Nestlés Umbau zeigt ­Wirkung

Nestlé-Generalversammlung vom 11. April 2019: Der Konzern aus Vevey ist im ersten Quartal deutlich schneller gewachsen als erwartet. Foto: Jean-Christophe Bott/Keystone

Nestlé überrascht mich immer wieder, auch wenn ich mich selbst als Optimisten bezeichne. Der Konzern aus Vevey ist im ersten Quartal deutlich schneller gewachsen als erwartet und hat damit an das Momentum in den letzten Monaten des abgelaufenen Geschäftsjahres anknüpfen können. Angaben zum Gewinn weist der Hersteller von Hirz-Joghurt und Nes­presso jeweils nur zum halben und zum vollen Jahr aus. Dennoch lässt die sehr gute Zwischenbilanz die Anleger hoffen, dass der welt­grösste Nahrungsmittelhersteller auch im laufenden Jahr das Ergebnis unter dem Strich und entsprechend den Gewinn je Aktie überproportional steigern kann. Der von Nestlé-Chef Mark Schneider vorangetriebene Umbau scheint Wirkung zu zeigen. Seit seinem Amtsantritt vor rund zwei Jahren hat er schrittweise wenig profi­table und langsam wachsende Geschäfts­bereiche, die nicht mehr länger zu den Kernaktivitäten gehören, abgestossen respektive einer strategischen Überprüfung unterzogen. Letztes Jahr hat Nestlé zudem mit der Übernahme der Handels­sparte von Starbucks seine Position im Premium-Kaffeemarkt entscheidend gestärkt. Ich habe den Eindruck, dass die Aktien auf die kurze Sicht viel Positives vorwegnehmen. Langfristig gehören sie aber in jedes Portfolio. Dosiert kaufen

30 Prozent Kursgewinn

Von der diesjährigen Börsenerholung haben nicht alle Aktien gleich stark profitiert. Wer Anfang Jahr in LafargeHolcim investiert hat, kann sich allerdings freuen: 30 Prozent beträgt der Kursgewinn. Es gibt jedoch weiter Luft nach oben. Konzernchef Jan Jenisch hat an der Bilanzmedienkonferenz im März Hoffnungen auf einen starken Jahresauftakt geweckt. Am 15. Mai wird der Zementkonzern seine Zahlen für das erste Quartal vorlegen. Ich bin optimistisch. Positiv stimmt mich auch die Erneuerung im Verwaltungsrat, die in der vergangenen Woche bekannt gegeben wurde: Die unabhängigen Kräfte werden gestärkt, der Handlungsspielraum für die neue Geschäftsleitung dürfte sich vergrössern. Das Unternehmen lässt den Aktionären die Wahl, die Dividende in bar oder in Form neuer Aktien mit einem Abschlag von 8 Prozent zu beziehen. Je nachdem, welche Option Anleger wählen, liegt die Rendite knapp unter oder leicht über 4 Prozent. Das Angebot ist attraktiv, ich würde es annehmen, und ich gehe davon aus, dass sich auch zahlreiche andere Anleger dafür entscheiden dürften. Das hilft dem Unternehmen, die Verschuldung weiter zu reduzieren. Kaufen

Keine Aufträge um jeden Preis

Vorsichtiger bin ich bei Burk­halter. Das grösste und einzige kotierte Elektroinstallationsunternehmen der Schweiz ist nach einer Phase des Wachstums unter Druck geraten. Das spiegelt sich unter anderem am längerfristigen Aktienkurs. Die eigenartige Marktkonstellation – Kapazitätsengpässe, verbunden mit einem harten Preiskampf – hat das Wachstum und vor allem die Margen 2018 gedrückt. Zudem drängen auch staatlich kontrollierte Stromversorger auf den Installationsmarkt. Obwohl sich an der Marktverfassung vorerst kaum etwas ändern dürfte, halte ich Burkhalter nach wie vor für ein sehr solides Unternehmen. Eine Eigenschaft, die mir als Aktionär sehr wichtig wäre. Burkhalter verweigert sich dem Kampf um Aufträge um jeden Preis und nimmt dafür vorübergehend Einbussen in Kauf – das ist vernünftig. Das Unternehmen zeichnet sich zudem durch eine aktionärsfreundliche Ausschüttungspolitik aus. Die Dividendenrendite liegt aktuell bei rund 5 Prozent. Zudem bin ich ziemlich sicher, dass das Elektroinstallationsunternehmen mittelfristig wieder auf den Wachstumspfad zurückkehren wird, was dann auch wieder zu höheren ­Kursen führen dürfte. Vorerst ist die Kursfantasie allerdings eher gering. Halten

Rückschläge sind wahrscheinlich

Seit einer Woche werden die Aktien von Peter Spuhlers Zugbauunternehmen Stadler Rail an der Schweizer Börse gehandelt. Der Auftakt war fulminant: Mit 42 Franken lag der erste Kurs klar über dem Ausgabepreis von 38 Franken. Seither bewegen sich die Titel allerdings in einem engen Preisband: Bei Börsenschluss am ersten Handelstag erreichten sie mit 43.10 Franken den bisherigen Höchstkurs. Auch als am Donnerstag ein 200-Millionen-Euro-Auftrag aus Finnland veröffentlicht wurde, hat das der Aktie keinen weiteren Impuls verliehen. Unter 41.20 Franken sanken sie bislang nie. Für Neueinsteiger boten sich damit kaum günstige Kaufgelegenheiten. Denn ein Kurs von 42 Franken entspricht dem 19-Fachen des geschätzten Gewinns im laufenden Jahr, was im Vergleich zu den direkten Konkurrenten eher hoch ist. Zwar wird das Unternehmen in den kommenden Jahren stark wachsen und stellt auch eine höhere Profitabilität in Aussicht. Ich bin jedoch etwas zurückhaltend, da der Geschäftserfolg stark von Grossaufträgen abhängt, was ­zwischenzeitliche Rückschläge wahrscheinlich macht. Wer neu in den Stadler-Zug einsteigen will, sollte einen solchen Rückschlag abwarten. Halten

 

 

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