Bei Klingelnberg greifen die Zahnräder ineinander

Klingelnberg in Zürich: Im ersten Geschäftshalbjahr ist der Umsatz auf 99 Millionen Euro gestiegen. Foto: Melanie Duchene/Keystone

Zum ersten Mal seit Börsengang hat der Zahnradmaschinenbauer Klingelnberg über seinen Geschäftsgang orientiert. Im ersten Geschäftshalbjahr per Ende September ist der Umsatz um knapp 30 Prozent auf 99 Millionen Euro gestiegen, das Betriebsergebnis blieb mit einem Verlust von 4,7 (Vorjahr 5,5) Millionen Euro in der Verlustzone. Ein rotes erstes Halbjahr ist die Regel bei Klingelnberg, weil in dieser Periode jeweils viel weniger Umsatz anfällt als im Winterhalbjahr. Insgesamt läuft es aber rund. Im Gesamtjahr will Klingelnberg, wie anlässlich des IPO versprochen und jetzt bekräftigt, 5 bis 9 Prozent mehr Umsatz und einen rund 30 Prozent höheren Betriebsgewinn erreichen. Dass der Aktienkurs nach dem Börsengang dramatisch korrigiert hat, liegt meiner Meinung nach weniger an Klingelnbergs Geschäftsgang als vielmehr daran, dass die Börsianer Industrieaktien heute viel reservierter beurteilen als im Juni. Nach der günstigen Kursreaktion auf die Veröffentlichung der Halbjahreszahlen sind weitere Avancen wahrscheinlich. Kaufen

Nur noch ein Schatten ihrer selbst

Ascom hat am jüngsten Investorentag in Zürich viel Optimismus versprüht: Neue Handys und eine Softwareplattform für den Spitalbereich stehen zur Auslieferung bereit. Und in den USA, Ascoms wichtigstem Markt, ist offenbar die Trendwende gelungen. «Wir sind zurück im Spiel», sagte Konzernchef Holger Cordes am Anlass, der angesichts von Grösse und Bedeutung des Unternehmens (rund 300 Millionen Franken Umsatz) viel zu gut besucht war. Denn die heutige Ascom ist nur noch ein Schatten ihrer selbst: In den vergangenen 25 Jahre hat die Firma rund 90 Prozent des Umsatzes und der Belegschaft verloren. Ascom hat immer wieder enttäuscht, auch in jüngster Vergangenheit. Der Aktienkurs ist in diesem Jahr um mehr als 40 Prozent getaucht. Analysten erwarten, dass auch die mittelfristigen Ziele bis 2020 schon bald nach unten angepasst werden müssen. Da warte ich lieber ab, bis Ascom nächstes Jahr solide Zahlen liefern kann. Womöglich muss ich dann zu einem höheren Kurs kaufen. Aber das ist zu verkraften, denn die Aktien haben Potenzial, sollte Ascom endlich in eine längere Wachstumsphase treten. Meiden

Konkurrent wächst schneller

Der Personalvermittler Adecco hat für das dritte Jahresquartal höhere Gewinnzahlen ausgewiesen als die Analystengemeinde erwartet hatte. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Wachstumstrend nach unten weist: Die Konjunktur in Europa schwächt sich ab. Das bekommt der in einem zyklischen Geschäft tätige Konzern zu spüren. Seit dem Hoch im Schlussquartal 2017, als er den Umsatz organisch um 7 Prozent steigerte, hat sich das Wachstum sukzessive verlangsamt, bis auf 1 Prozent in den Monaten September und Oktober. Adecco war für lange Zeit die Branchennummer eins. Ärgerlich ist zudem, dass der niederländische Konkurrent Randstad weiterhin etwas rascher wächst und neu für sich beansprucht, «der globale Marktführer für Personaldienstleistungen» zu sein. Nach einem Wertverlust von einem Drittel im laufenden Jahr scheinen die Adecco-Aktien zwar günstig zu sein. Dennoch lasse ich davon die Finger. Wenn die Konjunktur beginnt, sich abzuschwächen, und das Umsatzwachstum zurückgeht, sind die zyklischen Titel nicht zu empfehlen. Verkaufen

Das Vertrauen ist weg

Ebenfalls günstig scheinen mir die Aktien der Deutschen Bank. Allein dieses Jahr haben die Titel über 40 Prozent an Wert verloren. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis von 0,3 bedeutet, dass das Eigenkapital der Bank mit einem Abschlag von 70 Prozent gekauft werden kann. Ich bleibe trotzdem vorsichtig. Das Unternehmen hat das Vertrauen der Anleger weitgehend verspielt. Erstaunt hat mich dann doch, dass die Deutsche Bank im Stresstest des europäischen Regulators in einem negativen Marktumfeld besser abgeschnitten hat als mancher Konkurrent. Vielleicht sind es die ersten Anzeichen einer Stabilisierung. Immerhin hat das Ergebnis des dritten Quartals die Erwartungen der Analysten übertroffen. Zum ersten Mal seit 2014 rechnet die Bank für dieses Jahr mit einem Gewinn. Dass das Institut das Schlimmste hinter sich hat, glaubt auch der Hedgefonds Hudson Executive Capital. Die New Yorker meldeten Anfang November, dass sie einen Anteil von 3,1 Prozent am deutschen Branchenprimus halten. Ich will zuerst sehen, dass die Wende tatsächlich geschafft ist. Meiden

Zunahme des Billigtourismus

Dufry kommt nicht auf Touren. Im dritten Quartal hat sich das Wachstum des Reisedetailhändlers verlangsamt. Das organische Umsatzplus lag mit lediglich 3,1 Prozent in den ersten neun Monaten 2018 unter den bereits niedrigen Erwartungen. Das verunsicherte die Anleger. Die Gründe für die Skepsis sind berechtigt. In Spanien kämpft Dufry mit einer Zunahme des Billigtourismus. Zwar seien im Sommer gleich ­viele Touristen wie im Vorjahr verzeichnet worden, der Ertrag pro Passagier sei aber zurückgegangen. In Brasilien und Argentinien, wo das Unternehmen rund jeden zwölften Franken erwirtschaftet, lastet die starke Abwertung der Lokalwährungen auf der Kaufkraft der Kunden. Die Probleme überschatten aber, dass Dufry auch Fortschritte gemacht hat. Dank operativer Verbesserungen ist es dem Unternehmen gelungen, die Profitabilität erneut zu steigern. Erfreulich entwickelte sich auch der Mittelzufluss. Dank des grösseren finanziellen Spielraums konnte die Verschuldung weiter gesenkt werden. Vor diesem Hintergrund bin ich überzeugt, dass die Aktien zu stark abgestraft wurden. Kaufen

3 Kommentare zu «Bei Klingelnberg greifen die Zahnräder ineinander»

  • erich schweizer sagt:

    Dufry ist sicher ein Kauf bei dieser tiefen Bewertung.
    Adecco ist auch ein Kauf, da hat sich der Marktschreiber ziemlich vertan.
    Bei momentan nur rund 50 Franken und bei ca 5 Prozent Dividende hat man kaum Risiken.
    Deutsche Bank wird sich wieder erholen auch wenn es noch ein wenig dauern kann. Wobei es durchaus zu einer Uebernahme kommen könnte bei dieser tiefen Bewertung.

  • Stephan Fehlmann sagt:

    Was soll man denn bitte noch von all diesen Empfehlungen halten,wenn sie rückwirkend fast durchs Band falsch waren? Hätte man stets das Gegenteil gemacht, was der Marktschreiber empfohlen hat, läge man mehr richtig als falsch . Oder auf gut Deutsch, selbst die Horoskope oder die Sterne sind treffsicherer, obwohl sie meist zu 110 % falsch liegen. Auch die meisten Aktienempfehlungen von den „Experten“ in den Finanzrubriken für 2018 , waren bis jetzt vorallem eines……Schall und Rauch, Bauchgefühl hin oder her!

  • Carlos Klugh sagt:

    @Stephan Fehlmann,

    es sind halt Empfehlungen und es bleibt jedermann/-frau selbst überlassen diesen zu folgen.
    Ich freue mich jeden Sonntag auf diesen Blog, weil ich es sehr interessant finde,mit welchen Begründungen die verschiedenen Empfehlungen unterlegt werden.
    Eigene Gedanken, Recherchen etc. haben noch nie geschadet.
    Es sind halt Empfehlungen, denen ich folgen kann, nicht muss.
    Ich habe meine Freude beim Lesen und hoffe noch lange auf diesen anregenden „Sonntagsblog“, denn ich finde ihn einfach sehr interessant.

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