Chinas Techaktien werden weiter wachsen

Trotz heftigen Schwankungen und Handelskrieg: An der Börse in Shanghai zweifelt niemand daran, dass den grossen chinesischen Techaktien die Zukunft gehören wird. Foto: Reuters

Ich habe in ein Tracker-Zertifikat von Vontobel investiert, das unter anderem an die Aktien von Alibaba, Baidu und Tencent gekoppelt ist. Der Kurs liegt mittlerweile weit unter meinem Kaufpreis. Soll ich warten, bis sich diese Titel erholt haben, oder gleich mit Verlust verkaufen? Für die nächsten paar Jahre benötige ich dieses Geld nicht. R.B.

Im Zuge der Herbstkorrektur an den internationalen Aktienmärkten sind auch die US-Techaktien brutal unter die Räder gekommen. Noch stärker korrigiert haben allerdings die chinesischen Techpapiere. Kein Wunder: Lange Zeit kannten diese Titel an der Börse fast nur eine Richtung: steil nach oben. Ebenso wie die US-Techaktien waren auch die chinesischen Techpapiere überteuert – und für eine Korrektur reif.

Die Frage ist in der Tat, wie es nun weitergeht. Nachdem die heftigen Börsengewitter vorderhand überstanden scheinen, bin ich für die chinesischen Techpapiere wieder zuversichtlicher. Wie rasch sie sich erholen, hängt aber stark vom internationalen Handelsstreit zwischen den USA und China ab. Denn der chinesische Techsektor ist stark von den Aufträgen aus den USA abhängig. Wenn die Bestellungen wegen der Strafzölle aus den USA abnehmen, wird das negative Spuren in den Ergebnissen vieler Techunternehmen im Reich der Mitte hinterlassen.

Zwar hat US-Präsident Trump in einem TV-Interview einen grossartigen Deal mit China angekündigt. Ich zweifle aber, dass eine rasche Lösung so locker möglich sein wird. Wenn der Handelsstreit beigelegt würde, darf man auch bei den chinesischen Techpapieren mit einer starken Erholung rechnen.

Doch da würde ich mich nicht zu früh freuen. Wenn der Handelsstreit eskaliert, müssten Sie sogar mit noch tieferen Kursen rechnen. Trotzdem bleibe ich langfristig insbesondere für die drei chinesischen Techstars Alibaba, Tencent und Baidu optimistisch. Nirgendwo wachsen der Onlinehandel und die Geschäfte mit dem Smartphone und dem Internet so rasant wie in China.

Das Reich der Mitte ist ein digitaler Milliardenmarkt, und die drei Unternehmen sind in der Pole-Position, um an diesem Wachstum weiter zu partizipieren. Besonders interessant finde ich Tencent: Die Firma ist das Pendant zu Facebook – meines Erachtens aber attraktiver. Mit der App WeChat erreicht Tencent bald eine Milliarde Nutzer.

Doch Tencent ist auch in zahlreichen anderen Geschäftsbereichen aktiv und erfolgreich. Schon heute ist Tencent das grösste Internetunternehmen Chinas und macht nicht nur mit Onlinewerbung, sondern auch mit Onlinespielen glänzende Geschäfte. Keine Messaging-App ist in China mehr genutzt als jene von Tencent. Und bereits ist Tencent daran, international zu expandieren.

Auch Amazon-Konkurrentin Alibaba drängt stark ins Ausland und macht dem US-Onlineriesen schon mächtig Konkurrenz. International die Fühler ausgestreckt hat auch das Google-Pendant Baidu: Die chinesische Suchmaschine ist etwa mit deutschen Autobauern eine Kooperation eingegangen, um das autonome Fahren voranzutreiben. Die Wachstumschancen bei diesen drei chinesischen Techstars sind für mich unbestritten.

Kurzfristig kann es bei den Titeln zu weiteren Rückschlägen kommen, da die Börsen derzeit völlig unberechenbar sind. Auf lange Sicht bin ich überzeugt, dass sich Tencent, Alibaba und Baidu nicht nur erholen, sondern weiter an Wert gewinnen werden.

Die Frage, die Sie sich stellen müssen, ist, ob Sie wirklich einen genügend langen Anlagehorizont von mehreren Jahren haben und mit den auch künftig starken Kursschwankungen bei den chinesischen Techaktien gut leben können. Wenn Sie mit den damit verbundenen Risiken umgehen können, würde ich das Zertifikat nicht verkaufen und auf eine Erholung der chinesischen Techstars setzen. Die Risiken allerdings bleiben hoch.

1 Kommentar zu «Chinas Techaktien werden weiter wachsen»

  • Claude Fontana sagt:

    Tencent investiert auch in Hollywood Produktionen. und wer in einem Chinesischen Internetcafe spielen will, braucht dort ein Tencent konto.
    Das sind stärkere Monopole als Google bei uns, oder Comcast in den USA.

Kommentar

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