Autoneum wird die Kurve kriegen

Autoneum-Werk: Als Autozulieferer vertritt die Firma eine Branche, die zwar faszinierend, aber knüppelhart und dazu konjunkturanfällig ist. Foto: PD

Heute schone ich Sie nicht. Damit Sie mich klar verstehen: Jetzt geht es um Hochriskantes, um die Aktien von Autoneum. Als Autozulieferer vertritt die Firma eine Branche, die zwar faszinierend, aber knüppelhart und dazu konjunkturanfällig ist. Viele Anleger halten sich daher grundsätzlich von dem Sektor fern. Ich nicht. Momentan ächzt Autoneum nicht nur unter der Schwäche der Autoindustrie, sondern zusätzlich unter selbst gemachten Problemen in Nordamerika. Diese haben die Ertragslage massiv geschwächt. Die Aufräumarbeiten laufen. Bis das Ganze rund läuft, wird es aber dauern. Dass Autoneum die Kurve kriegt, bezweifle ich nicht. Zudem soll sich gemäss Prognoseinstituten auch die Lage der Autoindustrie ab dem zweiten Halbjahr bessern – und die globale Autoproduktion wieder auf einen flachen Wachstumskurs einschwenken. Nicht dass ich blind an solche Vorher­sagen glaube, aber immerhin. An der Börse liegt der Fokus dagegen stark auf der kurzen Frist und auf den Risiken (teils auch auf falschen, wie der Angst vor US-Zöllen, die Autoneum nur wenig anhaben können). Die Chancen von Autoneum, dem Markt- und Innovationsführer bei Lärm- und Hitzeschutzkomponenten, erhalten kaum Gewicht. Für mich ist die gegenwärtige Einschätzung zu düster: Kaufen

Dosiert einsteigen

Der Reisedetailhändler Dufry betreibt mehr als 2300 Läden an touristisch interessanten Standorten – Flughäfen, Bahnhöfen, Häfen oder auf Kreuzfahrtschiffen – und ist auf diesem Gebiet globaler Marktführer. Das Geschäftsmodell gefällt mir: Dufry wird vom Passagierwachstum, nicht zuletzt in den Schwellenländern, überproportional profitieren. Im Vergleich zum traditionellen Detailhandel wird das Reiseshopping zudem weniger stark durch den Onlinekanal konkurriert. Doch für die Aktionäre ist es momentan keine einfache Zeit. Die Titel sind im Laufe der Woche auf den tiefsten Stand seit mehr als sieben Jahren gefallen. In einem Jahr haben sie sich um 40 Prozent verbilligt. Offenbar sind die Investoren der Meinung, der starke Expansionskurs der letzten Jahre werfe noch zu wenig Profit ab. Die Quartalszahlen vom letzten Dienstag stimmen mich jedoch zuversichtlich, dass Dufry bereit ist für weiteres profitables Wachstum. Die Dufry-Aktien sollten allmählich ihren Boden gefunden haben. Wer saisonale Schwankungen aushält, kann nun dosiert einsteigen. Kaufen

Interessante Nischenmärkte

Emmi ist auch eine Erfolgsstory. Der Milchverarbeiter wächst dank Übernahmen im Ausland und besetzt mit hochmargigen Produkten interessante Nischenmärkte. Das verhalf der Gesellschaft in den vergangenen Jahren, die Profitabilität stetig zu steigern. Das gefällt mir, da habe ich auch als Anleger etwas davon. Auch die finanzielle Situation der Luzerner ist sehr komfortabel. Das erlaubt weitere Investitionen und die kontinuierliche Steigerung der Dividende. Kein Wunder, kommen die Aktien bei Anlegern gut an. In vier Jahren hat sich ihr Wert fast verdreifacht. Allein seit Januar hat der Kurs ein Drittel zugelegt. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 27 für das laufende Jahr haben die Aktien mittlerweile aber eine hohe Bewertung erreicht. Das Muster der vergangenen Sommer spricht dafür, dass es ein guter Zeitpunkt ist, um bei Emmi Gewinne mitzunehmen: Der Milchverarbeiter ist bekannt dafür, konservative Prognosen zu machen. Die Analysten überschätzten ihn jeweils nach den Jahreszahlen, und die Aktien avancierten, so auch 2019. Dann aber korrigierten sie nach dem Semesterausweis. Verkaufen

Fit für die digitale Zukunft

Vorsichtig bin ich auch beim Luxusgüterhersteller Richemont. Eigentlich macht das Unternehmen derzeit vieles richtig, auch wenn das in den jüngsten Geschäftszahlen (noch) nicht zum Ausdruck kommt. Der Umsatz fiel höher aus, die Profitabilität tiefer. Ein solcher Zahlenmix lässt Anlegerherzen nicht höher schlagen. Derzeit fallen immer wieder sogenannte Einmalkosten an – also Kosten, die nicht direkt mit dem operativen Geschäft zu tun haben. Vergangenes Jahr waren es Uhrenrückkäufe, welche die Rechnung belasteten. Nun sind es Integrationskosten der neu erworbenen Onlineplattformen, die die Margen unerwartet stark drückten. Johann Rupert – nicht der Chef, aber der Grossaktionär und eigentliche Patron von Richemont – setzt alles daran, das Unternehmen für die digitale Zukunft fit zu machen. Das ist kein Schritt, der von heute auf morgen vollständig umgesetzt werden kann. Meistens dauern solche Massnahmen länger als ursprünglich vorgesehen. Diese Unsicherheiten werden vorerst auf den Papieren von Richemont lasten, auch wenn die Aktien auf lange Sicht von der laufenden Transformation profitieren sollten. Anleger sind jedoch nicht zur Eile ­gezwungen, um von diesen Langzeitperspektiven zu profitieren. In der Zwischenzeit gibt es an der Schweizer Börse attraktivere Anlagechancen. Abwarten

1 Kommentar zu «Autoneum wird die Kurve kriegen»

  • Anton Engler sagt:

    Autoneum scheint mir eine der vielen europäischen Firmen zu sein, die in den USA grosse Probleme haben oder dort sogar Schiffbruch erleiden. Warum wohl? Weil US-Manager in erster Linie darauf aus sind, die eigenen Taschen zu füllen. Das Wohlergehen der Firma kommt erst lange danach. Die Europäer sind zu gutgläubig und merken oft viel zu spät, dass sie von den Amis nach Strich und Faden abgezockt werden.

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