Wie man Abfall zu Geld machen kann

Trendthemen Recycling und Klimawandel: Die Wiederaufbereitung der im Abfall enthaltenen Ressourcen ist eine grosse Chance. Unternehmen können nachhaltiger wirtschaften und oft Kosten sparen. Foto: iStock

Ich habe ein Inserat der Postfinance über ein «Tracker-Zertifikat auf Trendthema Reycling» gesehen, das ich mit Interesse gelesen habe. Die Laufzeit geht bis ins Jahr 2023. Wie stehen Sie zu diesem Zertifikat? R.N.

Bei dem von Ihnen erwähnten Tracker-Zertifikat handelt es sich um ein strukturiertes Produkt. Damit kann man auf einfache Weise einen bestimmten Index abbilden und so eine breite Diversifikation erreichen und in eine Vielzahl von verschiedenen Aktien investieren.

Anders als Anlagefonds unterstehen Tracker-Zertifikate als strukturierte Produkte nicht den strengen gesetzlichen Bestimmungen des Kollektivanlagengesetzes und damit auch nicht der Aufsicht der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma). Der gesetzliche Anlegerschutz ist bei solchen Instrumenten jedoch geringer.

Das von der Postfinance vermarktete Tracker-Zertifikat auf das Trendthema Recycling ist an den Swissquote Global Recycling Index gekoppelt. Dieser investiert in Gesellschaften, die mit Technologien, Produkten und Dienstleistungen in den Bereichen Recycling, Abfallmanagement, Wasseraufbereitung, Verschmutzungsüberwachung oder anderen Umweltservices aktiv sind. Derzeit sind in dem Recycling-Index 16 Unternehmen vertreten, 9 aus den USA.

Zweifellos ist Recycling ebenso wie der Klimawandel ein Trendthema in unserer Gesellschaft. Unser Umgang mit dem Abfall und die Wiederaufbereitung der im Abfall enthaltenen vielfältigen Ressourcen sind eine grosse Herausforderung für unsere Gesellschaft, gleichzeitig aber auch eine immense Chance. Indem Ressourcen in den Kreislauf zurückgeführt werden, können Unternehmen nachhaltig wirtschaften und oft auch Kosten sparen.

Immer mehr Konsumentinnen, aber auch immer mehr Investoren, erwarten von den Firmen eine nachhaltige Strategie. Dabei spielt das Recycling eine grosse Rolle. Oft geht es nicht allein nur um ideelle Werte, sondern auch um ökonomische Aspekte. Die Wiederaufbereitung von Abfall und die Rückgewinnung von Ressourcen sind zwar teuer, aber oft auch einträglich. Man kann damit in der Tat gutes Geld verdienen, was etliche an der Börse kotierte Abfall- und Recycling-Unternehmen tun.

Das von Ihnen erwähnte Tracker-Zertifikat gibt Ihnen die Möglichkeit, an diesem Trend und an den damit verbundenen Gewinnchancen zu partizipieren. Kostenlos gibt es das aber nicht. Pro Jahr wird bei dem Instrument eine Verwaltungsgebühr von 0,95 Prozent verrechnet. Das geht von Ihrer Rendite weg.

Herausgeberin dieses strukturierten Produkts ist die an der Schweizer Börse kotierte Finanzboutique Leonteq. Garantiegeberin ist indes die Postfinance. Sie würde im Falle eines Zahlungsausfalles einspringen und haftet bei diesen Zertifikaten für die Auszahlung.

Das bedeutet leider keineswegs, dass Sie mit den Tracker-Zertifikaten kein Risiko tragen. Obwohl das Instrument eine breite Diversifikation ermöglicht, tragen Sie das volle Anlagerisiko.

Sie investieren in Aktien von Unternehmen, die im Recycling-Sektor tätig sind. Falls diese aber entgegen der Erwartung nicht erfolgreich sind oder die Aktienmärkte als Ganzes abstürzen, müssten Sie mit beträchtlichen Buchverlusten rechnen. Als Inhaber der Tracker-Zertifikate würde ein Einbruch des Swissquote Global Recycling Index voll auf Ihr investiertes Geld durchschlagen. Zusätzlich sind Sie indirekt einem Währungsrisiko ausgesetzt, da das Instrument nicht währungsgesichert ist.

Auch wenn Recycling zweifellos eine Trendbranche mit viel Potenzial ist, sollten Sie sich genau überlegen, ob Sie die mit dem Instrument verbundenen erhöhten Anlagerisiken tragen wollen und können. Trotz Sympathie für das Thema Recycling sollte man jederzeit die mit Aktienanlagen verbundenen Risiken vor Augen behalten.

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