Hände weg von Netflix-Aktien

«Bird Box» von Netflix: Der Streaming-Pionier hat harte Konkurrenz bekommen. Foto: Gabby Jones/Bloomberg/Getty Images

Beim Verleih von Filmen über das Internet ist Netflix der Pionier. Seit 2007 streamt das US-Unternehmen Videos gegen eine fixe Monatsgebühr. Wie so oft in attrak­tiven Feldern bleibt man aber nicht lange allein. Schon jetzt kann sich Netflix über mangelnde Konkurrenz nicht beklagen. Doch jetzt ­bereiten Schwergewichte wie Walt Disney, Warner Media, Comcast, NBCUniversal und Apple eigene Streamingdienste vor. Bislang setzt Netflix als Alleinstellungsmerkmal auf hochwertige, meist selbst produzierte Inhalte. Das treibt die Schuldenlast des Unternehmens in die Höhe. Zum ersten Mal lagen die langfristigen Verbindlichkeiten im abgelaufenen Quartal bei mehr als 10 Milliarden Dollar. Im Heimatmarkt USA hat das Unter­nehmen vergangene Woche an der Preis­schraube gedreht, in der Schweiz bleibt es bei Kosten für ein Abonnement zwischen 12 und 20 Franken. Der Kurs des Netflix-Managements kann nicht dauerhaft gut gehen. Spätestens wenn die Zahl der Anbieter mit attraktiven Inhalten weiter zunimmt, wird es schwer, höhere Preise durch­zuset­zen. Und die immensen Kosten für die Produktionen werden in den Fokus der Investoren rücken. Dann wird es ungemütlich. Verkaufen

Aufgeschreckte Anleger

Apropos Film und TV: Das hat vielleicht auch bei Ihnen oft mit Schokolade zu tun, am besten von Lindt & Sprüngli. Deren Valoren gehörten bis Mitte No­vem­ber zu den Titeln mit der besten Performance am Schweizer Aktienmarkt. Nachher ging nichts mehr, die Titel des Schokoladeherstellers aus Kilchberg gerieten mächtig ins Rutschen. Die jüngste Anpassung des mittelfristigen Wachstumsziels nach unten machte das Ganze auch nicht besser. Dass Lindt & Sprüngli neu ein organisches Wachstum von 5 bis 7 Prozent pro Jahr (bisher 6 bis 8 Prozent) erwartet, schreckte Anleger auf. Die Rückbesinnung folgte auf den Fuss; in der zweiten Wochenhälfte fanden die Valoren aus dem Tief. Die Zweifel waren genauso übertrieben wie zuvor die Wachstumsvorstellungen des Unternehmens. Die realistischere Einschätzung der künftigen Entwicklung sollte im nun erreichten Kursniveau eingepreist sein. Das nimmt Druck von den Titeln, auch wenn sie noch kurz im unruhigen Fahrwasser sein werden. Die Bereitschaft, für defensive Qualitäten in die Taschen zu greifen, könnte sich auszahlen. Dosiert kaufen

Gesund und hoch rentabel

Zu Jahresbeginn wurden die Aktien des Sanitärtechnikers Geberit weiter markant zurückgestuft. Dahinter standen deftige Verkaufsempfehlungen von drei Banken. Die am Donnerstag veröffentlichten Umsatzzahlen 2018 zeigten nun eine Wachstumsbeschleunigung im vierten Quartal. Für das ganze Jahr hat Geberit die im Herbst leicht nach unten revidierten Vorgaben erreicht. Prompt drehte der Kurs nach oben, ein Teil der Verluste wurde wieder wett­gemacht. Auch wenn das Jahresergebnis 2018 (die vollständigen Zahlen werden am 12. März publiziert) wegen zum Teil schwieriger Marktbedingungen nicht berauschend ausfallen werden, bleibt Geberit ein gesundes und hoch rentables Unternehmen, das dem Anleger viel Qualität bietet. Die Aktien sind auf dem aktuellen Kursniveau attraktiv bewertet. Die Topqualität bleibt bestehen und zahlt sich langfristig aus. Ich bleibe dabei: Kaufen

Übernahmevorschlag

«Spekulativ kaufen», schrieb ich an dieser Stelle Ende November über Panalpina, bei Kursen von fast 140 Franken. Damals wurde bekannt, dass Verwaltungsratspräsident Peter Ulber seinen Rücktritt angekündigt hatte und so eine Forderung der unzufriedenen Aktionäre Artisan und Cevian erfüllt worden war. Sie hatten Ulber als Bremsklotz angesehen. Gleichzeitig nahm der Druck zu konsolidieren immer stärker zu. Als potenzielle Käufer wurden am Markt schon seit längerem Kühne + Nagel sowie DSV genannt. DSV hat schnell gehandelt und tritt mit einem unverbindlichen Übernahmevorschlag an Panalpina heran, mit einem Wert von rund 4 Milliarden Franken. Das freut alle, die Ende November die Aktien gekauft haben. Aktuell ergibt sich ein Kursgewinn von 25 Prozent, und das innerhalb weniger Wochen. Ich rate Privatan­legern, den Gewinn zu realisieren. Möglich, dass ein Übernahmekampf, etwa durch einen «weissen Ritter» als neuen Bieter, die Kurse nochmals steigen lässt. Das würde ich den Profis überlassen und den Gewinn realisieren. Verkaufen

Führende Rolle

Würden Sie sich an einem Unternehmen beteiligen, das einen nicht zu vernachlässigenden Anteil des Geschäfts in der Ukraine betreibt? Aus dem Bauch heraus wohl eher nicht. Aber es gibt Gründe, das im Einzelfall anders zu sehen. Etwa bei Vetropack, dem sechstgrössten Hersteller von Verpackungsglas in Europa. Der Marktanteil beträgt immerhin 8 Prozent, was in dem zersplitterten Markt relevant ist. Glaswerke betreibt Vetropack in der Schweiz, in Österreich, Tschechien, Italien, Kroatien, der Slowakei und eben – in der Ukraine. Das schadet nicht. In seinen Heimmärkten spielt das Unternehmen eine führende Rolle. Gleichzeitig versucht es, die Präsenz in wich­tigen Exportmärkten zu stärken. Das sind im Prinzip die an die Standorte der Glaswerke angrenzenden Länder. Das Umfeld ist derzeit positiv, der Absatz folgt im Wesentlichen der Entwicklung des Bruttoinlandprodukts. Seit Herbst haben Vetropack-Aktien wie der Gesamtmarkt korrigiert. Sie liegen nun auf einem günstigen Niveau. Die Titel sind allerdings etwas markteng, der Börsenwert der sich beim Publikum befindenden Aktien beträgt nur gut 400 Millionen Franken. Daher sind sie nur als Beimischung im Depot geeignet. Dosiert kaufen

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