Warum Amortisieren schlauer ist

Falsch beraten? Banken haben kein Interesse an der Amortisation der Hypothek. (Foto: iStock)

Wir wollten unsere auslaufende Hypothekentranche über 100’000 Franken zurückzahlen. Doch der Berater riet uns nun zum Abschluss einer weiteren Hypothek über 100’000 Franken für zwei Jahre, für die er uns einen Zins von 1 Prozent anbietet, um dann im Oktober 2021, bei der Fälligkeit der zweiten Festhypothekentranche von 200’000 Franken, derzeit verzinst zu 2,65 Prozent, zu entscheiden, wie weiter. Dann sei aus heutiger Sicht nach wie vor mit sehr tiefen Zinsen zu rechnen. Wie sehen Sie das? N.F.

Vorausgesetzt, dass Sie die 100’000 Franken, die Sie für die Amortisation der ersten Hypothekentranche verwenden würden, nicht für andere Zwecke zwingend brauchen, sehe ich keinen Grund, warum Sie eine neue Hypothek aufnehmen sollten.

Sie können eine einfache Rechnung machen: Die neue Hypothek würde Sie bei einem Zins von 1 Prozent immerhin 1000 Franken kosten. Gleichzeitig bekommen Sie auf dem Kapital, das Sie auf dem Sparkonto haben, praktisch keinen Zins oder verlieren nach Abzug der Gebühren und unter Berücksichtigung der Teuerung damit sogar Geld.

Natürlich könnten Sie die 100’000 Franken in Wertschriften wie Fonds, Obligationen oder Aktien investieren und im positiven Fall eine höhere Rendite erwirtschaften, als Sie der Bank Zins zahlen. Sie müssten aber zwingend eine Nettorendite von mindestens mehr als 1 Prozent erzielen. Eine Garantie, dass Sie dies schaffen, haben Sie aber nicht, da sehr sichere Frankenanleihen wie die Bundesobligationen nach wie vor eine Negativrendite aufweisen. Möglich wäre auch, dass Sie nach zwei Jahren auf Buchverlusten sitzen. Daher würde ich dieses Kapital nicht investieren.

Ihren Angaben entnehme ich zudem, dass Sie pensioniert sind, womit auch der mögliche Zinsabzug in der Steuererklärung zusätzlich an Bedeutung verliert. Die Bank hat natürlich kein Interesse an der Amortisation: Sie verliert ein Geschäft und Einnahmen.

Wenig Sinn macht für mich das Argument, auf die Teilamortisation zu verzichten, weil in zwei Jahren auch die zweite Hypothekentranche fällig wird. Zwar ist schwer absehbar, wie hoch genau dann die Zinsen sind. In diesem Jahr jedenfalls erwarte ich keine Zinserhöhung. Es ist aber gut möglich, dass die Zinsen bis 2021 ansteigen. Doch dann bringt es Ihnen auch nichts, wenn Sie noch die erste Tranche mit einem tiefen Zins besitzen, da diese dann 2021 ebenfalls auslaufen würde.

Wenn Sie sich gegen einen Zinsanstieg absichern möchten, müssten Sie vielmehr eine deutlich längere Laufzeit von fünf bis zehn Jahren wählen. Allerdings zahlen Sie dann wieder Zinskosten. Nur um das Zinsanstiegsrisiko abzufedern, lohnt sich dies aus meiner Sicht für Sie nicht. Meiner Meinung nach fahren Sie nach wie vor besser, wenn Sie die 100’000 Franken aus der ersten Hypothekentranche amortisieren und so für sich die Zinskosten einsparen.

In zwei Jahren können Sie dann wieder prüfen, ob Sie eine weitere Teilamortisation vornehmen können und wollen oder ob Sie für die verbleibende zweite Tranche eine neue Hypothek abschliessen. Dann sind Sie auch in der Lage, Konkurrenzofferten bei anderen Banken einzuholen, damit Sie einen möglichst attraktiven Zins für sich herausholen.

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