Die Ziele definieren die Anlagestrategie

Grundsätzlich gilt beim Anlegen: Mehr Rendite hat immer einen Preis. Höchste Sicherheit bedeutet kaum Ertrag. Mehr Ertrag beinhaltet mehr Risiko. Foto: iStock

Ich bin knapp 60 und habe keine Ahnung, wie ich Geld sicher anlegen sollte. Obwohl ich eine Rendite gut gebrauchen könnte, habe ich mein Geld einfach auf einem Konto. Was kann ich tun? S.T.

Bevor Sie Ihr Erspartes anlegen, müssen Sie sich genau überlegen, welche Ziele Sie mit Ihrem Geld verfolgen. Möchten Sie einfach Ihr Vermögen sichern? Oder wollen Sie mit dem Sparbatzen einen möglichst hohen Ertrag erwirtschaften? Oder wollen Sie Ihre Altersvorsorge stärken?

Sehr wichtig ist auch die Frage, wie lange sie Ihr Geld nicht brauchen und es somit arbeiten lassen können. Der Anlagehorizont beeinflusst Ihre Risikofähigkeit. Je nachdem wie Ihre Antworten ausfallen, welche Ziele Sie mit Ihrem Kapital verfolgen und wie viel Zeit Sie sich für die Erreichung der Ziele nehmen, sieht Ihre Anlagestrategie anders aus.

Grundsätzlich gilt: Mehr Rendite hat immer einen Preis. Höchste Sicherheit bedeutet kaum Ertrag. Mehr Ertrag beinhaltet mehr Risiko. Wenn Sie möglichst keine Risiken eingehen möchten, kommen für Sie nur wenig schwankungsanfällige Anlagen wie sichere Obligationen von Schuldnern mit einer hohen Kreditwürdigkeit infrage. Das Problem dabei: Sehr sichere Anleihen in Schweizer Franken bringen wegen der rekordtiefen Zinsen praktisch keine Rendite. Unter Berücksichtigung von Gebühren und der Teuerung verlieren Sie damit sogar Geld.

Wenn Sie einen international breit diversifizierten Obligationenfonds wählen, liegt etwas mehr Rendite drin. Dafür sind Ihre Risiken etwas höher, weil Sie auch ein Währungsrisiko mittragen und die Kreditwürdigkeit der Schuldner unter Umständen nicht top ist. Die breite Diversifikation federt dieses Risiko etwas ab.

Falls Sie sich aber nicht mit mickrigen Renditen, wie man sie auf sicheren Anleihen bekommt, zufriedengeben möchten, kommen Sie an Aktien fast nicht herum. Hier allerdings müssen Sie mit starken Schwankungen rechnen. Deshalb brauchen Sie einen langen Anlagehorizont von acht bis zehn Jahren. Sie müssen damit leben können, dass Sie in einzelnen Jahren – so wie viele im letzten Jahr – auf beträchtlichen Buchverlusten sitzen. Dafür kann es in anderen Jahren – so wie im bisherigen Börsenjahr 2019 – bei den Aktien wieder steil bergauf gehen. Das müssen Sie emotional aushalten können, ansonsten sind Aktien für Sie kaum die richtige Wahl.

Je nach Ihrer Risikobereitschaft und Ihrem Anlagehorizont macht eine Mischung der wichtigen Anlageklassen wie Obligationen, Aktien, Immobilien und Rohstoffe Sinn. Selbst mit kleineren Beträgen ist das dank Portfoliofonds einfach möglich. Mit solchen Anlagevehikeln können Sie breit diversifiziert in eine Vielzahl von unterschiedlichen Wertschriften investieren.

Unabhängig davon sollten Sie prüfen, wie robust Ihre Altersvorsorge aufgestellt ist. Sie könnten – falls Sie dies nicht bereits tun – in die steuerbegünstigte Säule 3a investieren. Diese Einzahlungen dürfen Sie von den Steuern abziehen. Auch da haben Sie die Möglichkeit, in spezielle Vorsorgefonds anzulegen, die mehr Rendite versprechen, als wenn Sie das Geld einfach auf dem Konto liegen lassen. Zwar ist es wichtig, dass Sie immer etwas Reserven auf dem Konto haben, auf die Sie zurückgreifen können. Dennoch sollten Sie nicht zu grosse Summen einfach auf dem Konto brachliegen lassen, da Sie auf dem Konto kaum mehr Zins erhalten und unter Berücksichtigung von Gebühren und Teuerung sogar Geld verlieren.

Lassen Sie sich von Ihrer Bank und auch noch von einem Konkurrenzinstitut einen Vorschlag machen, wie Sie Ihr Geld anlegen könnten. Dann können Sie vergleichen und sehen, was Ihnen entspricht. Auf keinen Fall sollten Sie sich aber einfach etwas aufschwatzen lassen. Sie selbst müssen von den Vorschlägen überzeugt sein und ein gutes Gefühl haben und die gewählte Strategie und die damit verbundenen Risiken verstehen. Denn es ist Ihr Geld, und Sie alleine tragen die Risiken.

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