Besser abwarten als investieren

Schlechtes Börsenjahr: Im schwierigen Anlagejahr 2018 hat man nicht nur mit den meisten Aktien Verluste eingefahren, sondern auch mit vielen Obligationen. Foto: iStock

Mehrmals haben Sie aus Sicherheitsgründen empfohlen, weniger Bargeld, dafür mehr Wertschriften zu halten. Gibt es denn Wertschriften, bei denen zurzeit kein Verlust entsteht? Mein Anlagehorizont ist altersbedingt beschränkt. Was empfehlen Sie? R.S.

Wenn man Wertschriften hält, hat man definitiv nicht das Ziel, Verluste einzufahren, sondern man will eine Rendite erwirtschaften. Sonst macht eine Anlage keinen Sinn. In der Regel geht das auch gut auf: Mit Obligationen machen Sie zwar weniger Ertrag, dafür haben Sie geringere Schwankungen, und mit Aktien haben Sie deutlich höhere Ertragschancen, dafür aber auch weit stärkere Schwankungen.

Momentan scheint diese Regel allerdings nicht mehr aufzugehen: Denn im schwierigen Anlagejahr 2018 hat man nicht nur mit den meisten Aktien Verluste eingefahren, sondern auch mit vielen Obligationen.

Der Grund sind die Zinsen. Die rekordtiefen Zinsen und Negativzinsen in der Schweiz führen dazu, dass man auf sehr sicheren Obligationen wie den Anleihen der Eidgenossenschaft nichts mehr verdient, sondern Geld verliert und auch mit vielen Unternehmensanleihen in Schweizer Franken kaum vorwärtsmacht. Wenn man dann noch die Bankgebühren mitberücksichtigt, bewegt man sich auch im Minus.

Gleichzeitig haben die steigenden Zinsen in den USA dazu geführt, dass die Kurse bei einigen Obligationen zurückgekommen sind. Sobald generell das Zinsniveau anzieht, drückt dies bei den bestehenden Anleihen auf die Kurse. Auch das hat dazu geführt, dass man selbst mit vielen konservativen Obligationen und Obligationenfonds nicht nur nichts oder nur sehr wenig verdient hat, sondern noch zusätzlich auf Buchverlusten sitzt.

Üblicherweise gilt an der Börse die Regel, dass Obligationen raufgehen, wenn die Aktien runtergehen und die Anleihen nachlassen, wenn die Aktien boomen. Im Anlagejahr 2018 hatten wir die seltene Situation, dass praktisch alle wichtigen Anlageklassen wie Aktien, Anleihen, Rohstoffe und teilweise auch Immobilien eine negative Performance aufwiesen. Die Diversifikation, die für die Verwaltung eines Vermögens und den Risikoschutz sehr wichtig ist, hat also nicht sehr viel geholfen. Immerhin hat sie für viele das Ausmass der Buchverluste eingeschränkt.

Natürlich gibt es auch zurzeit Wertschriften, mit denen Sie Gewinne machen. Das Problem ist aber, dass Sie dafür keine Garantie haben und die Risiken tragen müssen. Da Sie mir schreiben, dass Sie altersbedingt keinen langen Anlagehorizont haben, rate ich Ihnen von Aktienanlagen ab. Doch auch mit Engagements bei Anleihen müssen Sie sich angesichts der Zinssituation momentan nicht beeilen.

Wenn Sie Wert auf sehr hohe Sicherheit legen und möglichst keine Schwankungen möchten, können Sie Ihr Geld noch etwas länger auf dem Konto liegen lassen, bis sich die vielen Unsicherheit rund um den Brexit und den Handelsstreit zwischen den USA und China und die Zinssituation etwas klärt.

Wichtig ist allerdings, dass Sie nicht alles Geld nur bei einer Bank haben, sondern es auf mehrere sichere Institute verteilen. Wenn sich bis im Frühling die verschiedenen Unsicherheitsfaktoren aufgehellt haben, können Sie immer noch einen Teil ihrer liquiden Mittel in Wertschriften investieren. Kurzfristig dürfte es sich für Sie lohnen, einfach mal abzuwarten.

7 Kommentare zu «Besser abwarten als investieren»

  • John Meier sagt:

    Sehr gute Empfehlung!

  • Anh Toàn sagt:

    „Wenn sich bis im Frühling die verschiedenen Unsicherheitsfaktoren aufgehellt haben, können Sie immer noch einen Teil ihrer liquiden Mittel in Wertschriften investieren.“

    „Aktien kaufen, wenn die Kanonen donnern“ riet Kostolani, „sell in may and go away“ rät eine der bekanntesten Börsenweisheiten, die ich nicht auf den Kalender, sondern auf die dem Mai zugesagte Wonnestimmung beziehe:

    Haben sich die Unsicherheitsfaktoren aufgehellt, sind die Akten schon längst gestiegen, denn an der Börse wird nicht die Realität sondern Erwartungen gehandelt.

    Ich rate nicht, gerade jetzt „all in“ zu gehen, aber wer strategisch Aktien besitzen will, und jetzt noch keine hat, sollte mit kaufen beginnen. (10 jährige US Oblis haben den schon)

    • Anh Toàn sagt:

      Vor kurzem (08.09.18) wurde hier amazon bei USD 2’000 zum Kauf empfohlen, „an Amazon kommt niemand vorbei“ und jetzt, 25% billiger, wird vom Kauf abgeraten.

      • Paul Kellenberger sagt:

        „Da Sie mir schreiben, dass Sie altersbedingt keinen langen Anlagehorizont haben, rate ich Ihnen von Aktienanlagen ab“
        @ Anh Toàn: Herr Spieler rät altersbedingt von Aktienanlagen ab.

      • Anh Toàn sagt:

        Wer eine Restlebenserwartung von weniger als 7 Jahren hat, braucht keine Erträge aufs Vermögen, viel wird es ohnehin nicht werden: „Gehen Sie spazieren, treffen ihre Urgrosskinder und Grosskinder und freuen Sie sich, dass noch etwas auf dem Konto ist, viel mehr wird es ohnehin nicht mehr werden vor dem Tod: Das wäre mein Rat.

        heute neigen berater dazu, 75 Jährigen wegen dem Alter von Aktien abzuraten. Aber warum sollte man mit 75 nicht darauf hoffen, 85 oder 95 zu werden, also durchaus noch einen langen Horizont (für einen kleineren Teil des Vermögens) zu haben. Stirbt man deutlich früher, tun allfällige Verluste auch nicht weh.

  • Anh Toàn sagt:

    Ich glaube auch nicht, dass err Spieler glaubt, wenn sich im Frühling die erwähnten Unsicherheitsfaktoren aufgehellt haben, werde es wesentliche Zinsen auf sichere CHF Anlagen geben.

    Vielleicht im Frühling in zwei Jahren, gibt es ein Prozent mehr, aber dann ist der Beratene mit dem altersmässig kurzen Horizont ja schon tot: Wie wir alle auf lange Frist.

  • Thomas sagt:

    Ist es belustigend oder betrüblich, hier exemplarisch zu lesen, wie sich die Leute mit ihren Luxusproblemchen das Hirn zermartern, um ihr Vermögen auf Kosten anderer zu vermehren?
    Wie konnte der bodenständige Eidgenosse zur selbstverständlichen Ansicht gelangen, das aus Geld leistungslos (!!!) noch mehr Geld entstehen soll?
    Seid ihr alle Linke oder glaubt ihr an den „Goldesel“ und „Tischlein deck dich“?
    Unter „erwirtschaften“ verstehe ich harte Arbeit und nicht die Blenderei des ausufernden, widerlichen Casinogewerbes, das sich einzig die Gier ihrer Kundschaft zu Nutze macht.

Kommentar

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Die benötigten Felder sind mit * markiert.

800 Zeichen übrig

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.