Frankenanleihen bringen derzeit nichts ein

Magere Renditen: Fonds mit einem Aktienanteil sind derzeit – trotz leicht höherer Gebühren – vielversprechender als reine Obligationenfonds. Foto: Keystone

Vor einigen Tagen empfahl uns unsere Kundenbetreuerin bei der ZKB, unsere Anteile am Swisscanto (CH) Bond Vision Valor 2700.759, Swisscanto (LU) Bond Fund FCP-Vision EUR Valor 1363.644 und Swisscanto (CH) Fonds Frankenertrag Valor 583.328 zu verkaufen und stattdessen Anteile am Swisscanto (LU) Portfolio Fund FCP-Responsible Balance (CHF) Valor 1092.981 und Swisscanto (CH) Portfolio Fund l-Select Valor 237.926 zu erwerben. Sind wir mit diesem Vorschlag der Kundenbetreuerin gut beraten? I. K.

Den Ratschlag Ihrer Kundenberaterin, die drei Fonds zu verkaufen, unterstütze ich. Denn die drei Fonds, die Sie jetzt halten, sind für Sie momentan nicht vorteilhaft.

Sie bekommen zwar einen regelmässigen Ertrag. Die Kursentwicklung ist aber schon seit einiger Zeit enttäuschend. Das wird durch den Ertrag auch nicht kompensiert.

Alle drei bestehenden Fonds in Ihrem Depot basieren auf einer sehr konservativen Strategie. Der Swisscanto (CH) Bond Vision in Schweizer Franken und ebenso jener in Euro investieren fast ausschliesslich in Obligationen.

Das Problem dabei ist, dass Sie in sicheren Schweizer-Franken-Anleihen kaum mehr anständige Renditen erzielen. Nach Abzug der Gebühren verliert man mit sehr sicheren Franken-Anleihen derzeit sogar meist Geld.

Auch im Euro sind die Renditen der Anleihen von erstklassigen Schuldnern mickrig und werden es noch einige Zeit bleiben, da die Europäische Zentralbank signalisiert hat, dass die Leitzinsen in Europa noch bis mindestens Ende Sommer des nächsten Jahres historisch tief bleiben.

Angesichts der weiterhin rekordtiefen Zinsen und der Negativzinsen der Nationalbank in der Schweiz lässt sich auch beim Frankenertrag-Fonds momentan kaum etwas holen. Da könnten Sie das Geld gleich auf dem Konto liegen lassen.

Wesentlich bessere Gewinnchancen bieten indes die anderen beiden Fonds, welche Ihnen Ihre Kundenberaterin als Alternative vorgeschlagen hat. Auch die Kursentwicklung dieser Fonds ist besser als Ihre bestehenden Fonds.

Allerdings hat die Sache einen grossen Haken: Inhaltlich lassen sich die Fonds mit Ihren bestehenden überhaupt nicht vergleichen. Der Swisscanto (LU) Portfolio Fund FCP-Responsible Balance (CHF) weist einen Aktienanteil von 49 Prozent und einen Obligationenanteil von 48 Prozent auf.

Und auch der Swisscanto (CH) Portfolio Fund l-Select legt das Geld nur zu 38 Prozent in Franken-Obligationen, zu 14 Prozent in Fremdwährungsobligationen, 12,45 Prozent in Schweizer Aktien, zu 10 Prozent in ausländische Aktien, 4 Prozent in Rohstoffe und 2,9 Prozent in Schwellenländeraktien an.

Diese Aufteilung ermöglicht eine breite Diversifikation und ist als Portfolio durchaus sinnvoll, für Sie als Anleger bedeutet es aber, dass Sie deutlich höhere Risiken eingehen.

Dazu kommt, dass die neuen Fonds leicht teurer sind als Ihre bisherigen.

Wenn Sie das Geld während wenigstens fünf Jahren nicht brauchen, halte ich die neuen Fonds mit einem Aktienanteil – trotz leicht höherer Gebühren – für Sie als vielversprechender als reine Obligationenfonds, die ausser Spesen oft nicht viel mehr bringen.

Ich empfehle Ihnen dennoch, sich von Ihrer Kundenberaterin die Risiken mit den neuen Fonds genau aufzeigen zu lassen und zu prüfen, inwiefern Sie im Kontext Ihrer übrigen Vermögenslage höhere Risiken in Kauf nehmen wollen und können.

6 Kommentare zu «Frankenanleihen bringen derzeit nichts ein»

  • Karl Knapp sagt:

    Alle Bankberater versuchen, wenigstens mit Gebühren etwas an den Kunden zu verdienen. Die ZKB hat es schwer, weil sie für Cash relativ sicher ist und die Gebühren für Depot und Transaktionen vergleichsweise hoch. Vielleicht kommt man Ihnen etwas entgegen ?

  • Ruedi Tanner sagt:

    Sorry Herr Spieler,

    aber im Moment rentiert im Anlageschäft kaum etwas.
    Die Banken verdienen an den Gebühren und Hypotheken sowieso immer. Im Retail sind das Renditen im mittleren einstelligen Prozentbereich, im HNW und UHNW im tiefen einstelligen Bereich und bei grössten Vermögen im tiefen einstelligen Promillebereich.

    Der Anleger wiederum hat derzeit gar nix. Wenn er viel Glück hat, erleidet er keinen Verlust.

    Die einzig rendite-generierenden Anlagen sind direkte/eigene Beteiligungen an Immobilien (EFH’s und MFH’s) an attraktiver Lage und eigene/direkte Beteiligungen an privaten, gut laufenden Unternehmungen.

  • R. Wenger sagt:

    Ich lege gestreut in Aktien an und bin damit seit Jahrzehnten gut gefahren. Die Börse ist ein Paternoster. Durch den Keller fahren ist nicht gefährlich, man darf nur keine Angst haben. Der aktuelle Kurs in interessiert mich nur bei einem Kauf/Verkauf.

  • Christoph Matthias Meyer sagt:

    Ich würde jetzt erstmals die Erlöse aus den Fondsverkäufen auf dem Konto halten – die Aktienmärkte sind dermassen hoch bewertet, dass es auch da eher später als früher zu einem grösseren Crash kommen dürfte, mit erheblichen Kursverlusten. Wenn schon würde ich einen Teil in physische Gold-ETF’s anlegen und den Rest dann investieren, wenn die Märkte massiv nach unten korrigiert haben und sich niemand mehr für Aktien interessiert (sell high, buy low), das könnte in ca. ein bis zwei Jahren der Fall sein. Gold ist gegenwärtig sehr tief und ist eine Risikoabsicherung

  • T.Netti sagt:

    Kommt auf die Kapitalhöhe an und ob die Kosten transparent offen gelegt sind. Obligationenfonds sind sinnvoll wenn nicht nur in SFR. Wichtig ist die Flexibilität. Die Guten Tips und Ratschläge behalten die Banker ohnehin für sich. Dazu die Kundenberater mit dem Verkauf Hauseigener Vehikel Geld verdienen müssen und im Intressenskonflikt stehen. Bei einigen Banken läuft es sogar so das z.b. bei den an den Kunden angedrehte Hauseigene Fonds Schrot reingetan wird und Vielversprechende Positionen verschwinden. Banken sind eben bekannt dafür das sie Geld verdienen.
    Mein Tip, Aktien und Bargeld auf dem Konto aber nicht nur in SFR. Dazu mal die Gebühren der Banken im Ausland anschauen. Kosten dort mindestens 30% weniger und es nimmt eine kompetente Person den Anruf an wenn man eine Frage hat.

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