Warenprüfer SGS gibt sich ambitioniert

SGS-Bericht: Der Genfer Inspektionskonzern strafft sein globales Netzwerk. Foto: Salvatore Di Nolfi/Keystone

An der Schweizer Börse ist die Berichtssaison zum Halbjahr vergangene Woche richtig gestartet. Die Bilanz fällt durchmischt aus. So ist etwa der Warenprüf- und Inspektionskonzern SGS in den ersten sechs Monaten etwas weniger schnell gewachsen als im Vorjahr. Die Verlangsamung war nicht unerwartet, aber ausgeprägter, als Marktbeobachter erwartet hatten. Auch die an sich erfreuliche Verbesserung der Profitabilität vermochte den gemischten Eindruck nicht zu korrigieren. Mit einer Straffung des globalen Netzwerks gibt SGS nun Gegensteuer. Das Unternehmen ist zuversichtlich, dass die damit einhergehenden Kosten bereits im nächsten Jahr wieder eingespielt sein werden. Der Markt ist skeptischer. Der Rückschlag bei den SGS-Aktien mag etwas übertrieben ausgefallen sein. Doch bereits bisher fand ich die Zielsetzung im Hinblick auf die Betriebsgewinnmarge ambitioniert. Eine reibungslose Umsetzung des Sparprogramms ist unabdingbar, um den Ertragsfortschritt zu sichern. Halten

Schwächelnder Automobilmarkt

Etliche Industrieunternehmen erwarten zum Halbjahr einen deutlichen Gewinnrückgang. China und die Flaute im Automobilsektor belasten. Neben dem Maschinenhersteller Bobst gesellte sich Schmolz + Bickenbach zu den jüngsten «Gewinnwarnern». Der Hersteller von Speziallangstahl erzielt fast die Hälfte der Einnahmen im Segment Mobility, das zum grossen Teil den schwächelnden Automobilmarkt betrifft. Nach einem schlechten Quartal mit Absatz- und Umsatzrückgang sowie der Halbierung operativer Ergebnisse musste S + B die Jahresprognose nach unten anpassen. Die Nachricht ist brisant, weil das Unternehmen hohe Nettoschulden hat – dadurch fehlt ein Polster für schwierige Zeiten. Und es gibt keine Aussicht auf Entspannung, wie die für den 7. August angekündigten Semesterzahlen zeigen werden. Da frage ich mich, wie lange die kreditgebenden Banken zuschauen. Auch nach dem Kursverlust von rund 12 Prozent auf 40 Rappen würde ich die Aktien daher nicht anfassen. Meiden

80 Milliarden Euro verwaltete Gelder

Der Investmentanbieter Partners Group expandiert in gewohntem Tempo. Im ersten Semester sind ihm von aus- und inländischen Institutionellen weitere 7,4 Milliarden Euro zur Anlage zugeflossen. Performance- und Währungseinflüsse eingeschlossen, stiegen die verwalteten Gelder um 9 Prozent auf 80 Milliarden. Angaben zum Semesterüberschuss macht Partners Group am 10. September. Gemessen an der Gewinnschätzung, die von einem 10-prozentigen Gewinnwachstum ausgeht, halte ich die Aktien zum Kurs-Gewinn-Verhältnis von 25 zwar für teuer. Doch das ist mit Blick auf den Wachstumstrend des Unternehmens in Ordnung. Co-Chef David Layton machte an der Investorenorientierung einen optimistischen Eindruck. Die Kaufpreise neuer Investments für die Anlagekunden seien derzeit ausgesprochen hoch. Deshalb habe das Management 98 Prozent der im ersten Semester gesichteten Gelegenheiten abgelehnt. Wenn diese vorsichtige Politik zur Folge hat, dass Partners Group weiterhin kräftig erfolgsabhängige Gebühren kassieren kann, glaube ich an weitere Gewinn- und Dividendensteigerungen. Kaufen

Schwache Nachfrage nach strukturierten Produkten

Nicht alles drehte sich vergangene Woche um Halbjahreszahlen. So meldete Raiffeisen, dass sie nun doch komplett an ihrem 29-Prozent-Anteil an Leonteq festhält. Noch vor einem Jahr hatte die Bank angekündigt, 10 Prozent des Derivatspezialisten an einen strategischen Investor abzugeben. Laut eigener Aussage ist Raiffeisen zu sehr vom Geschäftsmodell Leonteqs überzeugt. Ich sage dagegen, Raiffeisen hat schlicht keinen Käufer gefunden. Sie wollte sicher nicht mit Verlust verkaufen. Genau das hätte ihr aber geblüht. Nach meinen Schätzungen hatte Raiffeisen ihren Leonteq-Anteil nämlich seit dem Absturz der Aktie ab Mitte 2015 stets mit einem zu hohen Wert in den Büchern stehen – trotz Abschreibern. In einem guten Börsenumfeld haben die Titel seit Jahresbeginn 20 Prozent verloren, was vor allem auf die schwache Nachfrage nach strukturierten Produkten zurückzuführen ist. Das werden die Halbjahreszahlen nächste Woche zeigen. Anleger brauchen in den Aktien weiterhin einen langen Atem. Die Titel sind aber fair bewertet. Das Geschäftsmodell hat bewiesen, dass es funktioniert, und das Wachstumspotenzial ist intakt. Ein Einstieg könnte sich lohnen.
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Mehr Gestaltungsraum für die Mitarbeiter

Geradezu glänzende Quartalszahlen hat Novartis vorgelegt und dabei auch gleich den Ausblick für das Gesamtjahr erhöht. Chef Vas Narasimhan führt den Erfolg unter anderem auf den von ihm angestrebten Kulturwandel zurück. Unter dem künstlichen Begriff Unboss – nicht Chef oder weg vom Chef – will er den einzelnen Mitarbeitern mehr Gestaltungsraum, aber auch Verantwortung geben. Die Belegschaft sei deshalb so engagiert wie nie. Ich bin ja skeptisch bei solchen Einschätzungen der Führungsetage, aber bisher gibt der Erfolg ihm recht: Beide Divisionen, Innovative Medi­cines und erstaunlicherweise auch die Generikasparte Sandoz, konnten die verkauften Mengen um 10 Prozent steigern. Dieses und nächstes Jahr will der Konzern zehn neue Produkte lancieren, von denen er sich Milliardenumsätze erhofft. Die Markteinführung der eben erst in den USA zugelassenen 2,1 Millionen Dollar teuren Gentherapie Zolgensma läuft offenbar planmässig. Die Aktien sind mit einem für 2019 geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 18 zwar historisch betrachtet nicht günstig bewertet. Der Supertanker nimmt aber Fahrt auf – das könnte länger anhalten. Kaufen

 

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