Dividendenperlen sind selten Wachstumstitel

Solide, aber kaum Wachstumspotenzial: Mobilezone überzeugte im vergangenen Jahr mit Rekordzahlen. Foto: Keystone

Vor rund zwei Jahren habe ich als Dividendenperle Mobilezone gekauft. Leider hat diese Aktie nun in den letzten Monaten massiv an Wert verloren. Haben Sie eine Erklärung dafür? Und empfehlen Sie, den Verlust von 25 Prozent auf den Einstiegskurs zu realisieren, oder noch abzuwarten? B. A.

An der Börse gibt es eine weise Regel: Man sollte bei «good news» verkaufen. Das haben im Frühling offensichtlich viele Investoren gemacht, als Mobilezone noch ausgezeichnete Zahlen für das vergangene Jahr vorlegte.

Im letzten Jahr hat der Handyanbieter trotz etwas abflauender iPhone-Euphorie Rekordzahlen präsentiert. Der Umsatz erreichte 1,2 Milliarden Franken, und der Reingewinn kletterte stolze 12,2 Prozent auf fast 40 Millionen Franken in die Höhe. Auch auf Ebene Betriebsgewinn wurde die siebte Steigerung nacheinander ausgewiesen.

Die Rekordzahlen haben aber einen bitteren Nachgeschmack: Einerseits erreichte Mobilezone beim Betriebsgewinn die selbst gesetzten Zielvorgaben von 55 bis 60 Millionen Franken nicht. Das Management war also zu optimistisch, was von den Anlegern gar nicht goutiert wird, wenn dann anschliessend die hochgesteckten Ziele nicht erfüllt werden. Damit das Gleiche nicht nochmals passiert, hat Mobilezone, die 115 Läden in der Schweiz betreibt und auch in Deutschland aktiv ist, anderseits die Erwartungen für das laufende Jahr etwas vorsichtiger formuliert.

Man gehe davon aus, dass das Unternehmen im laufenden Geschäftsjahr auf Stufe Betriebsgewinn und Konzerngewinn ein Ergebnis erzielen werde, das mit dem abgeschlossenen Geschäftsjahr vergleichbar sei, signalisierte das Management. Das wäre zwar nicht schlecht angesichts der Rekordzahlen im letzten Jahr, klingt aber nicht gerade nach Wachstum. Offenbar ist es bei Mobilezone mit der Rekordjagd vorbei. Möglicherweise stösst das Unternehmen in der heutigen Grösse an Grenzen. Solche Botschaften sind nicht nach dem Geschmack der Börse.

Damit der Kurs alte Höchstwerte wieder erreicht, wäre ein weiteres Wachstum bei den wichtigsten Kennzahlen nötig gewesen. Das scheint nun auszubleiben, obwohl Mobilezone weiter solid unterwegs ist. Bereits im letzten Jahr hatte es Irritationen gegeben, weil über eine Dividendenkürzung spekuliert wurde. Inzwischen aber wurde eine Dividende von 0,6 Franken ausgeschüttet. Auf heutiger Kursbasis ergibt dies eine stolze Dividendenrendite von über 6 Prozent.

Persönlich rechne ich nicht mit einer baldigen deutlichen Kurserholung bei Mobilezone. Damit diese eintreten würde, bräuchte es den Beweis, dass Mobilezone wieder operativ stark wachsen kann, was ich vorderhand nicht erwarte. Ob Sie Ihre Buchverluste realisieren oder bei der Aktie dabei bleiben, hängt meines Erachtens stark davon ab, warum Sie in die Titel investiert haben.

Wenn Sie eine Wachstumsaktie gesucht hätten, würde ich die Papiere abstossen. Da Sie mir aber schreiben, dass Sie die Aktien gekauft hatten, weil es sich um eine Dividendenperle handelt, sieht die Sache anders aus. Dann wäre der Kurs weniger wichtig, sondern mehr die Frage, ob die Dividende auch künftig weiter hoch bleibt.

Solange Mobilezone operativ solid unterwegs ist, sehe ich keinen Anlass für eine Dividendenkürzung. In diesem Fall könnten Sie die Papiere behalten und darauf hoffen, dass Sie im nächsten Jahr erneut eine hohe Dividendenausschüttung bekommen.

Wer primär an der Dividende interessiert ist, sollte sich weniger um das Auf und Ab bei den Kursen kümmern, da er ja nicht am Kurswachstum, sondern an stetigen Erträgen in Form von schönen Dividenden interessiert ist.

10 Kommentare zu «Dividendenperlen sind selten Wachstumstitel»

  • Anton Schneider sagt:

    Auf und ab kann egal sein, aber stetes Ab ist zu berücksichtigen, denn was nützen hohe Dividenden, wie sich der Unternehmenswert stetig vermindert. Gründe für die Wertminderung reflektieren die Unternehmensaussichten und diese mit wenig Verzögerung auch die Dividendensicherheit. Die Swisscom ist ein gutes Beispiel mit ein bisschen Auf und Ab: Dank protektionistischer Politik aus Bundesbern und der zementierten Marktmach kann die Swisscom den Raubzug auf uns Konsumenten wohl noch über Jahre fortführen. Als Zückerchen gibt es die Dividende und der Kurs hält sich noch. Sollte einmal ein Konkurrent entstehen, ist es um Dividende und Vermögenswert geschehen.

    • Daniel Keller sagt:

      Zur Zeit reduziert sich die Anzahl Konkurrenten gerade um 1 (Fusion Sunrise mit UPC), es bleiben dann im Schweizer Telecommarkt gerade noch 3 Anbieter. Im übrigen hört man das Argument, dass es um die Swisscom bald mal geschehen sein, seit 20 Jahren. Die Entwicklung geht aber eher in die Gegenrichtung. Und so wird es Dividende und Vermögenswert der Swisscom auch in 20 Jahren noch geben.

  • Jean Gilette sagt:

    Wer kauft schon Mobilezone? Die Firma bietet kein wirklich innovatives Geschäftskonzept. Handys verkaufen kann jeder. Das ist eine C-Aktie. Eher was für kurzfristige Zocker. Auch das Tagesvolumen der gehandelten Aktien ist auf bedenklich tiefem Niveau. Das zeigt, dass nur vereinzelte Spekulanten oder das eigene Management die Liquidität stellt. Wer vor 5-10 Jahren gekauft hat, hat nur Verlust gemacht. 1998 lag der Kurs bei 250, 2002/03 bei 1.50. Die Luft ist schon lange draussen.

    • Daniel Keller sagt:

      Immerhin bemerkenswert, dass eine Firma nun schon seit 16 Jahren existiert – und zwar erfolgreich – nachdem schon lange die Luft draussen ist. Warten Sie auf eine Einstiegsgelegenheit, Herr Gilette?

  • Peter Rohner sagt:

    Kleinanleger, die bei jedem Kursrückgang den Experten ängstlich fragen: „Soll ich verkaufen oder halten?“ … ja, diese Kleinanleger sollten keine Einzelaktien kaufen, sondern sich ETFs zulegen und die Strategie „Kaufen und Halten“ anwenden. Andernfalls werden sie ausgenommen wie die Weihnachtsgänse … die Finanzindustrie freut‘s.

  • Lucas Wyrsch sagt:

    Vielleicht ist es auch gerade das Gegenteil dessen, was man denkt, denn Dividendenperlen sind meistens Wachstumstitel!
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    Als 1940 die Roosenvelt Administration das Investment Company Act of 1940 einführte, galt es, Gewinnchancen der USA bei einem Beitritt in den 2. Weltkrieg so zu verändern, dass die USA ihn gewinnen könnte!
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    Heute gibt es Venture Kapital und Private Equity Index ETNs von der UBS mit durchschnittlichen, jährlichen Dividendenrenditen von 21.77% für BDCL, das am Freitag bei US$14.29 geschlossen hat und das Jahr mit US$11.92 begann!
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    Neben der Dividendenrendite von BDCL und LBDC kommt ein Preisanstieg von US$2.37 oder 19.9% dazu in nur 128 Tagen!
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    BDCL und LBDC sind in 43 börsenkotierten Venture Kapital und Private Equity Firmen investiert!

  • Lucas Wyrsch sagt:

    HASI oder Hannon Armstrong Sustnbl Infrstr Cap Inc ist eine mREIT der ganz besonderen Art, denn sie finanziert, im letzten Jahr US$1.2 Milliarden, in die Verwandlung der traditionellen Immobilien in Smart Homes und befindet sich in beiden mREIT Index ETNs MORL (Dividendenrendite: 23.23% Ende Freitag, den 10. Mai 2017 mit Schlusskurs von US$14.28) der UBS und REML (Dividendenrendite: 21.17% bei US$21.95) der Credit Suisse.
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    MORL und MRRL haben 25 Index Bestandteile aus dem mREIT Segment und REML hat 35 Bestandteile.
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    Alle mREITs generieren durchschnittliche, jährliche Dividendenrenditen zwischen 8% und 16%, weil sie RIC comliant, einkommenssteuerfrei sind und dies seit 1960!
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    MORL und REML bezahlen monatliche Dividenden und sind zwei Mal geleveraged!

    • Peter Rohner sagt:

      Inzwischen wissen wir es ja alle: „There is no free lunch!“ … Will heissen: Alles, was zu gut klingt, um wahr zu sein, ist gelogen (und ein Märchen, um unbedarfte Anleger in die Falle zu locken). — Wenn es solche Geldmaschinen (wie von Ihnen geschildert) wirklich gäbe, dann wären wir alle unsere Geldsorgen los.

      • Lucas Wyrsch sagt:

        Peter Rohner beschreibt mit einfachen Worten, weshalb weder die UBS noch die Credit Suisse ihre eigenen mREIT Index ETNs MORL, MRRL und REML in der Schweiz vertreiben!
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        Hier sind die 35 Börsenticker von REML:
        IVR
        ARI
        RWT
        HASI
        CMO
        NYMT
        GPMT
        ARR
        ABR
        LADR
        WMC
        DX
        ACRE
        ANH
        MITT
        ORC
        JCAP
        MFA
        CHMI
        XAN
        PMT
        AI
        STAR
        AJX
        EARN
        RC
        CIM
        AGNC
        TWO
        NRZ
        TRTX
        KREF
        STWD
        NLY
        BXMT
        welche am Freitag eine durchschnittliche, jährliche Dividendenrendite von 10.11% erreicht hatten!
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        Mit Glauben hat dies nichts zu tun, sondern mit implizitem Wissen, d.h. mit Erfahrung!
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        Yahoo Finance oder Google Finance helfen weiter, wenn man analysieren will!
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        Warum die Dividendenrendite so hoch ist liegt daran, dass alle RIC compliant sind!

  • Lucas Wyrsch sagt:

    Es gibt zwei Arten mit Wertschriften umzugehen, Peter Rohner!
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    Der Wertschriften Handel der aus Kaufen und Verkaufen besteht und ein Nullsummenspiel ist bei dem nur die Banken mit den Kommissionen Geld verdienen und
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    Wertscriften Anlagen oder Investitionen, die aus Kaufen und Halten bestehen und welche dem Rat von Warren Buffett folgen, nur Aktien zu kaufen, welche einen klar definierten Mehrwert generieren!
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    Warren Buffett ist in zwei Drittel aller seiner Beteiligungen in Versicherungs- und Rückversicherungsgesellschaften investiert, weil diese Firmen gut finanziert sind.
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    Der weltweit grösste Markt ist jedoch der Immobilienmarkt!
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    Die sichersten Immobilien Anlagen sind REITs.
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    Wachstum und Innovation wird von Venture Kapital und Private Equity Firmen finanziert.

Kommentar

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