Frühpensionierung: Das sollten Sie wissen

Viel Zeit und Ideen: Oft werden die tatsächlichen Kosten im Alter unterschätzt.  Foto: Laif

Gerne möchte ich (55) mich früher pensionieren lassen. Das Leben ist kurz. Man sollte es geniessen. Darum will ich nicht bis 65 arbeiten. Worauf muss ich im Hinblick auf eine Frühpensionierung achten? K.D.

In einem ersten Schritt sollten Sie abklären, ob Sie sich eine Frühpensionierung leisten können. Eine solche ist sehr teuer. Machen Sie für sich einen konkreten Plan: Auf wann möchten Sie sich vorzeitig pensionieren lassen? Es spielt finanziell eine grosse Rolle, ob Sie ein, zwei oder drei Jahre früher in Pension gehen. Sobald Sie Ihre Pläne konkretisiert haben, können Sie die finanziellen Konsequenzen ausrechnen lassen.

Parallel dazu rate ich Ihnen, ein Budget für die Zeit nach der Frühpensionierung zu erstellen. Sie müssen sich fragen, wie Sie im Rentenalter leben möchten. Welchen Lebensstandard wollen Sie pflegen? Sie schreiben, man sollte das Leben geniessen, weil das Leben kurz sei. Wenn Sie im Alter aktiv sein und zum Beispiel viel reisen möchten, müssen Sie dies in Ihrer Planung berücksichtigen und die dadurch entstehenden Kosten in Ihr Budget aufnehmen.

Oft werden die effektiven Kosten im Alter unterschätzt. Man hat nach einer Pensionierung plötzlich mehr Zeit und kann, sofern man bei guter Gesundheit ist, viel unternehmen. Doch das führt zu höheren Kosten. Auch wenn Sie ein besonderes Hobby intensiv pflegen möchten, sollten Sie das budgetieren.

Auf der Einnahmenseite müssen Sie sich bewusst sein, dass nicht nur Ihr bisheriges Einkommen wegfällt. Auch die Renten der AHV und der Pensionskasse würden aufgrund einer Frühpensionierung je nach Zeitpunkt der Frühpensionierung mehr oder weniger stark reduziert – und zwar bis ans Ende des Lebens.

Bei der Pensionskasse könnten Sie statt der Rente auch das Kapital beziehen. Doch in diesem Fall müssten Sie in der Lage sein, dass Geld zu investieren, und Sie tragen das Langlebigkeitsrisiko. Falls Sie sehr alt würden, könnte es sein, dass Ihr Geld nicht reicht. Bei der Rente hingegen trägt die Pensionskasse das Langlebigkeitsrisiko. Möglich ist auch eine Kombination von Rente und Kapitalbezug. Das Kapital gibt Ihnen etwas mehr Handlungsspielraum, wenn Sie, wie Sie schreiben, das Leben geniessen möchten.

Allerdings kann es passieren, dass es für Sie im hohen Alter finanziell eng wird. Vergessen wird oft, dass man nach einer Frühpensionierung weiter AHV-Beiträge zahlen muss. Auch diese sollten Sie in Ihr Budget aufnehmen, zumal die Beiträge je nach Ihrer Vermögenssituation unter Umständen recht hoch sein können.

Im Hinblick auf eine mögliche Frühpensionierung müssten Sie auch Ihre weiteren Lebensumstände miteinbeziehen. Welche Verpflichtungen haben Sie? Besitzen Sie Wohneigentum mit einer Hypothek? Eine Frühpensionierung hat auch darauf Einfluss. Wenn das Einkommen wegfällt und Ihre Einnahmen aus den Renten der AHV und der Pensionskasse allenfalls deutlich geringer sind als Ihr bisheriges Einkommen, was üblicherweise der Fall ist, könnte es sein, dass Ihre Bank die Tragbarkeit Ihrer Hypothek infrage stellt. Sie müssen somit auch frühzeitig prüfen, ob Sie Ihr Wohneigentum im Alter behalten möchten und wie Sie es finanzieren.

Falls Sie aber noch zusätzliches Vermögen etwa in Form von Wertschriften haben, dürfte dies kaum ein Problem sein. Doch auch beim Vermögen gilt es in Hinblick auf eine Frühpensionierung eine Planung vorzunehmen.

Genau prüfen sollten Sie im Übrigen die steuerlichen Konsequenzen einer Frühpensionierung. In den meisten Kantonen sparen Sie durch den gestaffelten Bezug von Vorsorgegeldern einiges an Steuern. Solche und weitere Aspekte gilt es im Detail abzuklären.

Ich empfehle Ihnen, eine Vorsorge- und Pensionsplanung, wie sie die meisten Banken und Versicherungen anbieten, in Anspruch zu nehmen. Damit sehen Sie rasch, ob Sie sich eine Frühpensionierung wirklich leisten können und welches die finanziellen Konsequenzen für Ihr Alter sind.

Zudem kann man Ihnen Massnahmen aufzeigen, die noch während des Erwerbslebens eine Frühpensionierung vielleicht eher möglich machen.

20 Kommentare zu «Frühpensionierung: Das sollten Sie wissen»

  • Peter Rohner sagt:

    Pi mal Daumen kann man sagen: Jedes Jahr, dass man früher in Pension geht, kostet ca. 100‘000 CHF (unter Berücksichtigung von Mehrausgaben, Mindereinnahmen, Steuerersparnissen etc.).

    Wenn eine Frühpensionierungen nicht klappt, dann ist vielleicht eine Teilpensionierung möglich (= sanfter Ausstieg aus dem Berufsleben).

    Unbedingt professionell beraten lassen (vorab aber dazu auch selbst Wissen aneignen mit Büchern oder Internet).

    • Andreas sagt:

      „Unbedingt professionell beraten lassen (vorab aber dazu auch selbst Wissen aneignen mit Büchern oder Internet“…. bis Sie ob all der mehr oder weniger windigen Informationen nicht mehr aus und ein wissen und letztendlich erst recht über den Tisch gezogen werden.

      • willi mosimann sagt:

        Sie können auch einfach nichts machen und das nehmen was kommt ist aber noch naiver als „sich über den Tisch ziehen lassen“

    • Fritz Kunz sagt:

      Ist doch kein Problem, Kapitalbezug aus der Pensionskasse und das Leben in vollen Zügen genießen, sollte es dann im ordentlichen Rentenalter nicht reichen, Ergänzungsleistungen und Krankenkassenverbilligungen beziehen, wie Hunderttausende auch.

      • Marusca sagt:

        FK: Toll, wie Sie sich in solchen Dingen auszukennen…

      • Anna Mayer sagt:

        So ist es Herr Kunz, wer voll bis zur Pension arbeitet ist heut zu Tage der Beschissene. Die Nullbock Generation arbeitet Teilzeit, wenn überhaupt, als Belohnung gibt es dann im Alter steuerfreie Ergänzungsleistungen und zusätzlich Verbilligungen der Krankenkasse oben drauf.

      • Marc sagt:

        Die Aussage ist genial!
        Über die Nullbock-Generation herziehen, aber selbst frühpensionieren lassen, Geld verballern und dann EL beziehen wollen…!?! Vom hinterlassenen Schuldenberg, der maroden Infrastruktur und der beschädigten Umwelt noch nicht mal gesprochen… Generation Nullbock steht im Vergleich schon ziemlich gut da.

      • Benjamin sagt:

        Typische pauschale Hetzerei und über alle anderen herziehen ohne eine Ahnung davon zu haben das die meisten Menschen nicht ur dazu da sind ihren Eigennnutzen zu maximieren so wie sich das gewisse Wählergrupoen so vorstellen. Nachdem der weise Chef sich mal dazu geäussert hat. Wie bei Thema Scheininvalide, faule Arbeitslose, Sozialschmarotzer kommen neu EL Berechtigte hinzu. Kein Wort nirgends niemals darüber das genau die bürgerlich neoliberalen Mehrheiten verantwortlich für die lausig tiefen Renten und repressiven regelrecht asozialen Vorschriften in den Sozialsystemen sind. Pauschalisieren hier alle zu potentiellen Betrügern und habgierigen Neidern. Widerlich diese Hetzerei…

      • willi mosimann sagt:

        Vielleicht wäre es doch angebracht sich zuerst zu informieren statt einfach mal loszuschreiben…
        Es ist eben nicht garantiert, dass sie noch EL erhalten wenn sie alles Geld raugenommen haben und alles verprasst haben.
        Herr Fritz Kunz, sie tun mir echt Leid.

      • Paul Ebert sagt:

        @ Fritz Kuhn: Ich vermute, Sie überschätzen die Anzahl Leute, die sich so verhalten bei Weitem. Zwar gibt es ca. 200’000 Personen, die Ergänzungsleistungen im Alter erhalten. Die Mehrheit sind jedoch Frauen, die ja bekanntlich oft nur geringe oder gar keine PK-Gelder haben. Und auffallend ist, das mit zunehmendem Alter die Anzahl bedürftiger Personen ansteigt – ich tippe wegen Pflege

  • Marusca sagt:

    Hat jetzt zwar nichts mit dem Thema direkt zu tun, aber trotzdem: immer wenn in den Medien die Rede über Pensionierung und Rentner/innen ist, sind gleichzeitig auch Bilder von Alten zu sehen, die in dämlichen Golfwagen (wie hier zum Beispiel), auf Luxusreisen in Kreuzfahrtschiffen etc. in Saus und Braus Ihr Leben geniessen. Das ist,gelinde gesagt, eine Unverfrorenheit und eine Ohrfeige all den vielen Rentnern gegenüber, die nach ihrer Pensionierung erst recht auf den Rappen schauen müssen, denen nämlich, die ihr ganzes Leben (wirklich) hart gearbeitet haben um ihre Familien durchzubringen, die Ausbildung ihrer Kinder zu finanzieren und deswegen keine grossen Rücklagen generieren konnten. Über sie spricht leider niemand, weil nicht sein kann, was nicht sein darf, in unserem schönen Land.

    • Karl Knapp sagt:

      Ŕentner in einer schlecht isolierten 2-Zimmer Altbauwohnung an der Autobahn, die im Aldi das Brot vom Vortag abholen, sind keine Zielgruppe. Weder politisch noch marketingmässig. Traurig, aber auch das hat seine Vorteile.

      • Marusca sagt:

        Ja genau, und darum können Sie bloss hoffen, dass Sie dereinst nicht selber zu denen gehören, der im Aldi altes Brot abholen. Das kann nämlich schneller gehen, als Sie denken. Ob Sie dann immer noch Vorteile darin sehen würden, glaube ich kaum.

      • Karl Knapp sagt:

        Liebe Marusca, wer wie ich schon mit 40 gewusst hat, wo und wann am Samstag die 50% Kleber draufgemacht werden, ist auf ziemlich viel gefasst. Und mit 60 kommen noch ganz andere Probleme, ds ist Herr Spieler nicht mehr zuständig 😉

    • Mustafa Raki sagt:

      @ Marusca: Auch darüber spricht niemand, dass über
      46 Prozent der Schweizer Familien keine direkten Bundessteuern zahlen. Der Club der Nullzahler wächst um über ein Drittel. Der Anstieg ist politisch gewollt.

      • Karl Klammer sagt:

        Der Bund hat gerade wieder einen Überschuss von 2.8 Mrd. zu melden. Irgendwohin muss dieses Geld ja fliessen. Die ärmeren Schichten sollen davon profitieren (meine Meinung).

  • Josef Marti sagt:

    Das soll wohl ein Witz sein. 90% der arbeitenden Renditesklaven können sich nicht mal die normale Pensionierung leisten geschweige denn eine vorzeitige. Dieser Luxus ist für die anderen gedacht die genug Vermögenserträge haben.

  • Richard Weiss sagt:

    Ich und meine Frau haben mit 55 aufgehört zu arbeiten. u.a. weil ich keinen Job mehr fand. Ich zähle mich zu Mittelstand. Es war nur Kapitalbezug möglich. Dank Budget leben wir auch heute gut. Wir sind viel am Reisen. (Wohnmobil) Die Lebenshaltungskosten im Ausland sind ja in den meisten Ländern viel günstiger als in der Schweiz. Dieses Jahr erhalte ich die AHV Rente. Dass ich nicht 100% Rente erhalte wusste ich. Dass allerdings das Steueramt, zumindest im Kanton Zürich, 5 (FUENF!) Jahre Zeit die relevanten Steuerzahlen von Nichterwerbstätigen zu übermitteln war mir nicht bewusst. So ein Schlendrian. Bis Inkl. 2018 liegen mir definitive Zahlen vor. Hier unbedingt rechtzeitig mit der AHV Kontakt aufnehmen und die Arbeit des Steueramtes selber machen.

  • Paul Ebert sagt:

    Ich habe mich mit knapp 60 pensionieren lassen. Was gab es zu berücksichtigen?
    1.) Wie viel Geld wird benötigt? Miete, Lebensunterhalt, Steuern (Proberechnung mit Steuerprogramm), Krankenversicherung, Extras.
    2.) Davon die projizierte AHV abziehen. Das ergab die notwendige PK-Rente.
    3.) Lücke berechnet und in jährlichen Tranchen eingekauft. Auch mal Geld von der 3. Säule an die PK überwiesen. Vielen Dank an die Steuerverwaltung für ihre tatkräftige Mithilfe 😁.
    4.) Berechnung der finanziellen Lücke bis 65 (Anzahl Monate, die die AHV-Rente überbrückt werden muss), Beiträge an AHV nicht vergessen (war aber nicht sehr viel, ca. 15000 für 5 Jahre).
    Kosten:165’000 plus PK-Beiträge. Uwandlungssatz der PK praktisch gleich gut mit 60 wie mit 65 wegen laufender Senkung.

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