Welchen Wert hat der persönliche Kontakt?

Bank Zweiplus bietet selbst keine Anlageberatung für Privatkunden an. Vielmehr ist sie ein Dienstleister und fungiert als Depotbank von externen Finanzberatern und Vermögensverwaltern. Foto: pd

Ich habe von der Bank Zweiplus gehört. Die Konditionen scheinen gut. Mein Geld habe ich bis jetzt bei der Bank Cler, Migros-Bank und CS angelegt. Da mir mein Geld bis zum Lebensende reichen sollte, frage ich Sie: Soll ich jetzt nur noch auf die Bank Zweiplus setzen? D.B.

Die Bank Zweiplus ist eine Tochtergesellschaft der Bank J. Safra Sarasin AG. Anders als die Mutterfirma bietet die Bank Zweiplus selbst keine Anlageberatung für Privatkundinnen wie Sie an. Vielmehr ist sie ein Finanzdienstleister und fungiert als Depotbank für Kundinnen und Kunden von externen Finanzberatern, Versicherungen und Vermögensverwaltern.

Sie übernimmt für die Bankpartner und deren Kundschaft unter anderem die sichere Aufbewahrung und Bewirtschaftung der anvertrauten Vermögen sowie die Depot- und Kontoführung.

Wenn Sie als Privatperson zur Bank Zweiplus wechseln möchten, müssen Sie einen externen Vermögensverwalter auswählen, der Partner der Bank ist. Die Dienstleistungen der Bank Zweiplus in Anspruch nehmen können Sie auch, wenn Sie beispielsweise zur Finanzplattform Cash gehen, die günstige Online-Trading-Konditionen bietet und sämtliche Bankgeschäfte über die Bank Zweiplus und die Systeme der Bank J. Safra Sarasin abwickelt.

Die Konti der Cash-Kunden liegen rechtlich bei der Bank Zweiplus. Diese stellt auch die nötige Banklizenz zur Verfügung. Über die sind auch die Einlagen der Kunden durch die gesetzliche Einlagensicherung der Schweiz bis zu maximal 100’000 Franken je Kunde und Bank im Konkursfall geschützt.

Ihrem Schreiben entnehme ich, dass Sie schon etwas älter sind und Wert auf hohe Sicherheit legen. Aufgrund Ihrer Angaben habe ich Zweifel, dass es für Sie wirklich ein guter Weg wäre, die Finanzdienstleistungen über eine Online-Finanzplattform abzuwickeln. Mit einer reinen Online-Lösung ohne Beratung profitieren Sie von günstigen Gebühren. Dafür erhalten Sie keine Beratung. Sie müssen sich fragen, ob Ihnen die persönliche Beratung durch eine Bank oder einen Vermögensverwalter wichtig ist.

Die hat allerdings immer einen Preis. Vor diesem Hintergrund ist mir nicht klar, warum Sie erwägen, Ihre bestehenden Banken, die Bank Cler, Migros-Bank und CS, zu verlassen. Wenn Sie mit Ihren Banken unzufrieden sind, kann ein Bankwechsel durchaus Sinn machen. Sie müssen aber genau wissen, was Sie möchten, welche Dienstleistungen Sie in Anspruch nehmen wollen und welche Erwartungen Sie an die neue Bank haben. Auch bei einer neuen Bank müssen Sie für die Beratung zahlen.

Vielleicht wäre es sinnvoller, wenn Sie zuerst mit Ihren bestehenden Banken das Gespräch suchen und allfällige Mängel beanstanden. Gerade wenn Sie, wie Sie schreiben, Wertschriften halten, ist ein Wechsel der Bank aufwendig und meist mit Gebühren verbunden.

Noch wichtiger als die Wahl der Depotbank scheint mir in Ihrer Situation die Anlagestrategie. Sie schreiben, dass Sie darauf angewiesen sind, dass Ihnen Ihr Geld bis ans Lebensende reicht, damit Sie Ihren Lebensunterhalt bestreiten können. Da ist es besonders wichtig, dass Sie richtig beraten werden und Sie einerseits über genügend Liquidität für die Bestreitung Ihres Lebensunterhalts verfügen, anderseits auf dem Teil des Geldes, das Sie noch länger nicht brauchen, eine Rendite erwirtschaftet wird.

In Ihrem Fall würde ich prüfen, ob ein Fonds-Entnahmeplan infrage kommt, wie ihn viele Banken anbieten. Damit können Sie sich jeden Monat aus Ihrem Vermögen einen bestimmten Betrag auszahlen lassen und den Rest des Geldes gemäss Ihrem Risikoprofil weiter investieren.

Da Sie auf das Geld angewiesen sind, würde ich allerdings nur eine konservative Strategie wählen. Damit sind im aktuellen Tiefzinsumfeld zwar nur geringe Erträge möglich, aber Sie tragen Ihrem Wunsch nach hoher Sicherheit Rechnung und laufen nicht Gefahr, plötzlich auf hohen Buchverlusten zu sitzen.

7 Kommentare zu «Welchen Wert hat der persönliche Kontakt?»

  • Alexander Wetter sagt:

    „Qualität“ des persönlichen Kontakts und des „Produktes“ sind entscheidend und „machen“ das Geschäft – dafür braucht es Zeit und Stabilität – im Bankwesen muss „das Produkt“ (also die Einlage über einer Million) um das Interesse „des persönlichen Kontakts“ zu wecken

    • Karl Knapp sagt:

      Bei der Migros Bank gibt es schon für wesentlich tiefere Vermögen ein Glas Mineral beim Gespräch, bei der ZKB ein Schöggeli und Kafi, bei meiner lokalen Bank auch noch mehr. Wichtig ist, auch gut zuhören zu können, damit man auch die Untertitel mitbekommt. Genau dafür zahlt man ja Gebühren …

  • Renato Marcucci sagt:

    Es gibt deutlich günstigere und interessantere Online-Trading Anbieter wie zum Beispiel Strateo Online Trading, Cornertrader, Saxo Bank oder Swissquote.

  • Paul K Holenstein sagt:

    Solange alles funktioniert, ist die online Bank super. Bei Schwierigkeiten beginnt die unendliche Reise zu deren Lösung. Kundendienst suchen, Kontaktformulare ausfüllen, unbrauchbare Standardantwort lesen, Telefonkontakt finden, Ausharren in Warteschlange, der Kontaktperson fehlt Problemlösungskompetenz oder sie kann weder richtig deutsch noch englisch. Auf Rückruf warten, der nie kommt. Da bleib ich lieber bei der tradionellen Bank, auch wenn’s etwas mehr kostet.

  • Sprenger sagt:

    @ Martin Spieler: Korrekterweise möchte ich Ihren geschätzten Beitrag um folgende Informationen zu unserer Bank ergänzen: «cash – banking by bank zweiplus» bietet auch Anlageberatung bei Vermögensverwaltungsprodukten an http://www.cash.ch/bankangebote/anlageberatung sowie Entnahmepläne bei Vermögensverwaltungsanlagen http://www.cash.ch/vermoegensverwaltung. Freundliche Grüsse, Jacqueline Sprenger, Head of Marketing & Communications, bank zweiplus ag

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