Richtig investieren bei unsicheren Perspektiven

Anlagehorizont, Risikobereitschaft, Lebenssituation: Bevor Sie konkrete Anlageentscheide ins Auge fassen, sollten Sie sich über diese Voraussetzungen Klarheit verschaffen. Foto: iStock

Ich bin anfangs 50 und habe viel Bargeld, aber praktisch kein Einkommen nach einer Trennung. Das Geld reicht ein paar Jahre zum Leben. Da ich daran bin, ein Geschäft aufzubauen, und nicht weiss, wie lange das Geld reichen muss, habe ich mich bis jetzt nicht getraut, das Geld anzulegen. Aus Angst vor Verlust. Das ist nicht schlau, ich weiss, da ich so jedes Jahr Geld verliere. Was würden Sie mir raten? B.M.

Wichtige Voraussetzungen, damit Sie Ihr Geld sinnvoll investieren können, sind einerseits der Anlagehorizont und anderseits Ihre persönliche Risikofähigkeit. Bevor Sie konkrete Anlageentscheide ins Auge fassen, rate ich Ihnen, sich über diese beiden Voraussetzungen Klarheit zu verschaffen.

Da Sie, wie Sie schildern, momentan nur sehr wenig Einkommen haben, sind Sie für Ihren Lebensunterhalt auf das Geld angewiesen. Gleichzeitig bauen Sie sich eine neue berufliche Existenz auf. Das braucht erfahrungsgemäss Zeit und Sie wissen nicht, ob und in welchem Ausmass Sie Erfolg haben. Für Sie spricht, dass Sie genügend Reserven haben, auf die Sie zurückgreifen können. Vor diesem Hintergrund kann ich gut nachvollziehen, dass Sie bis jetzt abgewartet haben und Ihr Geld liquide behalten haben.

Ich würde mit verschiedenen Zeitphasen arbeiten. Da es in Ihrem Leben derzeit einige Unsicherheitsfaktoren gibt, würde ich einen Teil des Geldes liquide behalten. Dabei denke ich an eine Summe, die in etwa Ihren Lebensunterhalt für die nächsten zwei Jahre abdeckt. Eine weitere Tranche würde ich mit einem Anlagehorizont von drei Jahren anlegen und eine weitere Tranche mit einem Anlagehorizont von vielleicht fünf Jahren.

Je kürzer der Anlagehorizont ist, desto weniger Risiken sollten Sie eingehen. Daher würde ich in erster Linie auf Sicherheit setzen. Das Problem dabei ist, dass sehr sichere Anlagen derzeit wegen der nach wie vor rekordtiefen Zinsen gar keine oder fast keine Rendite abwerfen. Mit Unternehmensanleihen von einigermassen guten Schuldnern und Obligationenfonds, die in begrenztem Umfang auch schlechtere Schuldner und Fremdwährungsanleihen berücksichtigen, erreichen Sie dennoch eine Rendite, die auch nach Gebühren deutlich höher ist als jene auf dem Bankkonto.

Natürlich hätten Sie mit Aktien deutlich bessere Renditechancen. Aktien eignen sich aufgrund der starken Kursschwankungen aber nur für Anleger mit einem längeren Anlagehorizont. Wenigstens sollten Sie es schaffen, dass Sie Ihr Geld zwar sicher investieren, aber mehr Rendite erzielen als die Teuerung. Wenn das Geld nur auf dem Konto liegt, sorgt die Teuerung dafür, dass der Wert des Geldes langsam, aber stetig an Wert verliert.

Sobald sich Ihre selbstständige Tätigkeit positiv entwickelt und Sie genügend Einkommen haben, können Sie Ihr Geld auch mit einem längeren Anlagehorizont und, falls dies Ihrem Risikoprofil entspricht, auch mit etwas mehr Risiken anlegen und so mehr Renditechancen nutzen. Solange aber vieles unklar ist, würde ich das Geld nur konservativ anlegen.

Gleichzeitig empfehle ich Ihnen auch, Ihre Vorsorgesituation zu prüfen. Gerade nach einer Trennung und allenfalls nach einer Scheidung besteht da oft Handlungsbedarf. Unter Umständen wäre es für Sie auch sinnvoll, wenn Sie wenigstens einen Teil Ihrer liquiden Mittel in die Altersvorsorge investieren würden. Das gibt Ihnen mehr Sicherheit in Hinblick auf Ihr Alter.

Allerdings ist das Kapital dann gebunden und Sie können es nicht mehr für Ihren Lebensunterhalt nutzen. Darum ist es besonders wichtig, dass Sie so rasch wie möglich eine solide berufliche Grundlage aufbauen können. Je mehr Einkommen Sie erwirtschaften können, desto mehr Spielraum bekommen Sie, um Ihr Geld sinnvoll zu investieren und auch Ihre Altersvorsorge zu stärken.

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