Warum CH-Börsenstars unter Druck stehen

Gefragte Hochleistungspolymere von Ems-Chemie: Doch die Firmenleitung selbst warnt vor den möglichen Folgen der globalen Konjunktur. Langfristig bleiben die Perspektiven trotzdem gut. Foto:pd

Ich habe VAT-Aktien und Ems-Aktien. Nun bin ich mir nicht mehr sicher, ob ich diese Titel behalten soll. Ich glaube zwar an beide Unternehmen und bin überzeugt, dass sich die Kurse erholen werden. Und ich kann auch warten, da ich das Geld kurzfristig nicht brauche. Trotzdem hätte ich gerne Ihre Einschätzung zur Lage. Sehen Sie eine mittelfristige Kurserholung? K.K.

Die Ems-Chemie ist stark der Weltkonjunktur ausgesetzt. Sollte es im Zuge des internationalen Handelsstreits zwischen den USA und China zu einer Abschwächung der globalen Wirtschaft kommen, würde dies in den Zahlen des auf Polymere und Spezialchemikalien spezialisierten Unternehmens negative Spuren hinterlassen.

Aus meiner Sicht müssen Sie durchaus damit rechnen. Denn zusätzlich zum Handelskonflikt zwischen den Supermächten gibt es momentan eine Vielzahl von Unsicherheitsfaktoren, sowohl für die Weltkonjunktur als auch für die Börsen. Dazu zählen auch die gefährliche Schuldensituation in Italien und der im März des nächsten Jahres bevorstehende Brexit sowie schwer voraussagbare geopolitische Ereignisse.

In den ersten Monaten hat die Ems zwar weiter gut gearbeitet und erfreuliche Zahlen präsentiert. Der Umsatz nahm um rund 11 Prozent auf 1,77 Milliarden Franken zu. Doch die Firmenleitung selbst warnt vor den Folgen der globalen Konjunktur und vor Engpässen bei den für die Firma wichtigen Rohstoffen. Ems spricht da sogar von einem Versorgungsnotstand. Insbesondere bei den Umsätzen aus der Autoindustrie, die rund 60 Prozent für Ems ausmachen, dürfte sich der Handelsstreit künftig negativ auswirken.

Persönlich bin ich überzeugt, dass Ems langfristig gute Perspektiven hat und gut geführt ist. Kurzfristig könnte der Kurs aber weiter tauchen. Wenn Sie von der Strategie und dem Management überzeugt sind, würde ich die Titel nicht abstossen. Ems ist meines Erachtens eine Aktie, die sich gut für eine Langfristanlage eignet. Allerdings müssen Sie die vermehrten Kurstaucher aushalten können.

Die VAT, die während einiger Zeit ein Börsenstar war und den Anlegern nach dem Börsengang zunächst viel Freude gemacht hatte, ist auf dem Boden der Realität angekommen. Der Vakuumventil-Hersteller hat im dritten Quartal vor allem mit einem schwachen Auftragseingang schwer enttäuscht. Dieser tauchte um über einen Viertel auf rund 133 Millionen Franken.

Nachdem VAT schon im August die Ziele senken musste, wurde der Ausblick nach den 3. Quartalszahlen erneut nach unten korrigiert. Kein Wunder, sind die Aktien in den Keller gegangen. Zwar wird versucht, mittels Kurzarbeit die Kosten zu senken. Das Management hat allerdings signalisiert, dass es auch bis Ende Jahr keine merkliche Erholung erwartet.

Vor diesem Hintergrund rechne ich auch bei den VAT-Aktien vorderhand nicht mit einer Kurserholung. Im Gegenteil: Sollten sich die operativen Zahlen der VAT noch weiter eintrüben, was ich angesichts der sinkenden Nachfrage für möglich halte, müssen Sie bei VAT noch mit einem weiteren Kursrückgang rechnen, zumal auch das gesamte Börsenumfeld in den nächsten Monaten höchst volatil bleiben wird.

2 Kommentare zu «Warum CH-Börsenstars unter Druck stehen»

  • Anton Schneider sagt:

    Der Beitrag kann auf alle SMI-Titel (..und andere) angewandt werden. „Die Weltkonjunktur“ beeinflusst alle Unternehmen und die Mehrheit klar negativ. Dieser Beitrag ist für einmal keine Entscheidungshilfe.

    • Ralf Kannenberg sagt:

      So ist das. Es wird ein ehrlicher Ratschlag gegeben, der dem Anleger keine utopischen Gewinne vorgaukelt und der zwischen kurzfristigem und langfristigem Engagement unterscheidet und vor allem auch hervorhebt, dass der Aktienbesitzer kurzfristige Kurstaucher „aushalten“ können muss, d.h. dieses Geld nicht unerwarteterweise benötigt, auch wenn es mehrere davon geben wird.

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