Anteilscheine von Raiffeisen mit Risiko

Raiffeisen-Familie: Die Verzinsung der Anteilscheine wird an der Generalversammlung festgelegt und orientiert sich am Geschäftsergebnis. Einen Anspruch auf Zins gibt es allerdings nicht. Foto: Raphael Moser

Ich habe seit vielen Jahren bei der Raiffeisenbank Erspartes und zwei Anteilscheine. Jetzt kommt ein Angebot, dass jedes Mitglied Anteilscheine bis 10’000 Franken kaufen kann. Diese werden zwischen 3 bis 4 Prozent verzinst ab 2020. Das irritiert mich etwas. Wie schätzen Sie das Risiko ein? S.M.

Angesichts der Nullzinsen auf dem Bankkonto und der Negativrendite bei den sehr sicheren Bundesobligationen ist eine Verzinsung der Anteilscheine Ihrer lokalen Raiffeisen-Genossenschaft in der Tat fürstlich. Garantiert haben Sie den hohen Zins allerdings nicht.

Zuerst muss die Generalversammlung die Verzinsung noch absegnen. Voraussetzung für den Zins von drei bis vier Prozent ist zudem, dass der Geschäftsgang in diesem Jahr erfolgreich ist, was auch noch nicht garantiert ist. Die Verzinsung wird jährlich an der Generalversammlung festgelegt und orientiert sich am Geschäftsergebnis und dem aktuellen Zinsniveau. Einen festen Anspruch auf einen Zins haben Sie nicht.

Wenn Sie somit jetzt weitere Anteilscheine kaufen, gehen Sie ein Zinsrisiko ein. Dieses stufe ich allerdings als gering ein. Die Anteilscheine von Raiffeisen zeichnen sich gerade durch eine hohe Verzinsung aus. Die Chancen sind gut, dass Sie die 3 bis 4 Prozent dann wirklich erhalten.

Wesentlich höher indes ist das eigentliche Anlagerisiko, das Sie mit dem Kauf dieser Anteilscheine eingehen. Ihre lokale Raiffeisen-Genossenschaft will mit der Herausgabe von weiteren Anteilscheinen ihr Eigenkapital stärken. Ganz freiwillig macht man das nie, denn zusätzliches Eigenkapital hat immer einen Preis, wie die Verzinsung zeigt. Der Hintergrund: Nicht nur Ihre lokale Genossenschaft, auch die Raiffeisen-Gruppe muss gemäss den Vorgaben der Finanzmarktaufsicht Finma als systemrelevantes Institut ihr Eigenkapital stärken.

Doch auch andere Institute, wie die Grossbanken UBS und CS, mussten auf Weisung der Finma ihre Eigenkapitalausstattung aufbessern. Dies mit dem Ziel, dass die Banken in einem Krisenfall robuster dastehen und die Kunden besser geschützt sind.

Als Inhaber von Anteilscheinen sieht Ihre Perspektive allerdings anders aus: Sie tragen das Risiko der Bank voll mit. Wenn etwas schiefgeht, sind Ihre Anteilscheine definitiv nicht durch die Einlagensicherung der Schweizer Banken gedeckt.

Ihre Bank weist in ihrer Verkaufsbroschüre für die Anteilscheine ausdrücklich darauf hin: «Der Verwaltungsrat kann eine Rückzahlung der Anteilscheine ohne Angabe von Gründen verweigern, insbesondere dann, falls die Eigenmittel der Raiffeisen-Gruppe den gesetzlichen Eigenmittelanforderungen nicht genügen.» Ausserdem heisst es: «Die zur Raiffeisen-Gruppe gehörenden Raiffeisenbanken und Raiffeisen Schweiz bilden einen Haftungsverbund und sind Risiken ausgesetzt, die sich aus ihrer Geschäftstätigkeit ergeben.»

Im Klartext heisst das, dass Sie das in die Anteilscheine investierte Kapital im schlimmsten Fall ganz verlieren könnten. Das ist gemäss heutigem Informationsstand trotz der negativen Schlagzeilen über Raiffeisen im letzten Jahr zwar nicht zu erwarten.

Ebenso wie wenn Sie an der Börse eine Aktie einer Firma kaufen, müssen Sie schlimmstenfalls auch bei Raiffeisen-Anteilscheinen mit einem Totalausfall rechnen. Daher sollten Sie trotz attraktivem Zins das Angebot Ihrer Raiffeisenbank nur nutzen, wenn Sie die mit den Anteilscheinen verbundenen erhöhten Risiken tragen wollen und können.

12 Kommentare zu «Anteilscheine von Raiffeisen mit Risiko»

  • Fritz Kunz sagt:

    Die Raiffeisen ist und bleibt eine Wald-und Wiesenbank, es werden vorwiegend Teilzeithausfrauen und die Ehefrauen der Geschäftsstellenleiter beschäftigt.
    Eine kompetente Beratung Fehlanzeige, ganz zu Schweigen vom nicht vorhandenen Fachkenntnissen.

    • Anna Mayer sagt:

      Zum Teil finden sich bei der Raiffeisen auch Ex-Mitarbeiter der Drückerkolonne von AWD, entsprechend ist dann auch deren „Beratung“.

    • Manuel sagt:

      hahaha, der war gut… zum Glück haben Sie keine Ahnung was für Ausbildungen man benötigt um auf einer Bank zu arbeiten (ich spreche nicht von Schaltermitarbeitern)

  • Max Kramer sagt:

    Die Raiffeisen erwirtschaftet 70% ihrer Erträge im Zinsgeschäft, darum kommt ein Investment in Anteilscheine für mich persönlich definitiv nicht in Frage.

  • Isa Huber sagt:

    Die Raiffeisen ist top im Zahlungsverkehr und für ein Sparkonto, mehr nicht.

  • Paula Lutz sagt:

    Die Raiffeisen ist ein großes Risiko an sich selbst.

  • Karl K. sagt:

    Auch andere namhafte Banken haben vergleichbare Papiere herausgegeben, die man nach FINMA gleich sofort zum Eigenkapital rechnet (was das genau heisst, darf sich jeder selber ausmalen).
    Vielleicht nicht gerade mit 3-4 %, aber deutlich über normalen Zinsen. Dass man jetzt ausgerechnet über die Raiffeisen herzieht, hat doch ein leichtes Gschmäckle.

    • Sepp Manser sagt:

      @K: Das hat schon seinen Grund. Wenn die Raiffeisen beim nächsten Immocrash kollabiert, heisst es sonst nämlich wieder, man habe die zinsgeilen Bauernjoggel, pardon Kleinsparer, nicht ausreichend über die Risiken dieser Anteilscheine aufgeklärt…

  • Michael Urech sagt:

    Das sind also doch sehr kompetente Kommentare. Der Erfolg der Raiffeisenstrategie der letzten Dekade gibt deren Architekten mehr als Recht. Solide Renditen für die Anleger und einen hohen volkswirtschaftlichen Wert sind das Resultat.
    Neid und Unwissen reflektiert sich in diesen Kommentaren.

    • Carmen Haag sagt:

      Wie der „Erfolg“ der Architekten zu Stande kam, ist ja hinlänglich bekannt, die Anklageschrift für die Protagonisten lautet auf ungetreue Geschäftsbesorgung und persönlichen Bereicherung.
      Wertberichtigungen im Zusammenhang mit dem von Vincenz aufgebauten Beteiligungsportefeuille belasten das Ergebnis mit satten 270 Mio.
      Wie sich in Folge herausstellte, vermischte Vincenz die Interessen von Raiffeissen mit den eigenen Interessen was ihn in Untersuchungshaft und Raiffeisen in Schwierigkeiten brachte.

      • Tamara Rizutto sagt:

        @ Michael Urech: Die Crew unter Pierin Vincenz, Patrik Gisel und ihren Mitstreitern machte alles Andere als den Job. Sie kauften für eine Milliarde Firmen ohne echte Prüfung.
        Eine Milliarde, tausend Millionen Franken, Geld von 2 Millionen Genossenschaftern, von 4 Millionen Kunden, von der halben Schweiz, von den einfachen Leuten. Einfach genommen, verpulvert, verjubelt.
        300 Millionen Sonderabschreiber stehen nun an, bezahlt von den Genossenschaftern der Raiffeisen.
        Auch wenn dies gewisse Raiffeisen-Jünger nicht wahrhaben wolle.

    • Fritz Kunz sagt:

      @ Urech: Apropos kompetenter Kommentar, Ihrer ist definitiv keiner!

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