Wem Negativzinsen doppelt schaden

Vorsorgeeinrichtungen zahlen Negativzinsen und haben Mühe, Renditen zu erwirtschaften – als Folge sinken die Renten.

Zum Schaden der Pensionskassen: Mit Negativzinsen will die Schweizerische Nationalbank dafür sorgen, dass der Franken zu anderen Währungen wie dem Euro oder Dollar nicht attraktiver wird. Foto: Keystone

Kürzlich habe ich in einer Tageszeitung gelesen, dass eine Pensionskasse einen Millionenkredit zu einem Zinssatz von minus 0,2 Prozent ablöst. Ist das möglich? P.M.

Mir ist nicht bekannt, auf welche Pensionskasse und welchen Kredit Sie sich beziehen, daher kann ich Ihnen nur grundsätzlich antworten. Es ist leider eine Tatsache, dass Pensionskassen unter den Negativzinsen der Schweizerischen Nationalbank leiden – und zwar gleich in mehrfacher Hinsicht.

Einerseits in direkter Form, indem sie auf einem Teil ihrer liquiden Mittel, die sie bei den Banken lagern, Negativzinsen abliefern müssen. Seit 2015 verlangt die Nationalbank auf Einlagen von den Banken einen Negativsatz von 0,75 Prozent, der ab einer bestimmten Einlagenhöhe von den Banken an die Pensionskassen weiter verrechnet wird.

Laut der neusten Pensionskassenstudie des Asset Managers Swisscanto leiden rund zwei Drittel der Pensionskassen unter den Negativzinsen. Nachdem dieser im Vergleich zu den Vorjahren bereits angestiegen ist und die Zinsen weiter nach unten zeigen, dürften künftig wohl noch mehr Pensionskassen von den Negativsätzen betroffen sein. Laut Swisscanto zahlen bei grossen Pensionskassen mit fünf und mehr Milliarden Franken Vermögen rund 90 Prozent Negativzinsen. Auch bei kleineren Kassen nimmt der Anteil betroffener Vorsorgeeinrichtungen mit Negativzinsen zu.

Neben diesen Direktzahlungen sind die Pensionskassen andererseits auch indirekt von den negativen Sätzen betroffen. Angesichts der rekordtiefen Zinsen ist es für sie immer schwieriger, überhaupt noch eine vernünftige Rendite zu erzielen. Entweder müssen sie deutlich höhere Risiken eingehen oder aber sich mit mickrigen Renditen zufrieden geben. Sehr sichere Frankenanleihen bringen schon seit Jahren keine oder sogar eine Negativrendite.

Offensichtlich ist das bei den Schweizer Bundesanleihen. Die Rendite der Eidgenossen mit zehn Jahren Laufzeit bewegt sich aktuell auf minus 0,55 Prozent. Falls eine Pensionskasse von den Milliarden an Geldern, die sie sicher anlegen muss, nur schon eine Million in diese Bundesobligation investiert, würde sie auf dieser Million aktuell jährlich 5500 Franken an Verlust einfahren. Noch schlimmer wäre es, wenn sie die Million auf dem Konto liegen lassen würde. Dann würde sie darauf 7500 Franken Negativzinsen zahlen.

Vor diesem Hintergrund suchen Grossanleger Alternativen, wie sie ein Teil ihrer Gelder sicher parkieren können, ohne, damit sie weniger verlieren, denn das ganze Kapital können sie aus Diversifikationsgründen auch nicht in schwankungsanfälligere Anlageklassen wie Aktien, Rohstoffe und Alternative Anlagen investieren.

So sind einige institutionelle Investoren nur schon zufrieden, wenn sie Gelder zinslos oder nur mit einem geringen Abschlag von 0,1 oder 0,2 Prozent sicher parkieren können. Das ist dann immer noch besser als auf sehr sicheren Frankenanleihen eine höhere Negativrendite zu erwirtschaften oder Negativzinsen an die Nationalbank zu berappen.

Mit den Negativzinsen will die SNB dafür sorgen, dass der Franken zu anderen Währungen wie dem Euro oder Dollar nicht attraktiver wird, da der starke Franken der Exportwirtschaft und dem Tourismus schaden. Für die Pensionskassen – und letztlich für die Sparer und die Versicherten – haben die Negativzinsen aber fatale Auswirkungen. Sie erhalten auf ihrem Ersparten kaum mehr Geld und müssen sich mit sinkenden Renten abfinden.

20 Kommentare zu «Wem Negativzinsen doppelt schaden»

  • Stefan W. sagt:

    Die Zinshöhe allein sagt. nicht alles über die reale Höhe der zu erwartenden Rente aus. Wenn man 2.5% erwirtschaftet, die Teuerung aber bei 5% ist, so ist das unterm Strich schlechter, als -2% bei Null-Inflation. Ich finde, dieser Aspekt geht bei Diskussionen über das niedrige Zinsniveau oft vergessen. Eine massive Inflation, ausgelöst durch die hemmungslose Geldmengenausweitung der letzten Jahre wäre sehr viel schlimmer für unsere Altersvorsorge. Davor sollten wir uns wirklich fürchten, glaube ich…

  • Markus Lüthi sagt:

    Natürlich sind Negativzinsen für die PK unangenehm. Diese werden aber nur für relativ hohe Barbeträge fällig. Mit einem besseren Cash-Management lassen sich solche aber weitgehend vermeiden. Das Gesetz erlaubt den PK für die Voranmeldung von Kapitalbezügen Anmeldefristen zu fixieren, was den künftigen Cash-Bedarf gut kalkulierbar macht. Da viele Anlageklassen heute sehr kurzfristig liquidierbar sind, könnten die Gelder so länger angelegt bleiben und die Negativzinsen das Gesamtergebnis nur marginal beeinflussen. Für eine schlechte Performance insgesamt dürfen sie jedenfalls nicht verantwortlich gemacht werden.

    • urs brand sagt:

      Dumm nur, dass die PK’s hohe Barbestände halten müssen – alleine schon umd die monatlich fälligen Renten zahlen zu können. Zudem gehen bei grossen PK’s mit Milliarden an Vorsorgegeldern die Cashbestände sehr schnell in mehrere Millionen Franken.
      Die Nationalbank zieht einem Blutsauger gleich, der arbeitenden Bevölkerung das sauer verdiente und ersparte Geld aus den Taschen. Und trotzdem sollen wir bei höherem Rentenalter, noch höhere PK Beiträge für kleinere Renten auf die Seite legen.
      Veilleicht sollte man die PK’s dazu verpflichten, die Vorsorgegelder nicht in Schweizerfranken zu halten. Wie wärs denn mit Bitcoin 🙂

      • Josef Marti sagt:

        Unsinn, die reglementarischen Leistungen werden problemlos aus den regelmässig fliessenden Einkünften (Beiträge, Zinsen, Mieten/Pachten, Dividenden) bestritten denn die Rentner können ihre Rente nicht kündigen, auch Austritte und Eintritte halten sich übers Jahr die Waage. Eine Kasse die sich nicht im Liquidationsmodus befindet muss deshalb niemals assets liquidieren um ihre reglementarischen Leistungen zu erfüllen.

    • Peter Dennler sagt:

      Das scheint mir nicht ganz realistisch. Zwar ist es möglich, mit länger laufenden Term Deposits die Belastung zu senken, aber ins Positive drehen die Zinsen nicht. Grössere PKs müssen zwischen 4-8% in Cash für Renten bereit halten. Da hat man wenig Spielraum. Ich habe Zweifel, das Stiftungsräte ein ‚kreatives Cash Management‘ durchwinken würden.

      • Markus Lüthi sagt:

        Zahlenbeispiel Bernische Pensionskasse: Vermögen Ende 2018 ca. 13 Mia. Fr., Rentenzahlungen 2018 rund 505 Mio. Fr. also 42 Mio. Fr. per Monat.
        Dies entspricht 0,32 % des Vermögens. Der Grossteil wird durch monatliche Beiträge (AG/AN, Mieten etc.) gedeckt. Weshalb sollten 4-8 % Cash nötig sein?

  • Josef Marti sagt:

    Dieses Märli von den leidenden Pensionskassen wird immer wieder verzapft. Dann bitte erklären wie die PK’s 2017 über 8% Rendite erwirtschaften konnten, die Verluste 2018 waren Kursverluste und sicher keine Negativzinsen. Eine PK hält 99% ihrer Bilanzaktiven in Aktien, Immobilien, Hypokrediten und Bonds und sicher nicht in cash.

    • Peter Dennler sagt:

      Beispiel: PK SBB hält 3% Cash. Die Coupons helfen im Liquiditätsmanagement. Nur stammen die in der Regel von Bonds mit negativen Renditen. Diese negativen Renditen sind letztlich eine Folge der Zinspolitik der Notenbanken (siehe Negativzinsen). Die Kapitalgewinne auf Bonds (dank tieferen Zinsen) sind die Bewertungsverluste von morgen (c.p.)

  • Josef Marti sagt:

    Dass die Renten sinken hat nichts mit der erzielten Rendite zu tun, sondern einerseits mit der steigenden Lebenserwartung und vielmehr mit dem tiefen technischen Zinssatz resp. Diskontsatz (nicht zu verwechseln mit dem vom BR verordneten Mindestzins auf den Alterssparkonten) der nicht viel höher ist als ein aktuell risikoloser Zinssatz. Je tiefer der Diskontsatz desto höher werden die zurückgestellten Rentenverpflichtungen zugunsten der Altrentner, was über tiefere Rentenprognosen der Neurentner aufgefangen werden muss damit die Kasse nicht immer tiefer in die Unterdeckung fällt.

    • M. Vetterli sagt:

      Dass die Renten sinken hat mit der zu erwartenden Rendite zu tun. Diese zu erwartende Rendite (im UWS) sollte mit dem techn.Zinssatz (TZ) übereinstimmen damit, wenn Lebenserwartung vernünftig eingepreist, keine Pensionierungsverluste entstehen.
      Die erzielte Rendite fliesst aber letztlich in die Kasse der PK. Die erzielten Renditen der Vergangenheit beeinflussen auch den aktuellen TZ.
      Die Red. des TZ führt zu einer Erhöhung der Vorsorgeverpflichtungen Altrenten. Dies belastet das Ergebnis der PK und kann zu Kosteneinsparungen führen welche in der Regel zu tieferer Verzinsung der AGH im üb.oblig.Bereich führt.
      Zu den Neurenten fallen heute immer noch Pensionierungsverluste an. Die Erh.der Rentenverpfl. Altrenten führen nicht zu tieferen Neurenten, sie belasten die Aktiven in der Kasse.

      • Josef Marti sagt:

        Dann müssen Sie erklären wieso die Kassen über viele Jahre im Schnitt eine Rendite von fast 5% gemacht haben, das dürfen sie gar nicht. Wenn man die Versicherten schon dazu verdonnert, ihre künftige Rente mit einem risikolosen Zinssatz zu erwirtschaften dann darf die Kasse nur noch in CH und deutsche negativverzinsliche Staatsbonds investieren.

      • M. Vetterli sagt:

        Nun.. die Altrenten wurden mit einer zu hohen Rendite- und einer zu tiefen Lebenserwartung gesprochen… Der UWS von 6,8% beinhaltet z.B.eine Zinskomponente von 5,0% welche dauerhaft erzielt werden muss.
        Die Anlagerenditen gem. Pictet-Index 25plus für 2009 – 2018 belaufen sich durchschnittlich auf 4.77%, für 2008 – 2017 allerdings auf 3.82%
        Vergessen Sie nicht. Das Risiko der PK ist das Risiko der Aktiv-Versicherten. Die Aktiven müssen im Ernstfall die Kasse sanieren. Der AG muss sich nur bei Sanierung via Beiträge beteiligen. Der Deckungsgrad sollte deutlich über 107% zu liegen kommen.

        Was ich Ihrem Kommentar anmerken wollte… tiefere Renditeerwartungen führen durch die Altrenten (via Anh. Rückstellungen) sowie Neurenten (Pensionierungsverluste) zu Belastungen der Aktiven in der Kasse.

      • Josef Marti sagt:

        Der UWS ist bei einigen Kassen schon unter 5%, die 6,8% kann man also vergessen. Wer nur eine BVG Minimum Rente kriegt ist sowieso auf Ergänzungsleistungen oder Sozialhilfe angewiesen wenn er vorher nicht schon vermögend war.
        Sodann ist der Deckungsgrad nur für den Liquidationsmodus relevant.

      • M. Vetterli sagt:

        Hr. Marti…
        Hohe Anteile der Altrenten sind mit UWS von 6,8% – 7,2% gesprochen worden. In früheren Jahren wurden in der Regel auch bei den üb.oblig.Geldern der Mindestwandlungssatz angewendet. Diese Renten müssen noch während langer Zeit bezahlt werden. Diese überhöhten Renten belasten die Aktiven in der Kasse. Natürlich wurden die Vorsorgeverpflichtungen zwischenzeitlich angehoben. Dies hat den Kuchen der Aktiven verkleinert. Der Deckungsgrad über 100% entspricht mehr oder weniger den Wertschwankungsreserven (o AG-Beitr.Res. o VV). Diese sind für die Aktiven, welche schon übermässig geblutet haben doch ausgesprochen wichtig. Die Neurenten werden grossmehrheitlich immer noch mit einem zu hohen UWS gesprochen. Sie sind gegenüber den risikotragenden Aktiven ausgesprochen unfair.

  • Claude Fontana sagt:

    Das kommt davon, wenn Renten mit Glücksspiel gedeckt werden. Während die Steuereinnahmen mit vorschlägen wie der STAF reduziert werden.

  • Josef Germann sagt:

    Wie wäre es, wenn die Renten für Neurentner als Ausgleich tiefer oder besser gar nicht besteuert werden. Es kann ja nicht sein, dass Rentner zur Stützung der Exportindustrie und des Tourismus bezahlen. Am Ende gehen einfach die Ergänzungsleistungen weiter in der Höhe. Es ist einfach tiefere Steuereinnahmen dafür tiefere EK Kosten oder umgekehrt. Der Staat will
    natürlich immer Fünfer und Weggli zu Lasten des Bürgers.

    Oder die SNB liefert die 2.5 Mrd. Einnahmen aus dem Netaivzinsertrag
    der Steuerbehörde oder der AHV ab.

  • Michael Maloney sagt:

    Der letzte Absatz ist sehr interessant: Somit stütz jeder Bürger mit seiner Rente die Exportwirtschaft und den Tourismus. Nannte man sowas früher nicht Planwirtschaft?

  • Daniel Hauser sagt:

    Das ist der Preis für eine eigene Währung! Mit dem Euro hätten wir andere, weit weniger kritische Probleme. Die grösste Gefahr für unsere Alterssicherung entsteht jedoch durch die Immobilienblase, der einzigen noch verbleibenden Investition für BVG-Gelder. Unser vielerorts überhöhtes Preisniveau belastet die Wettbewerbsfähigkeit der Realwirtschaft. Schwindet diese, sinkt auch dei Atraktivität der Schweiz für zugewanderte Mitarbeiter und damit deren Wohnraumbedarf. Die Immobilienpreise sinken. Unsere BVG-Gelder lagern aber zu bedeutendem Teil in Immobilien. Implodiert dieser Markt, implodiert auch unsere Alterssicherung.

  • Niklas Meier sagt:

    Die Pensionskassen werden einfach zu stark reguliert.
    Die Banken verteilen mehr oder weniger grosszügig Hypotheken, auch für Ausbauten und Sanierungen.
    Pensionskassen finanzieren, meist noch nach viel strengeren Richtlinien bei der Tragbarkeit, Neubauten und Liegenschaftskäufe.
    Und natürlich niedriger verzinst als bei der Bank…

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