Bell leidet wegen Schweinepest

Würste von Bell: Höhere Kosten versauen dem Fleischverarbeiter das Halbjahresergebnis. Foto: Gaëtan Bally/Keystone

Die Afrikanische Schweinepest hat Folgen für den Weltmarkt – und für mindestens einen Schweizer Lebensmittelhersteller. Weil es in China infolge der hochansteckenden Viruserkrankung an Rips und Schnitzeln mangelt, importiert das Land vermehrt Schweinefleisch aus der Europäischen Union. Das knappe Angebot spürt nun auch Bell Food: 30 Prozent habe sich der Rohstoff seit Anfang Jahr verteuert – je nach Stück sogar noch deutlicher, teilten die Basler am Mittwoch mit. Betroffen ist hauptsächlich das Charcuterie-Segment Bell International. Damit versauen höhere Kosten dem Fleischverarbeiter das Halbjahresergebnis. Zwar laufen die Preisverhandlungen weiter, doch die Erfahrung zeigt, dass Bell gerade im am meisten betroffenen Markt, namentlich Deutschland, wiederholt grosse Schwierigkeiten hatte, höhere Preise auf die Kunden abzuwälzen. Die Discounter Aldi und Lidl, in denen Bell ihre Produkte anbietet, sitzen durch ihre Marktdominanz in der Regel am längeren Hebel und halten die Preise tief. Deswegen bezweifle ich, dass es dem Unternehmen gelingen wird, die Kosten wie erhofft weitergeben zu können. Und eine Entspannung bei den Schweinefleischpreisen ist derzeit nicht in Sicht. Abwarten

Anpassung der Strategie

Seit vergangenem August befindet sich der Kurs des führenden Schweizer Bauunternehmens ­Implenia auf Talfahrt. Die Titel hinken dem Schweizer Markt allein dieses Jahr knapp 30 Prozent hinterher. Die Bewertung hat sich mehr als halbiert. Hintergrund sind hohe Wertberichtigungen auf Grossaufträgen im Ausland, vor allem in Norwegen. Zudem trat im Herbst der langjährige Chef Anton Affentranger in den Ruhestand. Sein Nachfolger André Wyss verordnete dem Unternehmen eine neue Organisationsstruktur und eine Anpassung der Strategie. Wie die neue Matrixorganisation intern aufgenommen wird, ist schwer zu beurteilen. Ich bin insofern skeptisch, als diese Organisationsform kompliziert und meist schwer zu handhaben ist. Die Bäume werden 2019 auf jeden Fall nicht in den Himmel wachsen. Dem stimmt auch das neue Management zu; es erwartet ein Übergangsjahr. Halten

Nachfolger gesucht

Es ist ruhig geworden um die Aktien der Privatbank Julius Bär. Das letzte Mal in Erscheinung traten die Titel, als sie Anfang April aus dem Schweizer Leitindex SMI flogen. Damals hatte ich empfohlen, sie zu meiden. Neben dem reduzierten Interesse nach dem SMI-Rausschmiss habe ich vor allem mit der Abhängigkeit von den Märkten Mühe. Nun sind die Börsen aber kräftig gestiegen, nach vier Monaten hatte die Bank zudem rekordhohe verwaltete Vermögen ausgewiesen. Dennoch haben sich die Aktien kaum bewegt. Das liegt sicher daran, dass weiter Unsicherheiten bestehen, etwa was die Nachfolge des Konzernchefs betrifft. Dem Vernehmen nach ist die Bank daran, einen Nachfolger für Bernhard Hodler zu rekrutieren. Wann dieser verkündet wird, ist ungewiss, es dürfte aber zu einem Kursschub führen. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 11 und einer Dividendenrendite von 3,5 Prozent sind die Aktien allerdings nicht teuer. Ein Grossteil der Unsicherheiten dürfte deshalb im Kurs enthalten sein. Ein Einstieg könnte sich für langfristig orientierte Anleger lohnen. Auch als möglicher Übernahmekandidat wird Bär immer wieder genannt, was kurstreibend wirken sollte. Ich ändere deshalb meine Einschätzung: Kaufen

Viel Vertrauen verspielt

Die Titel von U-Blox gehörten lange Zeit zu den Lieblingen an der Börse. Das Unternehmen ist so­lide geführt, technologisch in seinen Nischen gut unterwegs – und doch läuft es nicht rund. Zwei Drittel haben die Aktien des Chipdesigners, der Prozessoren nur entwickelt, dann im Auftrag fertigen lässt, in den vergangenen zwölf Monaten an Wert verloren. Zunächst machte der Gesellschaft aus Thalwil ZH die Zurückhaltung der Kunden in den USA zu schaffen, dann die der Klientel in Fernost. Mehrere Gewinnwarnungen später hat U-Blox viele Investoren verloren und viel Vertrauen verspielt. Ich denke, die Mittelfristziele, die sich U-Blox bis 2022 setzt, sind ambitioniert und nur in einem Weltwirtschaftsklima zu schaffen, in dem der freie Handel allen am Herzen liegt. Danach sieht es unter der protektionistischen Politik von US-Präsident Donald Trump nicht aus. Für mich gibt es derzeit zu wenige Argumente, die für ein Engagement in den Aktien sprechen. Verkaufen

Erleichterte Investoren

Die Aktien des Flughafens Zürich zählten vergangene Woche an der Börse zu den Gewinnern und haben ihren Rückstand aufgeholt. Seit Anfang Jahr liegt die Rendite nun im Rahmen des Gesamtmarktes. Für einmal war nicht das Passagierwachstum der Anlass – es war im Mai schwächer als im Vormonat –, sondern ein Entscheid aus Bundesbern. Der Bundesrat verzichtet in der Teilrevision der Gebührenverordnung für Flug­hafenbetreiber auf Massnahmen, die den Flughafen teuer zu stehen gekommen wären. Die Valoren hatten seit November unter dieser Möglichkeit gelitten. Investoren reagieren erleichtert darauf, dass der Worst Case abgewendet werden konnte. Die Berechenbarkeit des Geschäftsgangs ist mit dem Bundesratsentscheid gestiegen. Insgesamt sollte die Kombination von Flugbetrieb, Detailhandel und Immobilien den Anlegern Gewähr für eine attraktive Rendite bieten. Ich bin aber der Überzeugung, dass das aktuelle Bewertungsniveau mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 19 keine substanzielle Höherstufung zulässt. Immerhin werden die Aktionäre mit einer erwar­teten Dividendenrendite von 3,7 Prozent entschädigt. Halten

 

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