Wie Sie bessere Konditionen erkämpfen

Hypotheken sind verhandelbar: Meist haben die Banken bei den Gebühren und bei den Zinskonditionen etwas Spielraum, den es als Kunde zu nutzen gilt. Foto: iStock

Meine Frau (72) und ich (74) besitzen in der Agglomeration von Luzern eine Attika-Eigentumswohnung. Sie ist mit zwei Hypotheken belastet, die beide gleichzeitig auslaufen. Wir besitzen beim Vermögenszentrum und bei der CS je ein Vermögensverwaltungsmandat. Beim letzten Gespräch hat uns unsere CS-Beraterin einen Vorschlag unterbreitet: Sollten wir das ganze Geld bei der CS deponieren, so könnten sie uns ein interessantes Angebot bei der Hypothekenerneuerung machen. Bei der CS sind wir mit unserer Beraterin sehr zufrieden. Was würden Sie machen? T.S.

Ich würde die Thematik mit beiden Banken diskutieren und mir von beiden Instituten ein Angebot unterbreiten lassen. Dann können Sie direkt vergleichen und entscheiden.

Da beide Hypotheken gleichzeitig auslaufen, wäre es sogar sinnvoll, unabhängig vom Vermögensverwaltungsmandat noch von weiteren Banken Offerten für die Hypothek einzuholen, da sich die Institute einen harten Konkurrenzkampf um Hypothekarkunden liefern, von dem Sie profitieren können.

Die meisten Banken versuchen ihre Kunden dazu zu bewegen, möglichst ihr ganzes Vermögen von ihr verwalten zu lassen. Damit kann die Bank ihre verwalteten Vermögen steigern und verdient mehr. Aus der Kundenperspektive finde ich es generell besser, wenn man auch bei den Bankbeziehungen diversifiziert und nicht nur von einer einzigen Bank abhängig ist.

Bei Ihrem Entscheid gilt es mehrere Aspekte zu beachten: Die Höhe des Hypozinses für Ihre beiden auslaufenden Hypothekentranchen ist nur ein Aspekt. Viele Banken sind tatsächlich bereit, tiefere Zinskonditionen zu gewähren, wenn man als Kunde sein ganzes Vermögen dieser Bank gleichzeitig zur Verwaltung überträgt.

Ob für Sie dabei die Rechnung wirklich aufgeht, hängt allerdings vom konkreten Angebot ab und von den Gebühren, die Ihnen im Rahmen der Vermögensverwaltung verrechnet werden. Ich würde mich daher nicht nur auf ein mündliches Versprechen Ihrer Kundenberaterin verlassen, sondern erst einen Wechsel in Betracht ziehen, wenn Sie auch ein konkretes Angebot für die Hypothek haben und dieses auch vergleichen können. Erst dann ist für Sie einschätzbar, ob die Konditionen für Sie wirklich so viel besser sind.

Mindestens so relevant wie die Höhe des Hypozinses ist aber die Qualität der Vermögensverwaltung. Es nützt Ihnen nichts, wenn Sie zwar für die Hypothek weniger bezahlen, aber bei der Verwaltung Ihres Vermögens eine ungenügende Leistung bekommen. Nun entnehme ich allerdings Ihren Angaben, dass Sie mit der Vermögensverwaltung bei der CS zufrieden sind, was den Entscheid vereinfacht.

Vielleicht kommt Ihnen die Kundenberaterin auch bei den Gebühren für die Vermögensverwaltung noch etwas entgegen, wenn Sie das gesamte Vermögen von ihr verwalten lassen?

In der Regel haben die Banken sowohl bei den Gebühren als auch bei den Zinskonditionen etwas Spielraum. Diesen sollte man als Kunde unbedingt nutzen, denn die Gebühren vermindern letztlich die Rendite auf dem angelegten Kapital und zwar nicht nur einmalig, sondern jedes Jahr.

Sie sollten auch nicht zögern, bessere Konditionen zu verlangen. Das ist ein normales Geschäft: Sie bringen der Bank mehr Vermögen, an dem diese verdient, und verlangen dafür attraktivere Bedingungen. Wenn Sie sich treffen, profitieren beide.

5 Kommentare zu «Wie Sie bessere Konditionen erkämpfen»

  • Anton Schneider sagt:

    Mit den Banken verhandeln und der Angebote prüfen wie bei einem Autokauf oder einer Ferienreise. Erstaunlich, wie viele Leute bei genannten Käufen sogar tagelang feilschen, überlegen, Angebote prüfen aber bei den Banken sich regelmässig scheuen, deren Angebot ebenso auf Herz und Nieren zu prüfen. Eine Bank schenkt nichts, denn die Millionenboni müssen finanziert werden. Was nützt ein 1/4% günstigere Hypothek, wenn die Bank beim Restvermögen in der Verwaltung mit durchschnittliche >1% zulangt. Die Misch-Deals verunmöglichen einen transparenten Vergleich und ich würde diese keinesfalls empfehlen.

  • Heinrich Blatti sagt:

    Das mache ich auch. Bei meiner Bank habe ich überall 45-50% Rabatt auf alle Konditionen, Devisenwechsel nahe dem Bankenkursen und die Hypo 50 BP unter den Schaufensterpreisen. Auch werde ich an interessante Events eingeladen. Immer das mit dem Geld auf verschiedene Banken verteilen wegen der panischen Angst, dieses wegen einer Bankenpleite zu verlieren, ist doch einfach nur lächerlich. 100%ige Sicherheit im Leben gibt es nicht, nur der Tod eines Tages ist 100%ig…

  • urs brand sagt:

    Ich habe die Hypoablösung für meine Wohnung über Hypomat.ch der Glarner KB einfach und easy abwickeln können auch ohne Vermögenswerte dort verwalten zu lassen. Keine Rennerei, kein Formularkrieg, kein endloses Feilschen. Die Hypozinsen können online abgefragt werden und sind 24 Std. gültig.

    • Paul Kellenberger sagt:

      Aus dem gleichen Grund hatte bei der Hypoablösung schon vor Jahren zu Hypomat der Glarner KB gewechselt. Und zwar eben gerade von diese Bank, also der CS. Die Angebote lagen auf dem Tisch aber da konnte die CS nicht mehr gleichziehen. Auf jeden Fall wird eine online Hypothek immer günstiger sein als ein Angebot über eine Bank.

  • Caronline Forrer sagt:

    Wer über 70 Jahre alt ist, hat oft über 50 Jahre lang Kirchensteuer bezahlt und nicht alle zahlen wirklich weil sie dahinter stehen, sondern eher aus Gewohnheit. Gemeinsam kommt man da auf Beträge von 20’000, 30’000 oder gar 40’000 Franken. Gewiss kann man bei der Bank da und dort etwas bessere Konditionen ergattern, aber vergleicht man das mit der Kirchensteuer, dann ist es eher wenig.
    https://www.kirchenaustritt24.ch/Kirchensteuer

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