Was taugt die digitale Vermögensverwaltung?

Online-Trading-Plattformen wie Swissquote bieten eine Vermögensverwaltung auf Onlinebasis ohne menschliche Beratung an. Grosse Summen sollte man auf einer solchen Basis nicht anlegen. Foto: Keystone

Ich würde gerne einen Betrag von 400’000 Franken für circa zehn Jahre anlegen. Auf diesen Betrag bin ich nicht angewiesen und kann auch ein höheres Risiko tragen. Meine Renditevorstellungen sind rund 3 Prozent pro Jahr. Mehrere Gespräche mit verschiedenen Banken haben einen durchzogenen Eindruck hinterlassen, vor allem die Gebühren von 1,1 bis 1,5 Prozent schrecken mich ab. Ein eigenes Management des Portfolios kommt für mich nicht infrage. Was halten Sie von Robo-Advisors und der Firma True Wealth? R.G.

Robo-Advisors, wie Sie die von Ihnen erwähnte True Wealth oder auch die Online-Trading-Plattform Swissquote anbieten, sind Anlagelösungen, die auf der Basis Ihres Risikoprofils mittels Algorithmen eine Anlagestrategie erstellen und Ihr Vermögen elektronisch verwalten und überwachen. Dabei läuft alles digital – ohne persönliche Beratung durch einen Vermögensexperten oder eine -expertin.

True Wealth wurde vor sechs Jahren von Oliver Herren, einem der Mitgründer von Digitec und Galaxus, und dem Physiker Felix Niederer gegründet. Das Fintechunternehmen mit Sitz in Zürich bietet schon für kleinere Summen eine Vermögensverwaltung auf reiner Onlinebasis mit breiter Diversifikation auf verschiedene Anlageklassen an.

Die Mindestanlagesumme liegt bei lediglich 8500 Franken. Für die Verwaltung des Vermögens werden lediglich 0,5 Prozent pro Jahr verrechnet, darin eingeschlossen sind die Transaktionskosten. Depotgebühren fallen keine an. Dazu kommen aber übliche Abgaben für Stempelsteuer usw. sowie reine Produktekosten. Letztere sind aber gering, da zu einem grossen Teil günstige Exchange Traded Funds zum Einsatz kommen.

Unter dem Strich ist True Wealth günstiger als Swissquote. Hier werden bei einer verwalteten Summe zwischen 10’000 und 200’000 Franken jährliche Administrationsgebühren von 0,75 Prozent plus Verwaltungsgebühren von 0,5 Prozent verrechnet. Ab 350’000 Franken sinkt bei Swissquote die Administrationsgebühr auf 0,45 Prozent, die zusätzliche Verwaltungsgebühr bleibt aber bei 0,5 Prozent. Als Depotbank können Sie bei True Wealth entweder die Basellandschaftliche Kantonalbank (BLKB) nutzen, die auch am Fintechunternehmen beteiligt ist, oder die Saxo Bank (Schweiz).

Die Verwaltungsgebühren sind meines Erachtens allerdings nur ein Aspekt, den man bei der Vermögensverwaltung beachten sollte. Mindestens so wichtig ist der Anlageerfolg. Denn es nützt Ihnen nichts, wenn Sie für eine Vermögensverwaltung zwar nur wenig bezahlen, aber keine befriedigende Rendite bekommen.

Punkto Anlageerfolg kann ich Ihnen für die Robo-Advisor-Lösungen keine Einschätzung geben. Ich weiss nicht, wie erfolgreich sich die Robo-Advisor-Lösungen im Markt behaupten. Hier fehlen mir schlicht die Erfahrungswerte – insbesondere weiss ich nicht, wie erfolgreich sich diese auf Algorithmen basierenden Strategien in Krisensituationen behaupten. Hier wäre es interessant, über mehrere Jahre hinweg effektive Performancedaten von Robo-Advisors mit denjenigen einer klassischen Vermögensverwaltung zu vergleichen.

Aufgefallen ist mir in Ihrer Frage der Hinweis, dass Sie sich eine jährliche Rendite von 3 Prozent wünschen. Darauf sollten Sie sich bei einer Robo-Advisor-Strategie nicht verlassen. Auf lange Sicht von zehn Jahren ist es durchaus möglich, dass Sie je nach gewählter Strategie im Durchschnitt eine solche Rendite erzielen. Sie müssen sich aber auf starke Kursschwankungen einstellen und damit rechnen, dass Sie während längerer Phasen auch auf Buchverlusten sitzen.

Eine Vermögensverwaltung auf Onlinebasis ohne menschliche Beratung ist sicher nicht für alle Privatinvestoren geeignet. Ob eine solche Lösung für Sie passt, müssen Sie selbst abschätzen. Auf keinen Fall würde ich die ganze Summe auf einer solchen Basis anlegen. Vielmehr würde ich eher nur einen Testlauf machen oder auch nur mal eine kleine Teilsumme investieren. Dann können Sie erste Erfahrungen und machen und eher beurteilen, ob Ihnen eine solche Lösung passt oder nicht.

12 Kommentare zu «Was taugt die digitale Vermögensverwaltung?»

  • Fabian sagt:

    Die Firma True Wealth ist gut organisiert und beschäftigt sympathische Mitarbeiter. Leider hat TW in meinem Fall nicht die erwarteten Performance erwirtschaftet, daher nach kurzer Zeit der Ausstieg. Ich habe erwartet, dass mein Portfolio in turbulenten Zeiten durch die Diversifizierung besser vor negativer „Performance“ geschützt sei, war es aber nicht. Es kann gut sein, dass andere Anleger bessere Erfahrungen gemacht haben, für mich hat es nicht gestimmt.

  • david m sagt:

    bin auch mit einer kleineren summe auf truewealth, man muss tatsächlich eine minusphase einstecken können. das gute ist aber, dass mann sein anlagemix (risikostreuung) immer wieder selber anpassen kann.
    ich empfehle true wealth

  • Thomas Müller sagt:

    Einen Robo-Advisor ist eine Dienstleistung, wie jede andere auch: Man muss sich nicht (oder weniger) mit dem Thema Geldanlage beschäftigen und bezahlt dafür einen Betrag. Umgekehrt heisst das auch: Will man nichts bezahlen, muss man Zeit investieren, um sich in das Thema einzulesen.
    Mein Tipp wäre: ein ETF auf den MSCI World oder ACWI. Damit ist man in die ganze Welt investiert, besser diversifiziert gehts nicht. Risikoarmer Teil? Aufs Sparkonto damit, Anleihen bringen nichts im Moment. Rohstoffe? Machen den Braten nicht fett. Das ganze kostet 0.31 % pro Jahr.

  • R.M sagt:

    Habe mal Januar 2019 mit virtuellen 100’000.- ein paar robo’s ausprobiert, damit ich genau diese frage auch für mich beantworten kann, allerdings spielt der jeweilige anlagenmix eine grosse rolle. Also bei allen habe ich grosses Risiko gewählt.
    Da bekanntlich seit anfang 2019 die Aktien überall hoch gingen, sollte eigentlich auch überall eine gute Rendite rausschauen, das ist aber nicht so. z.B. True Wealth war der schlechteste.
    Clevercircles der beste.
    Ich habe sicher nicht alle ausprobiert und nur in der CH. Preise habe ich auch verglichen.
    Gewinner ist daher für mich Clevercircles. Allerdings ist mir im Moment alles zu hoch, darum warte ich erstmal mit investieren und begnüge mich mit unserer tiefen Inflation.
    Weitere Möglichkeit:
    -AVADIS
    -ETF’s in CHF auf World/SMI/EM

  • Mick sagt:

    Ich habe mit True Wealth gute Erfahrungen gemacht, übersichtlich, einfach und alles gut erklärt. Bin seit knapp zwei Jahren investiert und obwohl 2018 negativ endete ist die Gesamtperformance heute erfreulich und hätte ihre Zielvorgaben von 3% p.a. übertroffen. Würde mich den Vorrednern anschliessen, primär in Aktien ETF investieren, vielleicht noch ein kleiner Teil in Rohstoffe und Immobilien.

  • Reto Anderegg sagt:

    Ich finde es auch schade, dass so wenig Robo-Advisors die Rendite transparent offenlegen. Aus dem Grund bin ich dann bei ELVIA e-invest gelandet, da konnte man die Rendite auf der Website für die letzten 10 Jahre anschauen. Und zudem gehören die zur Allianz Suisse, was mir noch ein gutes Gefühl gegeben hat.

    • Swen sagt:

      @Reto Anderegg: Mein Kommentar als zufriedener True Wealth Kunde ist evtl etwas voreingenommen.

      Bei True Wealth kann ich die historische Rendite auf 15 Jahre simulieren (unten als Tab auf Dasboard). Sogar auf mein individualisiertes Portfolio. Und wenn mir Sicherheit wichtig ist, würde ich eher auf eine Kantonalbank (Staatsgarantie) als Depotbank setzen als auf die Saxobank wie bei Elvia.

      @Martin Spieler: mit o.g. Funktion kann man doch eigentlich auch sehen, wie sich mein True Wealth Portfolio bei einem Crash verhalten hätte?

  • Karl K. sagt:

    Die Berater bei den Banken sind unterdessen so wenig frei wie die Roboter in ihren Empfehlungen. Wenn Sie (überall) einen durchzogenen Eindruck erhalten haben, ist dies kein Zufall. Die Interpretation liegt jetzt bei Ihnen.

  • urs borter sagt:

    Ich bin seit 3 Jahren bei truewealth mit ca. 100k investiert. Schwankungen gibt’s natürlich auch hier. Aber bisher war ich nie im Minus die durchschnittliche Jahresrendite bei 65% Aktien Anteil liegt bei 5″%.
    Übrigen sind in den 0;5 % Gebühren alle Spesen enthalten. Kickbacke werden mir gutgeschrieben.

  • Peter Rohner sagt:

    True Wealth ist aus meiner Sicht intransparent. Ich fülle ein Risikoprofil aus und bekomme dann einen massgeschneiderten Vorschlag für meinen Anlagemix. Welche Produkte das genau sind, wird mir nicht gesagt, sie sollen aber günstig sein. Darunter gibt es auch Fonds (Indexfonds oder ETFs) mit Domizil USA. Dies würde ich aber als in der Schweiz lebende Person tunlichst vermeiden, da meine Erben in diesem Fall bei meinem Ableben die gesamte Erbmasse der USA melden müssen, um dann gezielt auf die USA-Domizil-Produkte Erbschaftsteuern zu zahlen … danke nein!

    Gute Fondsdomizile für in der Schweiz lebende Personen sind die Schweiz, Irland und Luxemburg.

  • Peter Rohner sagt:

    Ich würde mir neben TrueWealth und Swissquote unbedingt auch die Produkte vom Vermögenszentrum anschauen. Beispielsweise ist „Anlegen mit ETFs“ hervorragend für Leute geeignet, die sich nicht selbst um ihr Vermögen kümmern wollen. Strategie „Buy and Hold“ mit monatlichem Rebalancing wird da gemacht (= passive Anlagestrategie mit passiven Fonds = erfolgreich auf lange Sicht).

    Ein Robo-Advisor arbeitet nach fest vorgegeben Regeln (= gut), aber es wird Markttiming betrieben (d.h. Verkauf und Kauf von Investitionen zu vermeintlich günstigen Zeitpunkten = aktive Anlagestrategie), was aber im Normalfall nicht funktioniert (d.h. „Buy and Hold“ ist langfristig besser).

    • Paul Kellenberger sagt:

      Dem kann ich beipflichten. Zudem kann ich einen der kostenlosen workshops der VZ „Erfolgreich Geld anlegen mit ETF“ empfehlen.

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