Der Vorsorgeausweis ist nur eine Hochrechnung

Machen Sie sich keine Illusionen: Der beim Vorsorgekapital vermerkte Betrag ist nicht garantiert! Foto: Getty Images

Bei meiner Anstellung wird es im nächsten Jahr Änderungen geben. Ein Teil meiner Anstellung verbleibt bei meiner bisherigen kantonalen Pensionskasse, der andere Teil wird zu einer Stiftung transferiert. Offenbar sind die Leistungen der Stiftung besser. Ich stelle mir aber die Frage, ob dies in den nächsten Jahren weiterhin so bleiben wird. So könnte zum Beispiel der Umwandlungssatz gesenkt werden. Wenn ich mich teilweise auf den 31. Dezember 2019 pensionieren liesse, hätte ich eine Teilrente mit berechenbaren Leistungen auf sicher. Sehe ich das falsch? J.B.

Nein, Sie sehen das richtig. Wenn Sie sich auf Ende Jahr teilpensionieren liessen, würden die aktuellen Bestimmungen, die in Ihrer Pensionskasse gelten, zur Anwendung kommen – also auch der aktuell in Ihrer Kasse gültige Umwandlungssatz.

Auf längere Sicht sind die Leistungen, die Ihnen heute von einer Vorsorgeinstitution versprochen werden, aber keineswegs garantiert. Es ist sehr gut möglich, dass eine Pensionskasse im überobligatorischen Teil den Umwandlungssatz weiter senkt oder sonst die Leistungen anpasst.

Im obligatorischen Teil sind die Kassen zwar an den nach wie vor geltenden gesetzlichen Umwandlungssatz von 6,8 Prozent gebunden. Im überobligatorischen Teil sind die Kassen aber frei und können den Umwandlungssatz stark senken, was aufs Ganze bezogen für Sie einen tieferen Satz ergibt und geringere Renten nach der Pensionierung zur Folge hat. Mit einer weiteren Senkung von Leistungen müssen Sie angesichts der schwierigen Situation bei vielen Kassen jederzeit rechnen.

Man sollte sich keine Illusionen machen: Das, was Sie jeweils im Vorsorgeausweis etwa unter dem Punkt Vorsorgekapital und Rente für die Zukunft in ein paar Jahren bei einer ordentlichen Pensionierung als erwartete Zahl sehen, ist nicht garantiert. Vielmehr ist das erwähnte Vorsorgekapital eine Hochrechnung für die Zukunft und basiert auf der Annahme, dass zum Beispiel Ihr Lohn gleich bleibt und auch die Verzinsung des Kapitals gleich hoch bleibt. Das muss aber nicht so sein.

Verbindlich sind hingegen die grundsätzlichen Rahmenbedingungen im Reglement der Pensionskasse. Allerdings kann später auch das Reglement der Kasse nochmals angepasst werden.

Abgesehen von diesen Aspekten ist es aus meiner Sicht nicht zwingend schlecht, wenn Sie aufgrund einer Stellenveränderung zwei verschiedene Pensionskassen haben. Wenn Sie zwei verschiedene Pensionskassen haben, hat das einerseits den Pluspunkt, dass Sie eine Diversifikation punkto Risiken erreichen. Vor allem aber haben Sie den Pluspunkt, dass Sie später allenfalls einen gestaffelten Bezug vornehmen könnten. Damit würden Sie bei einem allfälligen Kapitalbezug bei der Pensionierung Steuern sparen.

Ich rate Ihnen, bei beiden Kassen nach dem Deckungsgrad und weiteren Kennzahlen zu fragen. Dann sehen Sie im Detail, wie robust die Kassen aufgestellt sind. Eine Teil-Frühpensionierung würde ich nie nur von den finanziellen Aspekten bei der Kasse abhängig machen, sondern auch von Ihren persönlichen Bedürfnissen und Lebensumständen.

Beides können Sie im Rahmen einer Pensionsplanung, wie sie Banken und Versicherungen anbieten, einbringen und dann herausfinden, welche Variante für Sie sowohl finanziell auch als punkto Lebensqualität optimal ist.

7 Kommentare zu «Der Vorsorgeausweis ist nur eine Hochrechnung»

  • Josef Marti sagt:

    Jeder sollte schauen das Geld so schnell wie möglich aus dieser Zwangsanstalt rauszunehmen, diese hat nämlich nur den Zweck, Versicherungs- und Banker Boni zu generieren. Die Politiker arbeiten fieberhaft daran den Kapitalbezug zu verbieten, es ist nur noch eine Frage der Zeit, dann ist die Enteignung komplett. Jeder kann dann auf eine Mini Rente mit Umwandlungssatz auf Null Tendenz gesetzt werden.

  • Charles Hügli sagt:

    Was Herr Spieler als „Hochrechnung“ verharmlost, ist nichts anderes als ein unrealistisches, unseriöses Renditeversprechen. Dies ist ein typisches Merkmal eines Schneeballsystems, wie eben die Schweizer Altersvorsorge (AHV+PK) eines ist. Jeder seriöse Investor weiss, dass zukünftige Renditen ungewiss sind. Es macht keinen Sinn, irgendwas vorherzusagen. Hauptsache, man investiert genug, langfristig und sinnvoll. Keine Bank würde solche Renditeprognosen abgeben, nur unsere dämlichen staatlichen Zentralplaner können sich alles erlauben auf ihren irreführenden Formularen.

  • willi mosimann sagt:

    @Josef Marti, sehe ich überhaupt nicht so, nur Dank dem „Zwangssparen“ der 1. und 2. Säulen können wir in Pension relativ gut leben. Das Verbieten des Kapitalbezugs würde sich eh nur auf den obligatorischen Teil beschränken. Dies finde ich auch gut so, es gibt genug Fälle wo Pensionierte ihr ganzes Kapital rausnehmen und 10 Jahre später Sozialhilfe beziehen müssen weil sie alles verprasst haben

    • Josef Marti sagt:

      Dasselbe blüht Ihnen mit einer Pseudo Minirente mit Umwandlungssatz knapp über Null. Ist die EL wie geplant noch weiter gekürzt bleibt noch das Sozialamt, und dort wird auch immer weiter gekürzt. Die CH kann sich künftig auf ein Heer von Altersprekariat einstellen, das wird vorläufig z.T. noch überbrückt und abgemildert weil die Golden Generation des Nachkriegbooms noch einiges zu vererben hat.

    • Hobbyberater sagt:

      @Willi Mosimann Ich gebe Ihnen vollkommen Recht. Der Kapitalbezug ist eine grosse Gefahr für die finanzielle Sicherheit der Rentner. Damit wird das Risiko, die notwendige Rendite zu erwirtschaften, an den Einzelnen ausgelagert. Kein Wunder, dass einige Pensionskassen im Überobligatorium bzw. 1e sogar zum Kapitalbezug zwingen.

      Ich persönlich halte das Verbot des Kapitalbezugs im obligatorischen Bereich zwar für eine massive Freiheitseinschränkung aber für sehr sinnvoll. Ähnlich wie die Pflicht krankenversichert zu sein…

  • Nadine Binsberger sagt:

    Es ist ohnehin absurd, sein Alter individuell via Geld absichern zu wollen, auf Jahrzehnte hinaus. Menschen in jedem Alter benötigen Nahrung, ein Dach über dem Kopf, Wärme, Gesundheit, Kommunikation, Transport, etc. Heute scheint es, man könne mit Geld all das haben. Aber tatsächlich sind es viele tätige Menschen, die das alles ermöglichen. Ob sie in Zukunft sich immer noch mit Geld abspeisen lassen oder ob andere Werte wichtiger werden, können wir heute nicht wissen. Jedenfalls wird es aus verschiedenen Gründen nicht wie bisher weitergehen können (Demographie, Ausbeutung von Menschen und Ressourcen in anderen Erdteilen, Klimawandel, etc.). Was wir brauchen, sind nicht Pensionskassen, sondern eine nachhaltigg funktionierende Gesellschaft.

  • Portmann sagt:

    Noch mehr sinken darf er nicht, denn nun haben die PKs umgestellt und die Lebenserwartung berücksichtigt. Die nächsten 10 Jahre muss somit alles so bleiben, wie es nun ist.
    Dann sieht man, ob die Lebenserwartung doch noch weiter gestiegen ist, oder ob nicht doch ein Stillstand eingetreten ist, denn stetig nach oben geht es nicht mehr.

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