Libor- oder Festhypothek aufnehmen?

Wie geht es weiter mit den Hypozinsen? Mittel- bis langfristig ist mit einem Anstieg zu rechnen. Deutlich sinken werden die Zinsen sicher nicht mehr. Foto: Getty Images

Wir haben eine Eigentumswohnung mit einer Hypothek von 430’000 Franken – aufgeteilt in zwei Hypotheken: eine 10-jährige Festhypothek von 200’000 Franken mit Zinssatz 2,7 Prozent und einer Laufzeit bis 2021 und eine 5-jährige Festhypothek von 230’000 Franken mit Zinssatz 1,2 Prozent und einer Laufzeit bis 30. Januar 2019. Soll ich eine Libor-Hypothek oder wieder eine Festhypothek von 1 bis 4 Jahren zu 1,1 Prozent aufnehmen? P.S.

Beim Entscheid, ob Sie eine Libor-Hypothek oder eine Festhypothek wählen sollen, sind zwei verschiedene Aspekte wichtig: erstens Ihre Zinserwartung und zweitens Ihre Lebenssituation.

Bei den Zinsen ist mittel- bis langfristig mit einem Anstieg zu rechnen. Deutlich sinken werden sie sicher nicht mehr. Anders als in den USA, wo die Zinsen bereits deutlich in die Höhe geklettert sind, erwarte ich in der Schweiz kurzfristig aber keinen Anstieg.

Im laufenden Jahr dürften die Zinsen weiter tief bleiben. Der Handlungsspielraum der Schweizerischen Nationalbank ist meines Erachtens sehr eng. Solange die Europäische Zentralbank keine Zinserhöhung vollzieht, sind auch der SNB die Hände gebunden. In Europa sprechen die sich abschwächende Konjunktur, der Brexit – der Austritt Grossbritanniens aus der EU – und die Schuldenprobleme in Italien gegen eine baldige Zinsanhebung.

Die Lage in Europa ist eine ganz andere als in den USA. Wenn die SNB nur schon die Negativzinsen aufheben würde, käme es wohl zu einer deutlichen Aufwertung des Schweizer Frankens. Doch genau das will die Nationalbank mit allen Mitteln verhindern, da dies negative Auswirkungen für den Schweizer Export und den Tourismus hätte. Die Teuerung ist nach wie vor gering, sodass auch von dieser Seite kein unmittelbarer Handlungsbedarf für die Nationalbank besteht.

Das alles spricht für eine Liborhypothek. Eine solche gibt es je nach Ihrer Bonität bei vielen Banken weiter unter einem Prozent.

Mitberücksichtigen sollten Sie aber auch Ihre eigene Lebenssituation. Wenn Sie hohen Wert auf Sicherheit und Berechenbarkeit legen, ist für Sie eine Festhypothek möglicherweise sinnvoller. Diese gibt Ihnen die Sicherheit, dass im gewählten Zeitrahmen die Zinsen nicht steigen und Sie Ihre Ausgaben für Ihre Eigentumswohnung fix planen können.

Wenn man allerdings seine Eigentumswohnung oder sein Einfamilienhaus aufgrund einer veränderten Lebenssituation plötzlich verkaufen muss – etwa aufgrund einer Scheidung –, erweist sich eine Festhypothek meist als ein Nachteil. Denn man ist dann an die fixe Laufzeit gebunden, und längst nicht jeder Käufer ist bereit, eine Festhypothek zu übernehmen.

Wenn Sie nicht mit einer veränderten Lebenssituation rechnen und Sicherheit bevorzugen, bekommen Sie eine Festhypothek derzeit nach wie vor zu günstigen Konditionen. Doch dann würde ich nicht eine zweijährige, sondern wenigstens eine fünfjährige Laufzeit wählen.

7 Kommentare zu «Libor- oder Festhypothek aufnehmen?»

  • Thomas Sokolov sagt:

    Festhypotheken bleiben zu teuer. Mit einer Festhypothek wettet man gegen den Markt. Diese Wette gewinnt man nur, wenn die Zinsen stärker steigen, als es der Markt erwartet. In den letzten Jahrzehnten war das nie der Fall. Geldmarkt-Hypotheken waren immer günstiger. Darum „alles“ in den Libor, die Zinsen werden in den nächsten Jahren definitiv nicht steigen.

  • Tom Volker sagt:

    Festhypotheken lohnen sich nicht, weil Banken trotz der Negativzinsen mit einer fiktiven Zinskurve von mindestens null Prozent plus Kreditmarge rechnen. Dies deshalb, weil sie die Spargelder zu null Prozent verzinsen.
    Doch die effektiven Interbanksätze sind bis zu 0,75 Prozent im Minus. Das bedeutet, dass Festhypotheken bis zu 0,75 Prozentpunkte zu teuer sind. Erst wenn die Interbanksätze wieder positiv sind, können Festhypotheken wieder spürbar teurer werden. Das dürfte noch viele Jahre nicht der Fall sein. Ein Blick auf die Entwicklung der Interbanksätze (SWAP) zeigt: Die Marktteilnehmer erwarten, dass die Zinsen erst ab 2040 wieder über null Prozent steigen könnten.

  • Carmen Haag sagt:

    Langlaufende Festhypothek: Das Märchen mit den steigenden Zinsen.
    Sie werden praktisch nie einen Berater einer Bank finden, der Ihnen sinkende Zinsen prognostiziert. Meistens sagten die Banken in der Vergangenheit steigende Zinsen voraus und lagen damit auch meistens falsch.
    Überlegen Sie sich folgendes: Würde Ihnen Ihre Bank heute eine 10jährige Festhypothek zu einem sehr tiefen Zins geben, wenn sie stark steigende Zinsen erwarten würde? Nein. Die Bank muss sich ja refinanzieren. Das bedeutet, dass wenn Sie Ihnen einen Kredit gibt, es einen Sparer geben muss, der seinerseits Geld bei der Bank anlegt. Die Bank verdient Geld, indem Sie Geld teurer ausleiht als sie es selbst verzinst.

  • Anna Mayer sagt:

    Bei der vorzeitigen Auflösung einer Festhypothek können Kosten von mehreren zehntausend Franken anfallen. Anders als bei der Kreditvergabe wollen Banken in so einem Fall nichts mehr von ihrer Nullgrenze wissen. Denn sie müssen den zurückgezahlten Kredit für den Rest der Laufzeit zu einem negativen Zins am Kapitalmarkt anlegen. Das ist stossend Kunden werden entweder bei der Vergabe oder bei der Auflösung von Festhypotheken unfair behandelt.

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