Georg Fischer wird solider und attraktiver

Georg Fischer: Die Industriegruppe verkauft zwei ertragsschwache Eisengiessereien in Deutschland mit zusammen 620 Millionen Franken Umsatz.

Georg Fischer wird kleiner, aber feiner. Die Industriegruppe trennt sich von 15 Prozent des letztjäh­rigen Umsatzes resp. von 40 Prozent des Verkaufserlöses der Division GF Casting Solutions (früher GF Automotive). Verkauft werden zwei ertragsschwache Eisengiessereien in Deutschland mit zusammen 620 Millionen Franken Umsatz. Übernommen werden sie von drei Führungskräften der Giessereidivision von Georg Fischer. Ein Preis wird nicht genannt. Die Transaktion hat mich zwar überrascht, passt aber perfekt zur Strategie, die u. a. auf ein höherwer­tiges und konjunktur­resistenteres Geschäft zielt. Aus Anlegersicht ist das positiv. Obwohl der Verkauf viel Umsatz kostet, soll er gewinnneutral sein. Die Profitabilität steigt. Dementsprechend wurde das Margenziel der Strategie 2020 von 8 bis 9 Prozent auf 9 bis 10 Prozent erhöht. Durch die Gewichtsverschiebung zwischen den drei Konzerndivisionen – aber auch innerhalb von GF Casting Solutions selbst – sinkt zudem die Konjunkturanfälligkeit. Höhere Grundprofitabilität plus mehr Konjunkturresistenz gleich höhere Bewertung. Im geprügelten Aktienkurs spiegelt sich das noch nicht: Kaufen

Rekordumsatz

Das Elektrotechnikunternehmen Schaffner ist ausgezeichnet unterwegs. Im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr 2017/18 erzielte Schaffner einen Rekordumsatz, und die Profitabilität lässt sich sehen. Der Betriebsgewinn verdoppelte sich, die Marge betrug 7,7 Prozent. Das Unternehmen profitierte davon, dass die Kernmärkte für Produkte für effiziente Antriebssysteme (+27 Prozent) und für Bahntechnik (+30 Prozent) sehr dynamisch wuchsen. Bekannt ist das Unternehmen vor ­allem für seine Filter für die elektromagnetische Verträglichkeit. Sie sorgen etwa dafür, dass das Autoradio nicht zu rauschen beginnt, wenn der Fahrzeugmotor gestartet wird. Mit diesen Filtern ist Schaffner Weltmarktführer. Probleme hat das Unternehmen noch mit der Division Power Magnetics. Die Restrukturierung macht aber gemäss Unternehmenschef Marc Aeschlimann «grosse Fortschritte», sodass nächstes Jahr die Gewinnschwelle erreicht werden soll. Risikofähige Anleger wetten auf den Turnaround. Der Einstiegszeitpunkt ist ideal, nachdem die Aktien dieses Jahr 15 Prozent verloren haben. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2019 von 13 sind die Titel denn auch günstig bewertet. Die Dividendenrendite beträgt 2,5 Prozent. Kaufen

50 Prozent unter dem Jahreshoch

Aufräumen und reinigen. Wenn das in einem Unternehmen passiert, vor allem durch einen neuen Chef, stelle ich mir die Frage, ob das der richtige Zeitpunkt für ein Investment ist. Denn in einer solchen Phase häufen sich meist schlechte Nachrichten, der Aktienkurs leidet, und die Erwartungen des Marktes sind auf einem Tiefpunkt, was eine gute Basis für Erfolg und steigende Kurse darstellt. Doch das ist nicht immer so. Daher meide ich jetzt auch die Aktien von Implenia, die allein in der letzten Woche ein Drittel an Wert verloren haben und nun rund 50 Prozent unter dem Jahreshoch notieren. Grund ist, dass der Baukonzern im internationalen Geschäft mit Schwerpunkt Norwegen hohe Wertberichtigungen vornimmt. Dies im Zuge einer Überprüfung, die der seit Oktober amtierende Chef André Wyss vorgenommen hat. Er bekam gemäss eigener Darstellung den Eindruck, dass sich die Probleme im Segment International beschleunigt hatten. Ich glaube nicht, dass er Implenia übertrieben schlechtredet, um einfacher Erfolge zu erzielen, sondern dass die Probleme tief sitzen und nicht schnell aus der Welt zu schaffen sind. Meiden

Unerwarteter Abgang

Orell Füssli meldete vergangene Woche einen Wechsel an der Unternehmensspitze: Chef Martin Buyle wird die Handels- und Industriegesellschaft per Ende September 2019 nach fünf Jahren verlassen. Der Abgang kommt unerwartet, denn Orell Füssli befindet sich mitten in einer Transformation. Die defizitäre Tochter Atlantic Zeiser wird auf Druck von Investoren teilweise verkauft. Nach der Veräusserung soll sie rentabel sein. Gleichzeitig muss Orell Füssli die aus­laufenden Grossaufträge von zwei Notenbanken, eine davon ist die Schweizerische Nationalbank, ersetzen. Ein Umsatzrückgang ist wahrscheinlich, sobald die Emission der Banknotenserien der SNB 2019 abgeschlossen sein wird. Neue Aufträge dürften weniger hohe Margen bringen. Schliesslich kämpft das Unternehmen im Buchhandel mit dem strukturellen Wandel. Angesichts der Baustellen ist nicht klar, wie das Unternehmen in den kommenden Jahren Umsatz- und Gewinnwachstum erwirtschaften kann. Meiden

2 Kommentare zu «Georg Fischer wird solider und attraktiver»

  • erich schweizer sagt:

    Die Empfehlungen bei Implenia und Orell Füssli kommen zwei Wochen zu spät.
    Jetzt ist es einfach zu schreiben man solle diese Aktien meiden. Ja es ist sogar ein falscher Rat bei diesen tiefen Kursen.
    Implenia wird mit Sicherheit in ca zwei Jahren wieder mindestens bei 50 stehen und auch der Kurs von Orell Füssli könnte vor der Dividende im April ziemlich steigen.

  • kurt frei sagt:

    Mit diesen Empfehlungen ist es ähnlich wie mit den Wettervorhersagen. Man setzt eine wortreiche Bandbreite Aufhellungen mit möglichen Schauern, regionlae Windböen nicht ausgeschlossen. Damit wird eine Vorhersage mit grosser Bandbreite abgesteckt denn Sonne ist möglich, es könnte auch etwas regenen und wer weiss vielleicht wirds zeitweise auch etwas stürmisch.
    Zum Glück ist heute Sonntag und die Börsen geschlossen. Den morgen Montag sieht alles vielleicht wieder ganz anders aus.

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