Wie Junge ihr Geld optimal arbeiten lassen

Auf lange Sicht investieren: Es lohnt sich nicht, Fonds zu wählen, welche die Dividenden ausschütten, sondern solche, welche diese laufend reinvestieren. Foto: iStock

Meine Frau und ich, beide 30 Jahre alt, würden gerne auf 30 bis 40 Jahre diversifiziert Geld anlegen. Aus einer Erbschaft besitzen wir 100’000 Franken, welche wir in drei ETFs, S&P500, Stoxx50 und Emerging Markets, anlegen – alle ausschüttend und ohne Währungsabsicherung. Zusätzlich würden wir gerne kontinuierlich fixe Beträge pro Monat ins Portfolio einfliessen lassen. Wie beurteilen Sie das Risiko von Fonds ohne Währungsabsicherung? Macht es nicht mehr Sinn, in thesaurierende Fonds zu investieren? Welche anderen Anlageklassen würden Sie uns raten? M.G.

Währungsrisiken sind nicht zu unterschätzen: Sie können dafür sorgen, dass trotz einer positiven Entwicklung eines Basismarktes von einem Exchange Traded Fund für den in Schweizer Franken rechnenden Investor letztlich doch ein Verlust resultiert. Noch im Jahr 2007 notierte der Euro auf fast 1.70 Franken. In den letzten zehn Jahren hat er aber stark an Wert verloren und ist heute für weniger als 1.13 zu haben, zeitweise sogar tiefer.

Auch der US-Dollar erreichte noch kurz nach der Jahrtausendwende Kurse von 1.80 und halbierte sich praktisch zum Franken in den vergangenen Jahren. Noch früher wurden gar Kurse von über 4 Franken bezahlt. Wenn man auf sehr lange Sicht von 30 bis 40 Jahren investiert, wie Sie es planen, sind Währungsrisiken also durchaus relevant.

Im Prinzip können Sie die Währungsrisiken absichern – entweder mit Absicherungsinstrumenten, die Sie bei Ihrer Bank erhalten, oder mit Fonds, die solche Absicherungen bereits enthalten. Doch das alles gibt es nicht gratis. Die Absicherung schmälert Ihre Rendite. Dazu kommt, dass sich die Fremdwährung auch zu Ihren Gunsten entwickeln kann. Sie müssen sich also fragen, ob Sie bereit sind, dieses zusätzliche Risiko zu tragen oder nicht.

Eine ganze andere Frage ist jene nach den Ausschüttungen. Wenn man auf lange Sicht investiert, würde ich nicht Fonds wählen, welche die Dividenden ausschütten, sondern solche, welche diese laufend immer wieder reinvestieren. Man nennt diese Fonds thesaurierende Fonds. Wenn Sie die Dividenden ausbezahlt bekommen und diese dann später wieder investieren, fallen für Sie Gebühren an. Bei thesaurierenden Fonds erfolgt die Reinvestition automatisch – ohne dass Sie direkt Gebühren zahlen.

Jungen Menschen wie Ihnen rate ich zu thesaurierenden Fonds, da Sie so auf lange Sicht dank Zinseszinseffekt und Reinvestition der Erträge die besten Renditechancen haben. Aktuell investieren Sie nur in Aktien bzw. in Exchange Traded Funds, die an Aktienindizes gekoppelt sind. Wenn Sie eine breitere Diversifikation wünschen, sollten Sie auch ETFs auf andere Anlageklassen wie Anleihen, Immobilien oder Rohstoffe nutzen. Die besten Renditechancen haben Sie auf lange Sicht aber mit Aktienanlagen.

Ich würde nicht alles Geld nur in drei ETFs anlegen, sondern auch bei den Instrumenten diversifizieren. Sie könnten auch einen ETF auf den SMI oder SPI oder auch einen ETF auf die Techaktienbörse Nasdaq nutzen. Die Märkte USA, Europa und Schwellenländer haben Sie ja bereits gut abgedeckt. Wenn Sie als heute 30-Jährige mit einem Anlagehorizont von 30 bis 40 Jahren investieren, heisst dies, dass Sie fürs Alter sparen. Das halte ich für sehr sinnvoll.

Allerdings frage ich mich, ob Sie bereits eine steuerbegünstigte 3. Säule unterhalten. Wenn nicht, rate ich Ihnen, falls Sie beide erwerbstätig sind, je ein 3.-Säule-Konto zu eröffnen oder eine entsprechende Police, jährlich den Maximalbetrag einzuzahlen und den Betrag ebenfalls in Vorsorgefonds anzulegen.

Auch da gibt es inzwischen, etwa von Swisscanto, kostengünstige, passiv verwaltete Vorsorgefonds mit einem hohen Aktienanteil. Diese Variante hat den Vorteil, dass Sie und Ihre Frau den jeweils jährlich in die 3. Säule einbezahlten Maximalbetrag im Folgejahr von den Steuern abziehen dürfen. Wenn Sie beide erwerbstätig sind, resultiert so eine beträchtliche Steuerersparnis – und zusätzlich können Sie das Geld mit hohen Renditechancen investieren.

10 Kommentare zu «Wie Junge ihr Geld optimal arbeiten lassen»

  • Diego sagt:

    Guter Beitrag! Eine Frage zum Maximalbetrag der 3. Säule: Gilt der pro Vorsorgekonto oder generell pro Person?

  • Mark sagt:

    Ich weiss nicht wieso Herr Spieler nicht auf den Punkt kommt? Und wieso erzählt er etwas von Nasdaq? Will er mehr in dir techbranche? Macht man nicht als passiver investor.
    Um etwas präziser zu sein wäre dies die gängige Praxis:
    1. Währung sicher nicht absichern. Viel zu teuer und langfristig sowieso nicht.
    2. Kaufe spi msci world und emergin markets. Spi beimischen weil währungsrisiko tiefer.
    3. Nicht ausschüttend. Korrekt.
    4. Swisscanto 3a fonds? Nein es gibt VIAC. Viel tiefere gebühren! Wieso empfielt er den teuren fonds?

  • Marc Pies sagt:

    Geld arbeitet nicht. Sondern Menschen, allenfalls Maschinen. Dieses Wissen scheint uns abhanden gekommen sein. Darum sieht die Welt so verrückt aus.

    • Thomas sagt:

      Lieber Marc
      Sie schreiben die Wahrheit ! Aber die Schmarotzer aus dem Finanzunwesen packen in solchen Fällen sofort die „war der Kommunismus besser?“ – Keule aus….

  • Tobi sagt:

    Geld „arbeitet“ nicht. Das ist eine Propagandafloskel, die ausradiert gehört. Komisch, dass dies der Herr Spieler noch nicht gemerkt hat… Aber das System darf man offiziell nicht hinterfragen, weil es viel zu dreckig ist hinter dem Vorhang der Ablenkung…

  • Peter Müller sagt:

    Bei so einem langen Anlagehorizont würde ich direkt in Aktien investieren und mir die Fondsgebühren sparen: 10-20 Positionen solider Unternehmen zu je 5’000 bis 10’000 CHF Wert, gut diversiviziert über Branchen, Gegenden und Währungen.
    Säule 3a lohnt sich nur mit einem Anlagehorizont von 6-8 Jahren. Auch die Banken wissen von der Steuerersparnis und schöpfen diesen Vorteil systematisch mit überteuerten Produkten ab.

    • Mario sagt:

      Fondsgebühren? Schon mal was von indexfonds gehört? Ca. 0.2% gebühren! Da sind transaktionsgebühren für den kauf verschiedener einzeltitel höher.
      Solide Unternehmen? Wer entscheidet was solide Unternehmen sind? Ihr portfolio hätte wesentlich mehr Risiko gegenüber dem Index aber den selben erwarteten Ertrag. Macht absolut null Sinn was Sie erzählen….

  • Jens sagt:

    Wusste gar nicht, dass Geld arbeiten kann. Habe gerade eine 200er Note in den Garten geworfen und rechne damit, dass da das Unkraut gejätet wird. Wer immer noch davon ausgeht, dass Geld arbeiten kann, sollte schleunigst zum Arzt.

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