Unüblich hohe Renditen haben einen Haken

Lassen Sie sich nicht über den Tisch ziehen! Gerade wenn Finanzinstitute hohe Sicherheiten versprechen und Renditen garantieren, sollten Sie diese besonders kritisch hinterfragen. Foto: iStock

Wir sind pensioniert und haben bei einer Bank Anlagen. Nach fünf Jahren müssen wir feststellen, dass wir ohne Gebühren schon Geld verloren haben. Nun haben wir bei einer Finanzverwalterfirma ein Angebot erhalten, welches uns eine festverzinsliche Anlage von 4% während 5 Jahren verspricht. Das Kapital, eine Million Franken, würde investiert in Obligationen von Immobilien und wäre durch Grundpfandschuld gesichert. Nur ein Zerfall der Grundstückspreise von 50 bis 80% würde unser Kapital gefährden. Wie schätzen Sie das Risiko ein? R.B.

Ich kenne das Angebot nicht und kann mich daher nicht konkret dazu äussern, sondern nur zu den Angaben, die Sie mir gemacht haben. Aufgrund Ihrer Schilderungen stufe ich das Risiko für Sie aber als hoch ein. Ich empfehle Ihnen, den Anlagevorschlag nochmals genau zu prüfen.

Erstens stellt sich für mich die Frage, warum Ihnen ein Anbieter für eine angeblich sichere Anlage einen hohen Zins von 4 Prozent geben sollte. Zum Vergleich: Die Rendite von sehr sicheren Bundesobligationen, den Anleihen der Schweizerischen Eidgenossenschaft, bewegt sich aktuell sogar im Minus. Auch andere Frankenanleihen von Schuldnern mit hoher Bonität werfen je nach Laufzeit weniger als ein Prozent Zins ab.

Deutlich mehr Rendite bekommt man nur, wenn man Abstriche bei der Sicherheit macht – etwa indem man Anleihen in Fremdwährungen nutzt oder vor allem, indem man Anleihen von Schuldnern mit einer deutlich tieferen Kreditwürdigkeit wählt. Auf sicheren Frankenanleihen gibt es kaum Zins.

Wenn Ihnen jemand dennoch deutlich mehr Zins verspricht oder sogar garantiert, hat dies immer einen Preis. In der Regel ist der Preis für die höhere Rendite ein massiv höheres Risiko.

Gerade institutionelle Investoren wie Pensionskassen und Versicherungen sind in einem eigentlichen Anlagenotstand und suchen laufend attraktive Anlagechancen. Wenn das Ihnen vorliegende Angebot so sicher und attraktiv wäre, bekämen Sie als Privatanleger wohl nicht mal mehr eine Offerte, da es längst weg wäre.

Ich befürchte, dass die Sache einen Haken hat. An Ihrer Stelle würde ich auch die Frage genau prüfen, wo sich die Immobilien, in die Sie indirekt via die Anleihen investieren, genau befinden. Und wie Sie das Grundpfandrecht, das Ihnen offenbar angeboten wird, im Krisenfall konkret einlösen würden.

Wenn die Immobilien im Ausland sind, wovon ich ausgehe, wäre es gar nicht so einfach, das Grundpfandrecht einzulösen. Auf jeden Fall würden Sie wohl dafür einen Anwalt benötigen. Ich würde auch abklären, wo sich der Gerichtsstand befindet. Wenn er im Ausland ist, wovon ich auch ausgehe, würde dies für Sie eine Durchsetzung Ihrer Rechte ebenfalls deutlich erschweren und verteuern.

Ganz grundsätzlich würde ich mich auch fragen, wer genau für Ihr Geld haftet und wie sicher diese Gegenpartei ist. Auch wenn man Ihnen hohe Sicherheiten verspricht und Renditen garantiert, würde ich diese kritisch hinterfragen: Was sind die erwähnten Sicherheiten und Garantien im Krisenfall wirklich wert? Und können Sie es sich leisten, dass Ihr Kapital von einer Million Franken, das Sie zu investieren erwägen, plötzlich weg ist oder durch einen langen Rechtsstreit blockiert ist?

Wenn Sie einen solch hohen Betrag in ein Vehikel investieren, gehen Sie zudem ein hohes Klumpenrisiko ein. Bei jeder Anlage müssen Sie damit rechnen, dass etwas schiefgeht und Sie Geld verlieren – erst recht aber, wenn Sie eine nicht marktübliche und deutlich höhere Rendite bekommen.

Dann lohnt es sich besonders, vorsichtig zu sein und angebliche Garantien und Sicherheiten zu überprüfen und eine Fremdmeinung zum Beispiel durch Ihre Hausbank einzuholen.

1 Kommentar zu «Unüblich hohe Renditen haben einen Haken»

  • Charles Hügli sagt:

    Als einfache Grundregel sollte man nur in Anlagevehikel oder Unternehmen investieren, wo der Verwalter bzw. Chairman und CEO ihre ganzen eigenen Ersparnisse von mindestens 5-10 Millionen Franken ebenfalls investiert haben. Das Modell der Schweizer Banken und Vermögensverwalter funktioniert ganz anders, hier werden die Kunden nach Strich und Faden ausgenommen. Mittlerweile hat sich dies herumgesprochen, aber vielleicht ist es sinnvoll, es an dieser Stelle nochmals zu wiederholen.

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