So finanzieren Sie sich jedes Jahr eine tolle Reise

Dank angelegtem Geld «gratis» in die Ferien: Dividendenperlen machen das durchaus möglich. Foto: iStock

Seit Jahren habe ich über 200’000 Franken auf der Seite. Diese sind angelegt, aber seit mindestens 15 Jahren geht es nicht vorwärts. Daher meine Frage an Sie: Ist es zu viel erwartet, dass diese 200’000 Franken jedes Jahr ein Prozent etwa für eine schöne Woche Ferien in Zermatt abwerfen, vielleicht sogar zwei bis drei Prozent für eine schöne Reise? D.T.

Welche Renditeerwartungen man haben darf, hängt davon ab, wie viel Risiken man mit seinem Geld eingehen kann und will. Wenn man möglichst gar kein Risiko tragen möchte, sollten die Renditeerwartungen entsprechend tief sein.

Einfach veranschaulichen lässt sich das mit den schweizerischen Bundesobligationen. Diese gelten international als Inbegriff für höchste Sicherheit. Wer also höchste Sicherheit sucht, kann solche Bundesobligationen halten, dafür bekommt er null Rendite. Denn die Rendite dieser Eidgenossen liegt bei null und phasenweise sogar im Minusbereich, sodass man faktisch sogar leicht Geld verliert. Dafür ist das Geld sehr sicher parkiert.

Das Gleiche gilt, wenn Sie Ihr Geld einfach auf dem Konto einer sehr sicheren Bank mit Staatsgarantie liegen lassen. Auch wenn Sie Frankenunternehmensanleihen von Firmen mit sehr gutem Schuldnerrating erwerben, verdienen Sie wegen der nach wie vor rekordtiefen Zinsen derzeit praktisch nichts.

Im Klartext: Wenn Sie eher kein Risiko eingehen möchten und verlangen, dass Ihr Geld möglichst keinen Schwankungen ausgesetzt ist, wird es derzeit sehr schwierig mit den von Ihnen erhofften Renditen von zwei bis drei Prozent. Mit sicheren Frankenanleihen oder entsprechenden Anleihenfonds ist das derzeit kaum möglich.

Falls Sie aber bereit sind, stärkere Kursschwankungen und höhere Risiken zu tragen, dürfen Sie auch Ihre Erwartungen erhöhen. Es ist problemlos möglich, dass Sie auf Ihren 200’000 Franken auch über viele Jahre hinweg deutlich mehr Rendite erzielen – etwa, indem Sie Dividendenperlen kaufen, also Aktien mit einer hohen Dividende.

Sie müssen zwischen zwei Dingen unterscheiden: Sind Sie primär am Ertrag Ihres Geldes interessiert oder aber am Wachstum? Wenn Sie jedes Jahr einfach einen bestimmten Ertrag wünschen, spielt es nicht wirklich eine Rolle, ob die Wertschriften Ende Jahr mal mehr oder weniger wert sind. Kursschwankungen, wie sie bei Aktien normal sind, spielen in diesem Fall keine grosse Rolle, denn Sie würden die Aktien ja langfristig halten und nicht verkaufen. Tatsächlich sind diese Aktien mal mehr und mal weniger wert.

Sie könnten beispielsweise Dividendenperlen wie Nestlé, Swisscom, Zurich, Swiss Re, Novartis, Roche, Adecco, Swiss Life oder LafargeHolcim halten. Mit einem solchen Mix erreichen Sie eine jährliche Rendite von über drei Prozent, da einzelne dieser Titel sogar eine Dividendenrendite von über fünf Prozent aufweisen. Ein Beispiel ist etwa Burkhalter mit einer Dividendenrendite von sechs Prozent.

Es ist also durchaus möglich, dass Sie sich mit Dividendenperlen mit Ihrem Geld eine schöne Reise finanzieren, wobei Sie auch die Steuern berücksichtigen müssten: Dividenden müssen ebenso wie Zinseinnahmen, aber anders als Kursgewinne versteuert werden.

Der Preis für diese Erträge ist allerdings das erhöhte Risiko. Sie müssen sich überlegen, ob Sie dieses Risiko tragen möchten und genügend Nerven haben, um die stärkeren Kursschwankungen, mit denen Sie bei einer solchen Dividendenstrategie zwingend rechnen müssen, auszuhalten.

11 Kommentare zu «So finanzieren Sie sich jedes Jahr eine tolle Reise»

  • Markus sagt:

    Ich habe seit ende letzten Jahres 50’000.- auf der Seite und eine Eigentumswohnung Schliesslich habe ich ja auch eine PK usw. Jetzt spare ich immer noch jeden Monat 2500.- und davon leiste ich mir mehr als eine schöne Reise pro Jahr. Am Jahresende werde ich dann den Rest auch auf das Sparkonto überweisen. Ich lebe jetzt und hier und alle auf irgendwann zu verschieben ergibt keinen Sinn. Diese Erkenntnis kam bei mir mit erreichen des 50 Geburtstages.

  • Meinrad K. Ebola sagt:

    Es gibt auch einen ETF der Swiss Dividends oder so heisst – da spart man sich, die einzelnen Titel ins Portfolio zu nehmen. Ausschüttungen gibt´s auch und wenn man noch einen Stop Loss definiert, ist das Risiko überschaubar..

  • Thomas N. sagt:

    Für Schweizer Privatanlager sind die meisten Dividenden von Schweizer Firmen sogar steuerfrei!

    • Anh Toàn sagt:

      Sie meinen Kapitalrückzahlungen. Aber, die werden weniger, mehr als bis auf 0.00 kann man nicht Kapital zurückzahlen, und bei den meisten Schweizer Dividendenwerten sind die Möglichkeiten dazu bereits ausgeschöpft.

      Im SLI können Arzyta, Lafarge, EFG und Leonteq noch lange steuerfreie Ausschüttungen tätigen.

  • Yvonne Schmid sagt:

    Mit ganz besonderer Zinsrechnungs-Kompetenz „glänzt“ die Migrosbank bei der Anpreisung des Anlagesparkontos:
    „Ihr Vorteil – Bei Sparguthaben profitieren Sie vom Zinseszinseffekt.“
    Zinseszinseffekt? Echt jetzt? Bei einem Zinssatz von 0.06 Prozent?
    https://www.migrosbank.ch/de/privatpersonen/sparen/anlagesparkonto.html
    Da muss man verdammt viel Geld haben, damit der Zineszins nicht beim Rappen-Runden verloren geht…

  • Albert Fiechter sagt:

    Noch nie hat Herr Spieler verraten, wie man ihm eine Frage stellt. Deshalb ist die Annahme wohl gerechtfertigt, dass die Fragen, die er in dieser Kolumne bespricht, von ihm selbst gestellt sind.

    • Kellenberger Paul sagt:

      Der Link zu e-mail zum Fragen stellen ist auf der Übersichtsseite aufgeführt.
      Meine Frage kam zwar nicht im Blog, wurde aber von Herr Spieler ausführlich per Mail beantwortet.

  • Yvonne Schmid sagt:

    Da die Kirchensteuer an sich freiwillig ist (je nach dem ob man Mitglied sein will) kann man sich auf dem Vermögen die Kirchensteuern ersparen, was abhängig vom Kanton auf 200’000.- Sparkapital 0 bis 90 Fr. jährlich ist
    https://www.kirchenaustritt24.ch/Kirchensteuer
    Wesentlich mehr Geld ging jedoch während dem Ansparen dieses Kapitals an die Kirche weg: in der Summe (beim Steuersatz von 80’000 steuerbarem Einkommen) etwa 1500.- bis 3500.-, wiederum vom Wohnkanton abhängig.

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