Ignorieren Sie das Verlustrisiko nicht!

Grosse Wachstumsversprechen: Mit dem Parallelimport von Original-Arzneimitteln in die Schweiz könnte künftig viel Geld gemacht werden. Foto: iStock

Was halten Sie von einer Investition in Aktien der Firma APS AG? Das Thema Parallelimport von Arzneimitteln scheint mir vielversprechend. Laut Factsheet werden Dividenden zwischen 3 bis 5 Prozent und ein stetig steigender Aktienkurs in Aussicht gestellt. A.W.

Ich kenne die von Ihnen erwähnte Firma APS – Arzneimittel-Parallelimport-Service AG mit Sitz in Cham nicht und kann mich nur auf die Angaben stützen, welche das Unternehmen im Factsheet für potenzielle Investoren herausgeben hat. Demnach wird in diesem Jahr ein Umsatz von rund 3 Millionen Franken erreicht, der bis 2022 auf 67,4 Millionen Franken steigen könnte, wobei der Hinweis gemacht wird, dass dies eine konservative Schätzung sei. Falls dies zutreffen würde, wäre dies ein enormes Wachstum, was mich ehrlicherweise skeptisch macht.

Erklärt wird den potenziellen Anlegern das Potenzial damit, dass «durch Registrierung von über 40 ausgewählten Medikamenten bis 2023 Umsätze von bis zu 100 Millionen Franken pro Jahr möglich» seien. Das ist sehr ambitioniert. Fest steht, dass sich die Firma auf den Parallelimport von Original-Arzneimitteln in die Schweiz fokussiert. Kunden sind Versandapotheken in Europa, Pharma-Grosshändler und Apotheken sowie Ärzte innerhalb sowie ausserhalb der Schweiz, die Medikamente ausgeben dürfen. Die notwendigen Bewilligungen seien vorhanden.

Wie realistisch die Wachstumsambitionen sind, ist für mich schlicht nicht abschätzbar. Das Aktienkapital beträgt gemäss Factsheet 700’000 Franken, und die Dividenden würden zwischen drei bis fünf Prozent variieren. Eine Garantie für diese Dividende haben Sie allerdings nicht. Wenn sich das Geschäft nicht wie erwartet entwickelt, müssen Sie auch mit einem Dividendenausfall rechnen und der Aktienpreis geht in den Keller. Das ist allerdings auch bei an der Börse kotierten Firmen der Fall.

Anders ist hingegen die Tatsache, dass Sie bei einem Einstieg die Aktien dieses Unternehmens während mindestens 18 Monaten halten müssten. In dieser Zeit können Sie die Papiere somit nicht verkaufen. Ihr Geld wäre gebunden.

Darüber hinaus stellt sich für Sie die grundsätzliche Frage, wie Sie auch nach der Haltefrist wieder aussteigen könnten. Zwar weist das Unternehmen auf die Möglichkeit eines späteren Aktienrückkaufs hin. Doch auch dafür gibt es keine Garantie. Ebenso wenig für einen möglichen Börsengang, der nicht angestrebt, aber auch nicht ganz ausgeschlossen wird.

Falls Sie die Aktien später verkaufen möchten, könnte es sein, dass es sehr schwierig wäre, dass Sie für Ihre Papiere zu einem vernünftigen Preis einen Käufer finden. Denn anders als bei Aktien, die an der Börse gehandelt werden, haben Sie in der Regel deutlich weniger Transparenz, da keine entsprechenden Vorschriften bestehen und keine Sicherheit, dass wirklich ein Handel mit den Papieren erfolgt.

Zusätzlich zur schwierigen Handelbarkeit stellt sich für Sie die Frage nach den Sicherheiten: Die haben Sie nicht. Sie stellen dem Unternehmen Risikokapital zur Verfügung. Im positiven Fall steigen der Wert der Firma und deren Aktien. Im negativen Fall aber müssen Sie Ihr Geld unter Umständen sogar ganz abschreiben.

Die Risiken bei einem solchen Engagement sind meines Erachtens sehr hoch. Sie sollten nicht nur die Wachstumschancen sehen, die von aussen ohnehin schwer abschätzbar sind, sondern für sich selbst auch eine realistische Risikobeurteilung vornehmen. Direktanlagen in Unternehmen, die nicht an der Börse kotiert sind, weisen immer ein hohes Risiko auf und kommen meines Erachtens nur für Investoren infrage, welche eine sehr hohe Risikobereitschaft haben und in Kauf nehmen können, dass sie ihren Kapitaleinsatz auch vollständig verlieren können.

4 Kommentare zu «Ignorieren Sie das Verlustrisiko nicht!»

  • Andrea sagt:

    Hohes Risiko? Willkommen im Unternehmertum! Die Banken haben an traditionnellen KMU kein Interesse mehr und Sie verteuflen nun „Beteiligungen“, welche zu Wachstum führen und Jobs sichern können? #worstarticleever #supportKMU

  • Werner Wenger sagt:

    Ihren letzten Absatz, Herr Spieler, versteht nur ein auf Börsen und Maximalgewinn fokussierter Berater. Das ist sicher kein Unternehmertyp. Es gibt viel mehr nicht an eine Börse kotierte Firmen, die vielleicht nicht maximale jedoch lange anhaltende Renditen abwerfen. Als Investor möchte ich jedenfalls wie ein Unternehmer denken und im Idealfall mit der Firmenleitung, der ich mein Geld leihe, entsprechende lange währende Kontakte pflegen. Ihr diesbezüglicher Rat soll und darf niemand ernsthaft in Erwägung ziehen.

  • Dr. Teofilo Folengo sagt:

    Ich bin vom Fach, habe über 30 Jahre Biotech-Firmen beraten und vor 3 Jahren selber eine Biotech gegründet. Das, was APS AG von sich gibt (zumindest so wie es hier wiedergeben wurde), tönt ganz klar nach Betrug. Die „Registrierung von über 40 ausgewählten Medikamenten“ ist gar nicht in den Händen von APS, sondern von SwissMedic. Die Zahlen scheinen pure Fantasie zu sein. Ich bekomme mindestens 1x/Woche ein Telefonat von einem Heini, der mir solche Aktien andrehen will. Mein Rat: Telefon auflegen, aber sofort!

  • Sacha Meier sagt:

    Das kann ich als jemand, der ein ganzes PK-Kapital in der eigenen Firma verbraten hat und trotz Kunden und Produkten mangels Produktionskapital den Laden schliessen musste, nur unterschreiben. Unsere moderne, postindustrielle, konzernisierte Konsum- und Dienstleistungswirtschaftsgesellschaft kann keine Unternehmer mehr brauchen. Und Private Equity Kapital passt nicht zu uns Schweizern, die alle Risiken minimieren wollen. Die Zukunft liegt ausschliesslich bei alteingesessenen, börsenkotierten Konzern, die einfache, für jeden Verständliche Produkte anbieten. Neue Konzerne gibts nur noch per Fusion. Das gibt dem Anleger die gewünschte Sicherheit und auch die Handelbarkeit von Beteiligungen. Wem das nicht passt muss eben nach China gehen. Dort wachsen sogar Old-Economy-Betriebe organisch.

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