Stadler Rail verleitet zu riskanten Anlagen

Zu hohe Erwartungen: Die Stadler-Rail-Papiere mit den früheren Apple-Aktien zu vergleichen, ist unrealistisch. (Foto: Keystone)

Ich möchte Aktien von Stadler Rail kaufen, denn ich habe gelesen, dass die Stadler-Rail-Aktien zu vergleichen wären mit den früheren Microsoft- und Apple-Aktien, die später stark an Wert dazugewonnen haben. Welches Risiko gehe ich ein? Ich denke an eine Investition von 50’000 Franken. Allerdings möchte ich nicht zu viel Risiko eingehen, da ich in einem Jahr pensioniert werde und das Kapital zur Aufbesserung der Rente dienen sollte. C.W.

Obwohl ich mich in meiner Kolumne in der «SonntagsZeitung» positiv über die Aktien von Stadler Rail geäussert hatte und auch überzeugt bin, dass das Unternehmen unter dem Einfluss von Gründer Peter Spuhler weiter erfolgreich wachsen wird, rate ich Ihnen zur Vorsicht. Obwohl Spuler auch nach dem Börsengang weiter rund 40 Prozent an der Firma hält.

Ich halte den Vergleich von Stadler Rail mit Aktien von Apple oder Microsoft nicht für sinnvoll, zumal diese Unternehmen in ganz anderen Bereichen tätig sind. Sie dürfen nicht erwarten, dass sich der Wert der Stadler-Rail-Papiere in den nächsten Jahren an der Börse locker verzehnfachen wird, wie dies etwa bei Apple geschehen ist. Meines Erachtens ist dies unrealistisch. Ihre Erwartungen sind viel zu hoch.

Wenn Stadler Rail, wie vom Management und Verwaltungsrat in Aussicht gestellt, weiter stark wächst, was ich glaube, und das Unternehmen seine Versprechen einhält, können die Papiere an der Börse noch weiter zulegen. Als Anleger sollte man aber realistische Erwartungen haben: Vieles der ambitionierten Wachstumspläne ist bereits im Kurs der Aktien enthalten. Falls aber die hohen Ziele und Erwartungen doch nicht erfüllt werden, müssten Sie damit rechnen, dass die Aktien tauchen und sich länger enttäuschend entwickeln.

Wie bei jeder Aktie müssen Sie auch bei Stadler Rail von starken Kursschwankungen ausgehen. Sie gehen ein erhöhtes Risiko ein und sollten solche Aktien nur halten, wenn Sie in der Lage sind, dieses Risiko zu tragen. Da Sie mir schreiben, dass Sie eben gerade keine zu grossen Risiken eingehen möchten, weil Sie das Kapital für Ihr Alter brauchen, zweifle ich stark, dass es für Sie ein guter Weg ist, wenn Sie diese Aktien kaufen.

Vor allem rate ich Ihnen klar davon ab, gleich mit 50’000 Franken Aktien von Stadler Rail zu erwerben. Wenn Sie das machen, gehen Sie ein grosses und für Sie gefährliches Klumpenrisiko ein.

Ihren Angaben entnehme ich, dass Sie sonst nur auf passiv verwaltete Exchange Traded Funds (ETF) setzen. Diese haben den Pluspunkt, dass Sie auch mit tiefen Gebühren eine breite Diversifikation erreichen. Wenn Sie aber Stadler Rail als einzige Einzelaktie halten und gleich noch so viel Geld investieren, fehlt Ihnen die unbedingt notwendige Diversifikation. Sie gehen aus meiner Sicht zu grosse Risiken ein und ich rate Ihnen davon ab.

Falls Sie ganz einfach Freude am Unternehmen haben und vom Erfolg von Stadler Rail überzeugt sind und einen Anlagehorizont von mehreren Jahren haben, können Sie immerhin ein paar wenige – zum Beispiel 100 – Titel kaufen. Dann haben Sie zwar auch ein gewisses Klumpenrisiko, doch dieses hält sich dann angesichts des eingesetzten Betrages in engen Grenzen.

Ich würde eher Ihren bisherigen Kurs fortsetzen und auf Finanzvehikel wie ETF oder Anlagefonds setzen, die breit diversifiziert ganze Märkte und Anlageklassen abdecken. Indem Sie einen Fonds erwerben, der den Schweizer Aktienmarkt abdeckt, sind Sie ebenfalls zu einem kleinen Teil in Stadler Rail investiert, gehen aber deutlich geringere Risiken ein, als wenn Sie gleich sehr viel von Ihrem Geld nur auf eine einzige Aktien setzen. Trotz guter Wachstumsperspektiven sollte man das Kurspotenzial der Stadler-Rail-Aktien nicht überschätzen und Klumpenrisiken vermeiden.

Auch punkto Anlageklassen rate ich Ihnen zur Diversifikation. Im Alter sollte man meines Erachtens eher eine konservative Anlagestrategie verfolgen, weil der Anlagehorizont geringer ist als bei einem jungen Menschen. Gerade weil Sie, wie Sie schreiben, Ihr Geld im Alter brauchen, würde ich nicht nur alleine in stark schwankungsanfällige Aktien investieren, sondern auch andere Anlageklassen wie Anleihen, Immobilien oder Rohstoffe berücksichtigen und so über alles hinweg eine breitere Diversifikation anstreben.

Da Sie an regelmässigen Erträgen interessiert sind, könnten Sie bewusst auch Anlagefonds mit Fokus auf Dividendenperlen stärker gewichten. Zuvor würde ich mir aber genau überlegen, wie viel Risiken Sie wirklich eingehen wollen und können.

12 Kommentare zu «Stadler Rail verleitet zu riskanten Anlagen»

  • René Meier sagt:

    Endlich mal eine ausgewogenere Beurteilung dieses IPO. Im Vergleich mit MS / APPL mit Stadler ist klar: Informatik und anhaltende Digitalisierung ist der laufende Trend (MS/APPL), Eisenbahn ist veraltet und Innovationen gibt es da keine mehr. Der Trend dieser Aktien kann somit nur fallend sein. Grossinvestoren wissen das und bleiben von diesem IPO fern, Herr und Frau Schweizer sollten hier vorsichtig sein mit dem Patriotismus: das wird teuer..

    • Max Kuster sagt:

      Sehr geehrte(r) C.W., fragen Sie sich doch einfach einmal, warum Peter Spuhler überhaupt bereit ist, Ihnen seine Aktien zum IPO Preis zu verkaufen.

    • Werner sagt:

      Woher wissen Sie, dass der Trend nur fallend sein kann? Sind Sie Hellseher? Bis jetzt ist der Trend zumindest steigend, da liegen Sie also schon mal falsch. Wie es weiter geht, weiss keiner.
      Falls der Gesamtmarkt mitmacht, sehe ich aber schon Steigerungspotential.
      Aber Gewinne wie zu Zeiten der Techblase sind illusorisch.
      Microsoft und Konsorten waren beim Börsengang noch kleine Mäuse und sind erst über die Jahre zu Elefanten herangewachsen.
      Stadler ist schon jetzt ein (kleiner) Elefant, da gibt es weniger Steigerungspotential.
      Es sind alles Spekulationen, nur der Markt wird uns zeigen, wohin es geht.

    • Werner sagt:

      Und noch was: Warum sollen Eisenbahnen veraltet sein? Wie werden sich die Menschen in 20 Jahren bewegen? Digitalisierung alleine bewegt nicht.
      Und zum Aktienkurs: Ein Aktienkurs steigt, wenn der Gewinn regelmässig steigt (Ausnahmen bestätigen die Regel). Es gibt innovative Firmen, die überhaupt keinen Gewinn machen, da ist das Risiko deutlich grösser als bei einer Firma mit Substanz.

      • René Meier sagt:

        Die Herleitung nannte ich schon, lesen sie mein Kommentar am Besten noch einmal langsam durch. Zudem: elektrischer, autonomer Individualverkehr ist die Zukunft. Schauen Sie sich die Schwellenländer (ohne bestehende Eisenbahninfrastruktur) einmal an: in was investieren diese, um Personentransportkapazitäten zu schaffen. Antwort: nicht in Eisenbahn; die ist denen teuer und zu kompliziert und bietet den Menschen zu wenig Komfort. Im 21. Jhd. quetschen sich die Menschen nicht mehr in teilweise 40Grad heisse U-Bahnen oder stehen sich in Stosszeiten gegenseitig auf den Füssen… Nicht, wenn sie per App ein klimatisiertes, selbstfahrendes Auto (waymo, google, uber) rufen können. Aber nun: glauben Sie was sie gern möchten: niemand hält sie ab, die Aktien zu kaufen: ich schon gar nicht…

      • Max sagt:

        Die rasch wachsenden Wirtschaftsräume in Asien zeigen eindrucksvoll die Wichtigkeit des konsequenten Ausbaus der Eisenbahn.

        Denn mit zunehmender Urbanisierung sinkt die Wirtschaftlichkeit des Individualverkehrs: Mit einem Bruchteil des Flächenverbrauchs können spurgeführte Massentransportmittel ein Vielfaches an Beförderungskapazität bewältigen. Zum Beispiel würden Sie eine kreuzungsfreie sechsspurige Schnellstraße benötigen, um mit Gefäßen für den Individualverkehr die Kapazität einer konventionellen Stadtbahnstrecke zu ersetzen. Dies wäre in Ballungsräumen meistens gar nicht möglich.

        Das bedeutet aber nicht, dass die Bahnbranche für potentielle Investoren automatisch lukrativ ist. Oftmals stehen kurzfristige Überlegungen nachhaltigen Entscheidungen im Weg.

      • Franz Marke sagt:

        @Meier: Ihre Vision von individueller E-Mobilität ist Wunschkonzert und eben: Vision. Man sieht das doch gerade in den Megacities Asiens: Die Auspuffgase der Autos mag man ignorieren (und die würden mit E-Autos wegfallen), die Staus bleiben aber und verschwinden nicht mit E-Autos. Der Platzbedarf für individuelle Mobilität, ob nun per Otto- oder E-Motor ist zu gross. Und was Ihre lächerliche 40°C-Polemik angeht: Im Hochsommer steige ich in gekühlte Busse und Zürge ein, während meine Kollegen ihre vorgewärmten Autos besteigen. Wenn sie dann zu Hause angekommen sind, hat die AC gerade mal die 25°-Marke erreicht.

    • Max sagt:

      Ganz im Gegenteil, Eisenbahn zählt zu den innovativsten Branchen: Hightech-Entwicklungen für steigende Beförderungskapazitäten, kürzere Zugfolgeabstände, höhere Geschwindigkeiten, mehr Zugkraft, geringeren Energieverbrauch, effizientere Leit-&Sicherungstechnik usw. setzen branchenübergreifend Impulse, auch für bahnfremde Geschäftsfälle.

      • Werner sagt:

        @ René Meier:
        Glauben Sie wirklich, dass in Zukunft zwischen Bern und Zürich die 2000 Pendler pro Stunde alle mit einzelnen Elektromobilen fahren werden?
        Und dabei sind wir erst bei zwei im Weltvergleich kleinen Städten. Wie wird das wohl in den Millionenstädten sein?

  • Leuennberbger Robert sagt:

    Im Zeitalter der Klimapanik und der Grünen Welle wird der ÖV attraktiv bleiben. Zudem hat eine starke Konkurrentin etwelche technische Probleme. So gesehen, ist das Anlagerisiko relativ gering. Dosiert kaufen!

  • Hasi sagt:

    Der „Feind“ der Aktienkurse (nicht nur von StadlerRail) ist der langsam aber sicher zu Ende gehende Aufwärtstrend an den Aktienmärkten (denke so ab 12/2020 wird es soweit sein und die Verzweiflungsphase mit markant sinkenden Kursen setzt ein)
    StadlerRail und alle Anderen, werde ich anfangs 2021 30- 40% günstiger einkaufen können.
    Mein bestehendes Depot werde ich ab Ende 2020 mit diversen Puts absichern…

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