Warum Gold keine Rendite, aber viel Sicherheit bringt

Erfahrungswerte zeigen: In den letzten fünf Jahren bewegte sich der Kilopreis für das gelbe Metall in einer Preisspanne zwischen rund 33’000 und 43’000 Franken. Foto: Keystone

Ich verfüge zurzeit über Liquidität. Würden Sie Gold kaufen? Ich dachte immer, bei einem Preis von unter 40’000 Franken pro Kilo Gold könne nichts passieren. Liege ich falsch? S.L.

Leider liegen Sie in der Tat falsch. Es gibt keine Preisgrenze, bei der Sie mit Bestimmtheit sagen können, dass es mit den Goldnotierungen nicht noch weiter runtergeht und Ihnen, wie Sie es ausdrücken, «nichts passieren» kann. Genau so gibt es auch keine Limite nach oben.

Wie bei allen anderen Wertsachen und Wertschriften spielt der freie Markt. Insbesondere beobachten wir auch beim Gold immer wieder, dass es zu Preisübertreibungen nach unten und oben kommt. Getrieben sind diese oft durch spekulative Investoren, die sich entsprechend positioniert haben. Ein eigentlicher Substanzwert, der dann die fixe Grenze nach unten bilden würde, besteht beim Gold nicht.

Immerhin gibt es aber Erfahrungswerte: Diese erkennen Sie, wenn Sie die Preisentwicklung des Goldes in den letzten 20 Jahren analysieren. Dabei stellen Sie schnell fest, dass sich der Kilopreis für das gelbe Metall in den letzten fünf Jahren in einer Preisspanne zwischen rund 33’000 und 43’000 Franken bewegte. So gesehen erscheint dann der aktuelle Preis als interessant.

Vor der Finanzkrise, die zu einem Boom beim Gold führte, wurden allerdings Werte von rund 27’000 Franken je Kilo Gold erreicht. Auch aus Sicht der Erfahrungswerte, die aber nie zwingend in die Zukunft übertragen werden können, sind auch künftig durchaus weit tiefere Notierungen als heute möglich.

Interessant beim Gold ist, dass es trotz breiter Verunsicherung bei den Investoren aufgrund des internationalen Handelskrieges, der gestiegen Verschuldung, des bevorstehenden Austritts von Grossbritannien aus der EU, der politischen Turbulenzen rund um die Präsidentschaft von Donald Trump und geopolitischen Risiken etwa in der Türkei und den Währungsabstürzen in den Schwellenländern bisher noch nicht zu einer starken Flucht in das gelbe Metall gekommen ist.

Vielmehr flüchten die Anleger in den sicheren Hafen des Schweizer Frankens und teilweise in den Dollar, der von den steigenden Zinsen in den USA profitiert. Die starke Konjunktur in den USA und das nach wie vor positive Wirtschaftswachstum in Europa und Asien dämpfen die Verunsicherung an den Märkten.

Gold ist eine Krisenwährung. Damit die Goldkurse auf breiter Basis anziehen, müsste es wohl zu geopolitischen Verwerfungen oder einer neuen Finanzkrise kommen. Beides ist durchaus möglich. Angesichts der langen Phase des spotbilligen Geldes und der weiter angestiegenen Schuldenberge in vielen Ländern und bei Unternehmen und Privaten ist es meines Erachtens nur eine Frage der Zeit, dass es an den internationalen Finanzmärkten erneut zu einem Absturz kommt.

Wann dieser erfolgt und welches dann die Auslöser sind, weiss ich auch nicht. Jedenfalls ist es durchaus sinnvoll, im Sinne der Diversifikation neben anderen Anlageklassen wie Aktien, Anleihen und Immobilien auch auf Gold zu setzen und sich so gegen Finanzkrisen etwas abzusichern.

Gold bringt zwar keine Rendite, ist aber eine sinnvolle Versicherung für den Fall, dass die Märkte wie nach 2008 wieder in den Krisenmodus schalten.

Weshalb Gold eine emotionale Währung ist. Martin Spieler beantwortet in der Videoserie «Geldtipp» Finanzfragen von Abonnentinnen und Abonnenten.