Was bringen geschenkte Alcon-Aktien?

Klotz am Bein: Novartis hat die Augenheilsparte Alcon vor Jahren für teures Geld übernommen. Nun wird Alcon abgespalten und dann von Novartis unabhängig an der Börse gehandelt. Foto: Getty Images

Mein Mann ist im Besitz von 4400 Aktien von Novartis. Nun plant Novartis einen Spin-off von Alcon. Was bedeutet das für uns? Verkaufen? H.R.

Die Augenheilsparte Alcon wurde von Novartis vor Jahren für teures Geld übernommen, entwickelte sich aber nicht wie erhofft als grosse Gewinnbringerin. Im Gegenteil: Zunehmend wurde Alcon für Novartis ein Klotz am Bein und von Analysten häufig als Problemsparte tituliert.

Nun wird Alcon abgespalten und dann von Novartis unabhängig an der Börse gehandelt. Der Verwaltungsrat von Novartis kam zum Schluss, dass sich Alcon unabhängig von Novartis erfolgreicher entwickeln kann. Kritisch kann man auch sagen, dass sich die Novartis-Führung mit diesem Schritt von ihren Problemen entledigen will.

Technisch abgewickelt wird diese Abspaltung durch die Ausschüttung einer Sachdividende in Form von Aktien von Alcon an die Aktionäre von Novartis. Pro fünf Novartis bekommen die bisherigen Novartis-Aktionäre eine neue Alcon-Aktie. Die Papiere werden dann an der Schweizer Börse mit dem Ticker-Kürzel ALC gehandelt und aufgrund der gewichtigen Kapitalisierung gleich ab dem ersten Handelstag in den Schweizer Leitindex Swiss-Market-Index aufgenommen. Durch die Abspaltung von Alcon entsteht somit ein neues Börsenschwergewicht.

Zusätzlich werden die Alcon-Aktien an der New York Stock Exchange NYSE kotiert. Auch wenn Alcon im Kontext von Novartis in letzter Zeit oft kritisch beurteilt wird, sollte man mit Respekt wahrnehmen, dass Alcon weltweit Marktführerin im Bereich Augenheilkunde ist und im vergangenen Jahr als Division des Basler Pharmariesen immerhin einen Umsatz von beachtlichen 7,1 Milliarden Dollar erwirtschaftet hatte. Operativ resultiert allerdings ein Verlust von 194 Millionen Dollar, was die Freude über die neuen Alcon-Aktien bei dem einen oder anderen trüben dürfte.

Als Inhaber von Novartis-Aktien werden Sie nach der Genehmigung der Abspaltung durch die Generalversammlung zusätzlich Besitzer von Alcon-Papieren. Neben der ordentlichen Dividende wird Ihr Depot durch Alcon verstärkt. Ebenso wie der Dividendenabgang wird die Abspaltung natürlich nicht spurlos am Novartis-Kurs vorbeigehen, sondern den Kurs belasten. Dennoch würde ich die Novartis-Aktien nicht vorgängig verkaufen, sondern die Dividende und die abgespaltenen Alcon-Papiere in Anspruch nehmen.

Wie erfolgreich sich die Alcon-Aktien dann an der Schweizer Börse entwickeln, kann ich auch nicht sagen. Ich würde zuerst einmal abwarten und die Entwicklung im laufenden Jahr verfolgen. Das Alcon-Management muss die Aktionäre von seiner Strategie zuerst noch überzeugen und zeigen, wie es mit dem Augenheilgeschäft künftig wachsen will.

Ich würde schauen, wie sich das Geschäft entwickelt. Und dann können Sie entscheiden, ob Sie die Papiere langfristig behalten oder dann eben doch abstossen wollen.

4 Kommentare zu «Was bringen geschenkte Alcon-Aktien?»

  • Robert Landert sagt:

    Lässt sich abschätzen, was so eine Alcon Aktie am ersten Handelstag Wert sein könnte?

    • J.Oppliger sagt:

      Herr Landert, ich habe kürzlich gelesen, dass eine Alcon Aktie zu Beginn, vermutlich im Laufe des Monats April, etwa 8 Franken kosten wird. Dann würde eine Novartis Aktie somit ca. 83 Franken, falls diese bis dann den Dividendenabgang vollständig verarbeitet hat, weil Novartis einen Tag vor dem ex Datum rund 91 Franken kostete. Alcon wird dann neu an der Schweizer Börse gehandelt, und die Aktionäre von Novartis hoffen natürlich, dass auch der Kurs von Alcon steigen wird, denn 5 Novartis Aktien ergeben eine Alcon Aktie.

  • Roger Rosenbaum sagt:

    Alles was in diesem Artikel steht weiss man. Die Empfehlung passt eher zu einem Politiker, weder Fisch noch Fleisch. Ich hätte gedacht, dass anfänglich der Kurs leiden wird, da viele Kleinanleger verkaufen werden. Dann denke ich, dass man auf Grund der Zahlen (PE etc.) zukaufen soll, denn ich denke Alcon ist gut aufgestellt. Dies ist mein Vorgehen. Vom Experten hätte ich auch mehr erwartet als abwarten und Thee trinken.

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