Strukturierte Produkte sind nichts für Nervenschwache

Umgepurzelte Träume: Der Vorteil von gewissen strukturierten Produkten ist der hohe Zins, den man auf jeden Fall erhält. Nur: Den gibt es nicht gratis. Die mögliche Rendite birgt ein erhöhtes Risiko. Foto: iStock

Nachdem ich schlechte Erfahrungen mit Aktienanlagen gemacht habe, liegt mein Bargeld auf verschiedenen Sparkonti. Meine Anlageberatung schlägt mir vor, das Produkt 5,25% p.a. CHF Callable Reverse Convertible, Nestle, Roche, Novartis, Barriere 69%, zu kaufen. Genau mit einer solchen Anlage hatte ich seinerzeit die USB- und CS-Aktien zum Höchstpreis ins Depot gekriegt und sitze nun auf Buchverlusten. Was sagen Sie zum Vorschlag der Bank? S.S.

Das Ihnen von Ihrer Bank vorgeschlagene Barrier-Reverse-Convertibles-Instrument (BRC) ist ein typisches strukturiertes Produkt. Es ist an die Basiswerte Nestlé, Roche und Novartis gekoppelt. Sollte eine dieser Aktien während der Laufzeit des Produktes die Barriere streifen oder unterschreiten, würden Ihnen später anstelle des Kapitals die erwähnten Aktien im festgelegten Verhältnis ausgeliefert.

Damit haben Sie offenbar schon einmal schlechte Erfahrungen gemacht, als Sie mit einem vergleichbaren Instrument die Aktien von CS und UBS ausgeliefert bekamen, über die Sie sich heute noch ärgern, weil die Kurse deutlich unter Ihrem Einstandspreis notieren und Sie der Bank auch noch Depotgebühren bezahlen müssen.

Bei den Börsenschwergewichten Nestlé, Roche und Novartis halte ich die Risiken für Sie doch für etwas geringer, als bei den Grossbankenaktien. Eine der drei Aktien müsste über 30 Prozent einbrechen, damit Sie die Titel ausgeliefert bekämen.

Gemäss heutigem Wissensstand rechne ich bei Nestlé, Roche und Novartis nicht mit einem solch massiven Crash, dennoch ist ein solcher nie unmöglich, etwa dann, wenn es zu einem unerwarteten Ereignis käme. Falls genau dieser Fall eintreten würde, kämen Sie in den Besitz der drei Schweizer Schwergewichte, was ich weit besser finde als die Grossbankentitel, zumal Nestlé, Roche und Novartis auch noch eine schöne Dividende abwerfen.

Der Vorteil des Ihnen von der Bank vorgeschlagenen strukturierten Produktes ist der hohe Zins von 5,25 Prozent, den Sie auf jeden Fall erhalten. Nur: Diesen gibt es nicht gratis. Sie gehen ein erhöhtes Risiko ein. Vom versprochenen Zins sollte man sich nicht blenden lassen. Auf den Vorschlag Ihrer Bank sollten Sie nur eintreten, wenn Sie wirklich dieses Risiko tragen können und wollen. Angesichts Ihrer schlechten Erfahrung in der Vergangenheit höre ich in Ihrer Frage schon viel Skepsis heraus. Im Zweifelsfall sollten Sie dem Vorschlag nicht folgen und sich auf keinen Fall zu einem Kauf überreden lassen, wenn Sie nicht vollumfänglich überzeugt von dem Produkt sind.

Letztlich ist es Ihr Geld, und Sie sitzen auf möglichen Buchverlusten, falls die Kurse bei den erwähnten Aktien doch stark sinken würden. Sie müssen sich allerdings bewusst sein: Mehr Rendite als auf dem Sparkonto bekommen Sie nur, wenn Sie etwas mehr Risiko in Kauf nehmen.

Eine mögliche Alternative wäre ein Anlagefonds mit mehr oder weniger starker Gewichtung von Anleihen, Aktien, Immobilien und Rohstoffen. Doch auch da tragen Sie ein Risiko. Oder Sie könnten konservative Dividendenperlen wie die Versicherer Zurich und Swiss Re nutzen, die eine Dividendenrendite von über 5 Prozent aufweisen. Da sind Sie aber vollumfänglich dem Kursrisiko ausgesetzt.

So gesehen würde das Ihnen von der Bank vorgeschlagene strukturierte Produkt im Vergleich immerhin etwas weniger Risiko beinhalten.

3 Kommentare zu «Strukturierte Produkte sind nichts für Nervenschwache»

  • Schlaepfer sagt:

    Bei solchen Produkten verdient die Bank immer, man selber vielleicht oder verliert, was wahrscheinlicher ist. Immer wenn die Bank anruft und was verkaufen will ist Vorsicht geboten, denn man will was los werden. Weiter gibt es keine guten Kundenberater, sondern nur Verkäufer die etwas verdienen wollen, auf biegen und brechen. Der Leidtragende? Der Kunde!

  • Kurt Fischer sagt:

    Gibt es eigentlich auch Fonds welche in solche Barriere Anlagen investieren?

  • Christoph Bögli sagt:

    Mir scheint es ja generell äusserst fragwürdig, wenn eine Bank einem privaten (Klein-)Anleger solche spezifischen Produkte ungefragt anzudrehen versucht, erst recht wenn offensichtlich das Profil des Kunden überhaupt nicht dazu passt (hier eindeutig konservativ, nur oder primär Bargeld, skeptisch gegenüber Aktien etc.). Solch strukturierte Produkte sind doch wenn schon nur für Leute, die aktiv so etwas nachfragen, weil sie sichs leisten können oder ein wenig Casino spielen wollen. S.S. hier hingegen würde doch jeder vernünftige, ehrliche Berater höchstens einen stinknormalen, günstigen und breiten (Index-)Fond nahelegen. Wenn das nicht zu oberst auf der Liste der Empfehlungen steht, dann sollte man aus Prinzip nein sagen, denn dann gehts eh nur um Abzocke.

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