Absurder IWF-Angriff aufs Bargeld

Schwer verdauliche Idee: Weil viele Sparer immer mehr Bargeld horten, empfiehlt der IWF, dass die Notenbanken ihre Geldmenge künftig in Bargeld und elektronisches Geld aufteilen sollen. Foto: iStock

Im Internet habe ich gelesen, dass der IWF plane, Bargeldbesitzer zu enteignen. Das ist schockierend. Was halten Sie von solchen Ideen? S.M.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat sich als Sonderorganisation der Vereinten Nationen mit Sitz in der US-Hauptstadt Washington nach eigener Definition zum Ziel gesetzt, die internationale Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Währungspolitik zu fördern, die Stabilität der Wechselkurse zu fördern und Mitgliedsländern in Zahlungsbilanzschwierigkeiten mit Krediten unter die Arme zu greifen.

Die neusten Ideen aus der IWF-Küche sind allerdings in der Tat schwer verdaulich. Weil viele Sparer angesichts der rekordtiefen Zinsen – und bei uns Negativzinsen – immer mehr Bargeld horten und bei weiter sinkenden Zinsen wohl noch mehr Bargeld lagern werden, empfiehlt der IWF, dass die Notenbanken ihre Geldmenge künftig in zwei Währungen, nämlich in Bargeld und elektronisches Geld, aufteilen.

Auf Bargeld würde dann ein Strafzins zur Anwendung kommen – die Negativzinsen würden nur auf dem Bargeld belastet. Weil Bargeld an Wert verlieren würde, wäre es für die Sparer unattraktiv, Bargeld zu horten und überhaupt Bargeld abzuheben und mit Bargeld zu zahlen.

Der IWF erhofft sich von der Massnahme, dass mehr Geld in Umlauf käme und damit die Wirtschaft stärker angetrieben würde. Mit faktischen Strafzinsen auf Bargeld sollten die Sparer dazu getrieben werden, mehr Geld auszugeben – statt es auf die hohe Kante zu legen. All jene, die bereits viel Bargeld besitzen, würden im Zuge des IWF-Vorschlags gezwungen, das Geld rasch in Umlauf zu bringen, oder aber sie würden schrittweise enteignet.

Persönlich halte ich solche Ideen für absurd. Zwar stellen wir einen starken Druck vieler Staaten fest, das Bargeld möglichst abzuschaffen und möglichst nur noch elektronisches Geld zuzulassen, wie es etwa in Schweden schon zu einem grossen Teil gehandhabt wird. In der Schweiz würden solche Ideen allerdings zu Recht auf grossen Widerstand stossen, zumal hierzulande auch das Bargeld weiter beliebt ist.

Auch in Deutschland würden solche Ideen einige Opposition auslösen und die Europäische Währungsunion auf eine harte Bewährungsprobe stellen. Schon heute gibt es Kräfte, die am liebsten aus dem Euro austreten möchten.

Offen gesagt finde ich die Ideen des IWF zur Schwächung des Bargeldes ebenso unklug wie seine Forderungen an die Schweiz, sie müsse ihre Staatsausgaben ankurbeln, um die Wirtschaft zu stärken. Der Preis dafür wären allerdings höhere Schulden.

Dass ausgerechnet der IWF eine höhere Verschuldung empfiehlt, schwächt dessen Glaubwürdigkeit. Die vergleichsweise geringe Verschuldung der Schweiz im internationalen Kontext und unsere Schuldenbremse halte ich für grosse Pluspunkte unseres Landes. Und das dürfte uns angesichts der riesigen Schuldenberge anderer europäischen Staaten, die nicht einmal die eigenen Regeln der Währungsunion einhalten, in der nächsten Finanzkrise zugutekommen.