberücksichtigen.

Ihren Angaben entnehme ich, dass Sie die Fonds erst im Dezember 2017 erworben haben und damit das Pech hatten, gleich dem miserablen Anlagejahr 2018 ausgesetzt gewesen zu sein. Dieses war auch für Anleihen enttäuschend und historisch ein Ausnahmejahr.

Vor diesem Hintergrund bin ich für Ihre Fonds nicht so pessimistisch, und es sollte bei den von Ihnen gehaltenen Fonds eine Erholung drin liegen. Dennoch: Hohe Renditen werden Sie mit diesen Instrumenten aber auch künftig nicht erreichen. Wenn Sie deutlich höhere Renditen wünschen, müssten Sie statt in Anleihen in andere Anlageklassen wie Aktien investieren.

Ich frage mich aber, ob Sie das damit verbundene erhöhte Schwankungsrisiko wirklich eingehen möchten. Anhand Ihrer Beschreibung habe ich den Eindruck, dass das Depot zu wenig Ihren Bedürfnissen entspricht. Da Sie mit Ihren Fonds im Depot unzufrieden sind und Sie gemäss Ihren Angaben auch Geld verlieren, würde ich nicht einfach zuwarten, sondern das ganze Depot kritisch überprüfen und nochmals mit Ihrer Bankberaterin oder Ihrem Bankberater genau abklären, welche Bedürfnisse und Erwartungen Sie an Ihre Anlagen haben.

Dabei würde ich auch das Gespräch mit einer Konkurrenzbank führen. Denn ich habe den Eindruck, dass Sie nicht gut beraten wurden. Nur einfach abzuwarten, wenn man mit seinen Anlagen unzufrieden ist, bringt nichts. Es ist ihr Geld, und Sie haben ein Recht, dass Sie Instrumente im Depot haben, die wirklich Ihren Vorstellungen entsprechen.

Gerade wenn Sie für Ihr Geld Sicherheit suchen, macht es keinen Sinn, dass Sie Finanzvehikel halten, mit denen Sie Geld verlieren. Dann könnten Sie das Geld auch auf dem Konto liegen lassen.

7 Kommentare zu «Anlagefrust? Ziehen Sie die Reissleine!»

  • Peter Rohner sagt:

    Auf „morningstar.ch“ kann man nach Fonds suchen und nachsehen, wie gut sie sich behaupten (Rating von 0-5 Sternen), wie sie zusammengesetzt sind, was sie kosten etc. Natürlich sollte man das vor dem Kauf eines Fonds machen, nicht erst dann, wenn die Enttäuschung gross ist.

    Der Pictet-Fonds hat ein TER von 1.43% und einen Ausgabeaufschlag von 5% (kein Rating vorhanden). — Der Swisscanto-Fonds hat ein TER von 1.11% und einen Ausgabeaufschlag von 3% (Rating 4 = gut).

    Generell lässt sich sagen:
    — Max. ein TER von 0.5% akzeptieren (oder nich tiefer)
    — Ausgabeaufschlag max. 0%
    — Rücknahmeaufschlag max. 0%
    — Nur passive Fonds kaufen (ETF, Indexfonds)
    — aktive Fonds meiden

  • Kurt Seiler sagt:

    Kann mir bitte mal einer erklären wieso die Leute immer noch Anleihen kaufen?
    Hat man etwa Angst vor Geld auf dem Konto?
    Ich verstehe es nicht.

  • Jean Gilette sagt:

    @D.H. Das Allgemeinwissen von Privatanlegern in der Schweiz ist auf einem sehr tiefen Niveau. Sie gehören dazu. Wie kann man nur solche Anleihen kaufen…? und dies noch in einem Fond verpackt. Verkaufen Sie den Schrott, wechseln Sie ihren Berater und kaufen Sie für 70% einen SMI-ETF und mit dem Rest einen Gold-ETF in USD (zB. „GLD“).

    • Pan Flöte sagt:

      @J.G.: Ist halt auch nur eine von vielen Meinungen, die Sie da vertreten. Ich würde nie Gold und SMI kaufen, viel eher einen Aktien-Welt-ETF.

      Ist mein Vorschlag besser als Ihrer? Nein, etwa gleich schlecht, da er nur meine Meinung widerspiegelt und keiner absoluten Wahrheit entspricht (die gibt es ja bekanntlich nicht; schauen wir in 10 Jahren zurück, und wir wissen, wer recht gehabt hat).

  • Parker Jones sagt:

    Es ist immer wieder verwunderlich was solche „Berater“ für eine Kacke offerieren. Heute darf man solche Papiere – aber auch Aktien – nicht mehr besitzen. Die Banker arbeiten für ihren attraktiven Boni – und für ihre Bank! Wer den Umsatz nicht hat, der fliegt! Die Zeit dieser Rentitenpapiere sind längst vorbei!

  • M. Cesna sagt:

    Geld ist eigentlich ein Übergangswert: Ich verkaufe zehn Schafe und kaufe mit den dafür erhaltenen Talern dann zwei Kühe o.ä..
    In dieser Szene ist der Wert des Geldes o. ä. eigentlich egal, da recht bald wieder ein Sachwert angestrebt wird.
    Geld o.ä. (Aktien, Scheine, Gold, Anleihen) leben von einer Wertvereinbarung, die doch recht schankend ist.
    Wenn man sich nicht nur Gigi-Kram mit dem Geld kauft, haben die Sachwerte doch einen bleibenden Wert, halt mit Verschleiss, der bei Boden sogar nicht einmal stehlbar ist (ausser bei Revolutionen).
    Boden hat noch den Vorteil, dass er bei Arbeit etwas hergibt, was der Mensch halt wesentlich braucht.
    … und viel mehr braucht man ja eigentlich ja nicht.
    Nach einer Inflation kann Geld auch den Wert von Altpapier erreichen.

  • Alain Surlemur sagt:

    Aktualisierte Definition „Obligationenfond“

    Ein Obligationenfond ist ein Vehikel zur Vernichtung der Sparguthaben von Kleinanlegern dass von einem Manager gegen hohe Gebühren verwaltet wird. Zweck dieses Vehikel ist die Maximierung der Anlegerverluste durch Streueung des Zinslosen Risikos auf möglicht unterklassige Schuldner.

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