Adecco kämpft in Deutschland

Adecco: Vor allem die deutsche Autoindustrie leidet. Das trifft den Stellenvermittler empfindlich. Foto: Fabrice Coffrini/Keystone

So schlecht steht es also gar nicht um die Konjunktur in der Euro­zone. Entgegen der verbreiteten Stimmung ist die Wirtschaftsleistung des Euroraums zu Beginn des Jahres robust gewachsen. Das müsste auch Adecco freuen. Das Geschäft des Stellenvermittlers steht und fällt mit dem Konjunkturzyklus in Europa, wo er zwei Drittel des Umsatzes erwirtschaftet. Doch in den Kernmärkten, namentlich Deutschland und Frankreich, fahren die Industrieunternehmen ihre Auslastung erheblich zurück. Vor allem die deutsche Autoindustrie leidet. Das trifft den Stellenvermittler empfindlich, stammt doch fast jeder dritte in Deutschland erwirtschaftete Euro aus dieser Branche. Hinzu kommt ein strukturelles Problem: Die Verarbeitung von Elektrofahrzeugen benötigt weniger Arbeitskräfte als jene von herkömmlichen Autos. Die Zahlen für das erste Quartal zeigen das. Adeccos Umsatz ist erneut leicht geschrumpft. Zwar hat die Gruppe gleichzeitig die Profitabilität steigern können. Doch bevor sich in den wichtigsten Einzelmärkten keine Erholung abzeichnet, sind die Aktien für mich nicht sonderlich attraktiv. Zudem haben sie seit Jahresbeginn bereits 22 Prozent zugelegt. Da können Anleger Gewinne mitnehmen. Dosiert verkaufen

Verzögerte Bahnprojekte

Die Abschwächung im Automobilsektor belastet auch Schaffner empfindlich, wie die Halbjahreszahlen zeigten. Der Elektrotechniker verzeichnet in der Sparte traditionell die höchste Marge. Höhere Rohstoffpreise schmälerten die Profitabilität zusätzlich. Auch die schwächelnde Wirtschaft im wichtigen Markt China sowie der Handelsstreit zwischen China und den USA bremsten das Wachstum. In Europa verzögern sich ausserdem zwei grosse Bahnprojekte, die direkt auf die Auslastung drücken. Wenigstens sind in der abgelaufenen Periode für einmal keine Sonder­effekte angefallen. Schaffner selbst hat den Ausblick im März revidiert. Auch wenn der Aktienkurs dieses Jahr bereits rund 8 Prozent an Wert eingebüsst und sich damit deutlich schwächer entwickelt hat als der Markt, würde ich von einem Kauf der Titel absehen. Zwar sind die Titel mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 15 nicht teuer, ich zweifle aber daran, dass sich das Gesamtbild so schnell ändert. Meiden

Neugelder überzeugen noch nicht

Um die Privatbank EFG International ist es ruhig geworden. Bis am Freitag darüber spekuliert wurde, Grossaktionärin BTG Pactual überlege sich, ihre 29-Prozent-Beteiligung am Schweizer Vermögensverwalter zu verkaufen. Stimmt nicht, hiess es noch am gleichen Tag. Aber was läuft eigentlich bei EFG? Die Übernahme der Tessiner Bank BSI ist abgeschlossen, die Bank möchte wieder wachsen. Dazu stellt sie neue Kundenberater ein, die sollen es richten, wie bei den anderen Privatbanken auch. Der Fokus der Investoren dürfte denn auch auf dem Neugeld liegen, und da harzt es bislang. Noch hat die Bank mit ihren Zahlen nicht überzeugt. Ich beobachte das Ganze aus der Distanz, habe aber das Gefühl, dass das Management einen guten Job macht. Deshalb könnte ich mir vorstellen, dass die Weichen für eine Höherbewertung gestellt sind. ­Risikofreudige und -fähige Anleger können mit dem Aufbau einer Position beginnen, brauchen aber einen langen Anlagehorizont und dürfen sich von Turbulenzen nicht ablenken lassen. Dosiert kaufen

Interessante Low-Cost-Carrier

Ich mag die Airline-Industrie nicht sonderlich. Nicht, dass Sie jetzt etwa denken, dass ich mich im Zuge der Klimademonstrationen vom Kapitalisten zum Öko-Fundi gewandelt hätte. Auch wenn ich es unterstütze, mit Mass zu fliegen, gehen mir aus liberaler Sicht Verbote zu weit. Aber zurück zum Thema: Aus Investorensicht bieten mir die Fluggesellschaften zu wenig Argumente, um deren Aktien zu kaufen. Die Industrie ist sehr kapitalintensiv, sie verdient nur in guten Zeiten ihre Kapitalkosten, dazu kommt die Abhängigkeit vom Wirtschaftswachstum und vom Ölpreis. Interessant sind aus meiner Sicht höchstens die Low-Cost-Carrier, die im Gegensatz zu den Grossen der Branche Wachstum vorlegen können. Allerdings spüren heute auch Easyjet, Ryanair und andere zunehmend Gegenwind. Überkapazitäten belasten seit Anfang Jahr die Gewinnmargen, und das dürfte sich hinziehen. Ich setze deshalb auf eine Airline, die man vor allem im Raum Zürich kaum kennt: die ungarische Billigairline Wizz Air, die ihren juristischen Sitz in Genf hat. Sie bedient die weiterhin stark wachsende Nachfrage nach Verbindungen zwischen Ost- und Westeuropa. In Zeiten, in denen die Gewinne in der Branche eher stagnieren, sollte Wizz Air in der Lage sein, den Überschuss bis Ende nächsten Jahres 30 Prozent zu steigern. Kaufen

Hoch spezialisierter Nischenanbieter

Auch der Name Belimo dürfte einem wesentlichen Teil der Bevölkerung weitgehend unbekannt sein. Dennoch spüren viele Menschen die Wirkung von Belimo-Produkten: Das Unternehmen produziert Antriebe für die Steuerung von Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlagen. Die sehr innovative Belimo profitiert stark von der Gebäudeautomation und den gestiegenen Anforderungen an die Sicherheit, insbesondere betreffend den Brandschutz in Gebäuden. Das Unternehmen ist ein typischer, hoch spezialisierter Nischenanbieter. Belimo ist in seinen Produktbereichen – seit 2017 ergänzt durch Sensoren – auf dem Weltmarkt führend. Das Unternehmen beeindruckt mich durch eine hohe Profitabilität und brilliert seit Jahren mit stetigem Wachstum. Ich bin davon überzeugt, dass Belimo diese Erfolgsstory fortsetzen wird. Die Aktien bieten viel Anlagequalität, sind derzeit allerdings sehr teuer. Halten

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