So könnte man die AHV nachhaltig sanieren

Aufgeblähte Bilanz: Wenn im Zuge eines Bilanzabbaus der SNB die AHV gestärkt würde, wäre das im Interesse aller. Foto: Keystone

Die Schweizerische Nationalbank hält an ihrer Negativzins-Politik fest. Dies kostet die AHV, Pensionskassen und last but not least die Sparer Performance. Handkehrum macht die SNB einen Mammutgewinn: 30 Milliarden im ersten Quartal 2019. Frage: Wäre es nicht gerecht und angebracht, zumindest einen Teil des Gewinns in die AHV fliessen zu lassen und damit zu deren Sanierung beizutragen? T.G.

So wie Ihnen ist es wohl vielen Schweizerinnen und Schweizern gegangen, als sie den hohen Quartalsgewinn der Nationalbank von immerhin 30,7 Milliarden Franken gesehen haben. Dieser steht in der Tat in einem Gegensatz zu den Negativzinsen, welche die Sparer und Versicherten der Pensionskassen schwächen.

Allerdings muss man den Gewinn stark relativieren: Anders als Geschäftsbanken hat die Nationalbank nicht das Ziel, möglichst hohe Gewinne zu erzielen. Ihre Aufgabe ist es, mittels ihrer Geldpolitik die Preisstabilität sicherzustellen.

Die Gewinne der SNB sind denn auch stark schwankend. Noch im letzten Jahr resultierte ein hoher Verlust von 14,9 Milliarden Franken. Nun war es im ersten Quartal bereits wieder ein immenser Gewinn. Faktisch sind das aber nur Bewertungsgewinne. Die starke Erholung der Börsen hat dazu geführt, dass die SNB einen Gewinn von 17,4 Milliarden Franken auf Beteiligungspapiere und -instrumente erreichte. Auf dem Goldbestand betrug der Bewertungsgewinn 0,9 Milliarden Franken und auf den Frankenpositionen 0,6 Milliarden Franken. Letzterer ist zum grössten Teil eine direkte Folge der Negativzinsen.

Auch nach dem schönen Gewinn im ersten Quartal ist noch keineswegs sicher, dass die SNB im Gesamtjahr 2019 gut abschliessen wird. Sollte es an den Finanzmärkten zu massiven Einbrüchen kommen, würde wieder ein Bewertungsverlust resultieren. Das Ergebnis der Nationalbank ist stark von der Entwicklung der Gold-, Devisen und Kapitalmärkte abhängig. Daher wird es auch künftig zu starken Schwankungen beim Gewinn kommen.

So sehr die Argumente der Nationalbank im Kampf gegen eine massive Erstarkung des Franken nachvollziehbar sind, halte ich die Konsequenzen der Negativzinsen für die Sparer und Versicherten für problematisch. Die Negativzinsen schaden aus meiner Sicht der Altersvorsorge in der Schweiz. Daher finde ich Ihre Überlegung grundsätzlich sympathisch, dass man einen Teil des SNB-Gewinns der AHV zufliessen lassen sollte – etwa im Zuge eines Abbaus der aufgeblähten SNB-Bilanz.

Das wurde auf politischer Ebene auch bereits schon mal diskutiert. Der Zürcher SVP-Nationalrat Thomas Matter hatte vorgeschlagen, etwaige Gewinne der Nationalbank der Altersversicherung zuzuführen. Konkret wollte der Finanzpolitiker die SNB verpflichten, die Hälfte der potenziellen Gewinne, die aus einem in unbestimmter Zukunft vielleicht möglich werdenden Rückbau der Bilanz resultieren, in die AHV zu lenken. Gemäss Matters Berechnungen könnte sich der Betrag auf bis zu 37 Milliarden Franken belaufen. Mit diesem vielen Geld wäre die AHV saniert. Bei den anderen Parteien kam diese Idee indes nicht gut an, weshalb sie auch nicht weiterverfolgt wurde.

Immer wieder taucht auch die Idee eines Staatsfonds auf, der durch die potenziellen Gewinne aus den Verkäufen von im Kampf gegen den starken Franken gekauften Wertpapieren in ausländischen Währungen alimentiert würde. Aus meiner Sicht wäre es dringend nötig, dass die Nationalbank ihre stark aufgeblähte Bilanz wieder abbaut. Wenn im Zuge eines Bilanzabbaus die AHV gestärkt würde, wäre das mehr als nur begrüssenswert und im Interesse aller.

8 Kommentare zu «So könnte man die AHV nachhaltig sanieren»

  • Andreas Frutiger sagt:

    Bis 2000 wurde der AHV-Fonds auf „passiv“ verwaltet und erzielte immer ein 1-1.5% besseres Resultat als der „Finanazmarktdurchschnitt“. Wieso? Einfach weil rund 70% (um 16-20 Mia.) der Anglagen „zu Marktpreisen“ direkt an solvente Schuldner – Kantone, grössere Gemeinden, Elektrizitätswerke usw. – vergeben wurden. Dies nur gegen eine Schuldanerkennung in Briefforem, d.h. ohne teure Traders, 1% jährlicher Verwaltungsgebühr, usw. Gerade mal 4 Stellen bei der Zentralen AusgleichstelleAHV reichten dazu. Seitens der Schuldner genügte dazu oft ein teilzeitarbeitender Gemeindesekretär, der so einen Kredit von 1 bis 3 Mio. innerhalb von 2-3 Tagen erhalten konnte.
    Den Bankern war das ein Dorn im Auge und haben deshalb dieses System politisch abgeschossen. Weshalb nicht darauf zurückkommen?

  • M. Vetterli sagt:

    Nur gerade 2 Mrd. des Gewinns fallen in CHF an. Dieser wird den Kantonen weitergegeben.
    Alle übrigen Gewinne/Erträge fallen in fremden Währungen an. Die Kosten der AHV fallen in CHF an. Ein Transfer der Gewinne/Erträge zur AHV würde einen Wechsel dieser Positionen in CHF zur Folge haben.
    Dieser Wechsel würde zu einem Anstieg des CHF führen. Um diesen zu neutralisieren müsste die SNB diese Summe in CHF wieder verkaufen. Somit würde die Zahlung an die AHV mit frisch gedrucktem Geld getätigt. Finanzierung der AHV mittels Notenpresse ist keine Lösung. Nachhaltige Sanierung sieht anders aus.
    Gegenwärtig kann die SNB nur gerade 2 Mrd in CHF ausschütten, ohne den CHF aufzuwerten. Eine Ausschüttung in CHF, über der (momentan) 2 Mrd.Grenze hinaus, wäre ein Eingriff in die Geldpolitik der SNB.

  • F.Süss sagt:

    Ich fände diese Idee mehr als gerecht. Es zahlt ja jeder auf seine Einnahmen entsprechend Steuern und davon auch an die AHV. Warum sollte das für die Gewinne der SNB nicht auch gelten?

  • Niggi Stähelin sagt:

    Die beste Möglichkeit die Altersvorsorge sicher zu machen ist eine Kapital-Transaktionssteuer: die Transaktionsvolumen von ca. 200 Billionen Franken pro Jahr würden bei einem Satz von nur 1 Promille ca. 200 Milliarden Franken ergeben, ohne dass viel Kapital abliessen würde (weil der Satz so tief ist). Meiner Meinung nach sollte dieses Geld als Grundeinkommen an alle Schweizer/innen ausgeschüttet werden, was die AHV und gleich noch einige andere „Kässeli“, die jetzt teuer verwaltet werden, überflüssig machen würde. Alles andere ist Pflästerli-Politik und verschiebt das Problem jeweils nur um einige Jahre rsp. an die nächste Generation!

  • Rudolf Volkart sagt:

    Die Nationalbank könnte ja ev. auch EUR in einen EUR-AHV-Fonds einzahlen. Aus diesem Fond könnten im Ausland lebende AHV-Rentner mit EUR ausbezahlt werden. Damit würde der CHF nicht aufgewertet.

  • Martin Bär sagt:

    Ganz ehrlich wäre eine Erhöhung des Beitragssatzes (seit 1975 (!), beträgt er 4.2% je Arbeitgeber / Arbeitnehmer).
    .
    Aber sobald die Wirtschaft sich daran beteiligen will, sträuben sich alle….
    .
    PS: Die Kosten der KK steigen auch jedes Jahr, bezahlen müssen es die Privatpersonen alleine, da fragt auch niemand nach dem Wohlbefinden, einfach zahlen und Klappe halten… aber bei der Wirtschaft…

    • M. Vetterli sagt:

      Durch die Annahme der STAF ist der Beitragssatz nun auf 4.35% (je AN/AG) angehoben worden.
      Eigentlich haben sie Recht. Die Beiträge anzuheben wäre nicht falsch. Allerdings führt eine Beitragserhöhung zum heutigen Zeitpunkt zu einer massiven Umverteilung von Jung zu Alt.
      Die seit langem abzusehende Umverteilung ist mit der STAF nun in einer ausgesprochen unfairen Form erfolgt. Von allen Geldzufuhren in die AHV ergeben Beitragserhöhungen, bei heutiger demogr. Lage, die mit Abstand stärkste Umverteilung und sollten für ein paar Jahrzehnte nun nicht mehr getätigt werden.
      Beitragserhöhungen sind gut. Hätten allerderdings, um der Generationengerechtigkeit Genüge zu tun, vor 20 Jahren erfolgen sollen.
      Die weitere Sanierung muss nun fair erfolgen. Anhebung Ref.Alter steht hier im Zentrum.

  • Charles Hügli sagt:

    Die AHV ist ein betrügerisches Schneeballsystem. Es macht unrealistische, nicht finanzierbare Versprechungen über Jahrzehnte. Es gibt immer mehr Bezüger und immer weniger Einzahler, demografisch bedingt. Es basiert auf einem riesigen und immer weiter ansteigenden Schuldenberg, seine „Deckungslücke“ beträgt über 800 Milliarden Franken. Es richtet sich primär an die Unter- und Mittelschicht, welches die Risiken mangels Fachwissen nicht erkennt. Leute, wacht auf! Das Schweizer Volk wurde von hinterlistigen sozialistischen Politikern über den Tisch gezogen. Während die Vermarktung von Bankfonds stark reguliert und eingeschränkt ist, dürfen uns die Bundespolitiker und staatlichen Zentralplaner beliebige Unwahrheiten auftischen. Zeit, diese AHV-Schnapsidee zu einem geordneten Ende zu führen.

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