Neue Novartis nimmt Gestalt an

Novartis-Hauptsitz in Basel: Der Pharmariese baut das Geschäft mit Krebsheilmitteln in Form von radioaktiven Substanzen aus. Foto: Urs Jaudas

Novartis hat ein Luxusproblem. Mit seinen finanziellen Möglichkeiten könnte der Pharmakonzern praktisch jedes mittelgrosse US-Biotech-Unternehmen kaufen, weiter werde eine Abspaltung von Alcon zusätzlichen Wert freisetzen, spätestens Anfang 2019. So urteilte ich vor einem halben Jahr und riet beim Kurs von 77 Franken zum Kauf. Seitdem haben sich die Aktien des Schweizer Schwergewichts still und heimlich mehr als 10 Prozent verteuert, während der Gesamtmarkt dahinsiecht. Nun meldet der Pharmariese die Akquisition der US-Gesellschaft Endocyte für 2 Milliarden Dollar und baut so das Geschäft mit Krebsheilmitteln in Form radioaktiver Substanzen aus. Die «neue» Novartis nimmt Gestalt an. Im dritten Quartal hat der Riese insgesamt an Tempo gewonnen. Der Umsatz erreichte die Erwartungen der Finanzanalysten zwar nicht ganz, der Gewinn übertraf sie aber. Motor ist die Pharmadivision, die sich auf patentgeschützte Medikamente konzentriert. Kaufen

Sparpotenzial

Gemischtwarenladen mögen beim samstäglichen Einkauf interessant und abwechslungsreich sein. Beim Investieren mag ich das in der ­Regel nicht, aber Sie ahnen es, es gibt Ausnahmen. Das ist derzeit bei Conzzeta der Fall, die in vier sehr unterschiedlichen Geschäftsbereichen aktiv ist. In den beiden Bereichen Maschinenbau (Blech- und Glasbearbeitungsmaschinen) droht ein Rückschlag. Der dürfte aber gut aufgefangen werden von zwei anderen Sparten – von den chemischen Spezialitäten und vom Sportartikelbereich mit der Marke Mammut. Beide arbeiten noch mit sehr geringen Margen. Da besteht Steigerungspotenzial aus eigener Kraft, da die niedrige Profitabilität weniger konjunkturell als strukturell bedingt ist. Mammut ist mitten in einer Neupositionierung, die seit diesem Jahr sichtbar Früchte trägt, und die Chemie muss nach einer bedeutenden Übernahme die Produktionsstruktur optimieren, was in den nächsten Jahren Sparpotenzial ermöglicht. Das eröffnet Chancen für die Aktien, zumal der Kurs zuletzt korrigiert hat. Kaufen

Kaum Gegenwind

Wie mittlerweile üblich hat Temenos auch im dritten Geschäftsquartal die Erwartungen der Analysten sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn übertroffen. Die Führung hebt die Jahresziele deshalb an. Besonders erfreulich ist die Entwicklung in den USA, dem grössten und wichtigsten Banken-IT-Markt der Welt. Dort will der neue Kunde Varo-Mobile-Bank Temenos’ Kernbankensoftware über die Cloud implementieren. Das klingt vielversprechend für die Zukunft. Das Unternehmen verspürt marktseitig derzeit kaum Gegenwind. Die Titel haben im Zuge der Marktturbulenzen seit dem Jahreshoch Ende August trotzdem rund ein Viertel ihres Werts verloren. Leider sind die Titel auf Basis der Schätzung für 2019 mit einem Verhältnis von Kurs zu Gewinn von 42 gleichwohl immer noch ausgesprochen teuer. Abwarten

Befreiungsschlag bleibt aus

Ich wünschte, ich könnte etwas Positives sagen zu den Aktien von Meyer Burger, denn ich hätte wirklich nichts dagegen, wenn ein Schweizer Zulieferer der Solarindustrie Erfolge feiern würde. Aber leider schafft Meyer Burger das nicht, und leider habe ich recht behalten, als ich im Juni bei Kursen von 90 Rappen empfahl, die Aktien zu meiden. Jetzt sind sie nur noch etwas mehr als 50 Rappen wert. Die am Dienstag präsentierten weiteren Massnahmen des Umbaus und der Restrukturierung schaffen keine entscheidende ­Abhilfe, der Befreiungsschlag blieb aus. Ein wesentlicher Teil der ­Vertriebs- und Servicefunktionen für Standard-Fotovoltaik-Lösungen wird nach China verlagert, näher zu den wichtigsten Kunden, den chinesischen Herstellern von Solarzellen. Das klingt vernünftig, ändert zunächst aber nichts an der schwachen Auftragslage und dem Margendruck. Das Management hat kaum mehr als Durchhalteparolen zu bieten. Leider bleibe ich dabei, auch auf dem sehr tiefen Kursniveau heisst es: Meiden

Offensive zahlt sich aus

Dann schon lieber etwas Langweiliges wie zum Beispiel Vaudoise. Der breit aufgestellte, rein auf die Schweiz begrenzte Versicherer ist gut unterwegs, wächst stärker als der Gesamtmarkt und gewinnt in der Deutschschweiz Marktanteile. Die Offensive zahlt sich aus. Im ersten Halbjahr wurden die Betriebskosten verringert, da tut es keinen Abbruch, wenn das Management darauf hinweist, dass sich das Wachstum im zweiten Halbjahr im Vergleich zum ersten leicht abschwächen dürfte. Die Aktien haben stabilisierenden Charakter für das Depot. Das dürfte sich in den kommenden – allfällig turbulenten – Monaten auszahlen. Dosiert kaufen