Swatch Group und Richemont leiden in Hongkong

Swatch Store in Hongkong: Der Schweizer Uhrenkonzern erwirtschaftet in der Sonderverwaltungszone rund 11 Prozent seines Umsatzes. Foto: Budrul Chukrut/Getty Images

Es ist gerade viel los auf der Welt, und die Börsen scheinen angeschlagen. Nicht nur ich schaue mit bangen Blicken auf die Proteste in Hongkong, auch die Uhrenhersteller tun es. Das politische Ausmass des Konflikts steigt, und auch bei Swatch Group und Richemont nehmen die Sorgen um das Geschäft mit teuren Zeitmessern zu. Beide Uhrenkonzerne erzielen in der Sonderverwaltungszone rund 11 Prozent ihres Umsatzes, wie die Bank Vontobel schätzt. Bereits im Juni ist der Export von teuren Zeitmessern nach Hongkong um ein Viertel eingebrochen. Die Zahlen für Juli, die kommende Woche präsentiert werden, dürften kaum besser ausfallen. Für Swatch Group kommt erschwerend dazu, dass sich der Franken in den vergangenen Wochen zum Euro aufgewertet hat. Beide Effekte werden sich im Ergebnis des zweiten Halbjahres negativ niederschlagen. Zwar haben die Aktien von Richemont und Swatch Group diese Entwicklung mit der Performance von minus 13 respektive minus 10 Prozent seit Ende Juli bereits vorweggenommen. Solange aber nicht absehbar ist, wie lange die schwierige Phase in Hongkong anhält, würde ich mich mit Zukäufen zurückhalten. Abwarten

Zu stark von Apple abhängig

Auch in Österreich tut sich etwas: AMS will es wissen. Vor einer Woche hat der österreichische Chiphersteller, dessen Aktien an der Schweizer Börse gehandelt werden, bekannt gegeben, dass er den Lichtkonzern Osram übernehmen möchte. Die Absicht ist klar: Die Diversifikation soll erhöht, neue Produkte entwickelt werden. Dazu gehören etwa Systeme für auto-
nomes Fahren. Bislang ist AMS zu stark vom Technologiekonzern Apple abhängig. Erste Signale deuten darauf hin, dass die Gespräche auf gutem Weg sind. Kritiker bemängeln die Grösse der Transaktion: Gut 4 Milliarden Euro soll sie kosten. Die Marktkapitalisierung von AMS liegt bei gut 3 Milliarden. Immerhin ist die Finanzierung gesichert. Dennoch gilt: Gemessen an Umsatz und Personal, ist Osram etwa dreimal so gross wie AMS. Für mich heisst das, die Risiken sind bei der geplanten Akquisition inklusive. Ich bleibe deshalb vorsichtig, die Valoren von AMS bleiben eine heisse Wette, die aber immer wieder für eine Überraschung gut ist. Unklar ist zurzeit, ob positiv oder negativ. Im Moment überwiegen für mich die Unsicherheiten. Meiden

Suche nach strategischen Optionen

Der einstige Börsenliebling Comet ist auf dem harten Boden der Realität gelandet. Nach einem schwierigen und resultatmässig schlechten 2018 ist es im ersten Semester 2019 noch schlimmer gekommen: Das Technologieunternehmen ist in die roten Zahlen gerutscht. Dafür verantwortlich sind der zyklische Abschwung der Halbleiterindustrie, einer wichtigen Kundin von Comet, sowie die Ebeam-Technologie (Oberflächensterilisation durch Elektronenbeschuss). Comet will sich künftig auf die Kerntechnologien Plasma Control Technologies und Röntgen konzentrieren. Für das Ebeam-Geschäft wird nach strategischen Optionen gesucht, Gespräche laufen offenbar. Für das ganze 2019 rechne ich bestenfalls mit einem kleinen Gewinn. Ob Comet 2020 auf den Wachstumskurs zurückkehrt, hängt von der Halbleiterindustrie ab. Wenn der Zyklus tatsächlich wieder nach oben tendiert, profitiert auch Comet. Ich würde abwarten. Halten

Zeichen stehen auf Rezession

Auch die UBS bleibt unter Druck. Mittlerweile handeln deren Aktien nahe am historischen Tief und fielen vergangene Woche sogar unter 10 Franken. So tief wie seit 2012 nicht mehr. Da stelle ich, und sicher viele andere auch, die Frage, ob das jetzt die Chance zum Einsteigen ist. Die Dividendenren­dite von 7 Prozent ist verlockend, aber auch nur eine Funktion des darniederliegenden Aktienkurses. Und schliesslich hat der Markt ja immer recht. Die UBS ist da nicht allein, die ganze Branche der europäischen Grossbanken hat zu kämpfen. Seit der Finanzkrise haben sie ihre Bilanzen verkleinert, Vermögen verloren, Kapital aufbauen müssen und stets Mühe bekundet, eine Eigenkapitalrendite von 10 Prozent zu erwirtschaften, was für Grossbanken gemeinhin als wertschaffend gilt. Selbst in den besten Zeiten, als die Aktienmärkte und die Konjunktur boomten, waren die Aktien der europäischen Finanzkolosse – auch die von UBS und Credit Suisse – nicht wirklich einen Kauf wert. Ich sehe nicht, warum sie es jetzt sein sollen, wo die Zeichen auf Rezession stehen und die Phase der rekordtiefen Zinsen fortgesetzt wird. Meiden

Hohe Margen beim Servicegeschäft

Der Lift- und Rolltreppenhersteller Schindler hat an der Börse einen sehr guten Namen. Das Geschäft wächst stetig, die Marktstellung ist stark, der Trend hin zu Hochhäusern, um den beschränkten Platz in den Städten besser zu nutzen, gibt Rückenwind. Dazu kommt ein hoher Anteil am beständigen und hochmargigen Servicegeschäft, das allfällige konjunkturelle Rückschläge gut abfedern kann. Schindler-Papiere waren für die Aktio­näre über die Jahre ein sehr gutes Investment. Nicht verwunderlich also, sind die Aktien mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 23 für Industriewerte hoch bewertet. Doch wenn die Zahlen des Unternehmens die Erwartungen nur geringfügig unterschreiten, geben die Aktien deutlich nach – wie vergangene Woche zu beobachten war. Das ist die Kehrseite der hohen Bewertung. Auch die Aktien guter Unternehmen schwanken. Weil sich die Konjunktur weltweit wohl weiter abschwächen wird, bleibt der Druck auf den Industrieaktien latent hoch. Ich kann mir zwar vorstellen, dass günstige Meldungen zwischenzeitlich Kurserholungen bewirken können, doch der grosse Trend weist vorerst nach unten, auch bei Schindler. Deshalb ist es für Käufe zu früh. Abwarten

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