Vorsicht! So droht Ihnen ein totaler Verlust

Jung und dynamisch, aber riskant: Gerade vielversprechende Start-ups zahlen in den ersten Jahren oft Lehrgeld und gehen in Konkurs – zum Nachteil der Investoren. Foto: iStock

Ein Vertreter der Firma Nordstein hat mich angerufen und mich zu überzeugen versucht, in die Firma Securecell zu investieren. Ich solle Aktien im Wert von 18’750 Franken erwerben. Ich bin eher skeptisch. Auf die Frage, woher er meine Telefonnummer habe, antwortete er, Google wisse alles. Kennen Sie die beiden Firmen? Und wie beurteilen Sie eine solche Anlage? H.K.

Ich kenne beide Firmen nicht und kann mich daher nicht konkret zu den von Ihnen erwähnten Gesellschaften äussern. Im Internet sehen Sie aber, dass die Firma Nordstein AG mit Sitz an der Zürcher Bahnhofstrasse eine Marketinggesellschaft ist. «Wir vermitteln kapitalbenötigenden Start-ups oder Unternehmen mit innovativen, noch in der Entwicklung sich befindlichen Produkten oder Projekten investitionsbereite Private-Equity-Anleger», heisst es auf deren Website. Weiter ist zu lesen: «Die telefonische Akquisition möglicher Investoren für eine Private-Equity-Anlage entspricht sowohl schweizweit als auch auf internationaler Ebene gängiger und anerkannter Praxis.»

Persönlich sehe ich das anders: Ich würde nie aufgrund einer telefonischen Anfrage von einem Berater und einer Firma, die ich nicht kenne, eine Investition tätigen. Voraussetzung für eine Investition ist Vertrauen. Doch dieses kann man nur aufbauen, wenn man ein Unternehmen und die mit dem Geschäft verbundenen Mitarbeitenden kennt – erst recht bei Private-Equity-Anlagen. Bei dieser Anlageklasse investiert man in Firmen, die nicht an einer Börse gehandelt werden. Dazu zählen die meisten Unternehmen.

Über Private-Equity-Anlagen kommen Firmen zu Kapital, und der Investor ist über Aktien daran beteiligt. Da solche Investments anderen Zyklen als die Börsen unterliegen, kann ein Engagement in Private Equity als Diversifikation für Anleger mit einem breiten Portfolio durchaus Sinn machen.

Für Privatanleger sind Einzelengagements in Firmen aber hoch problematisch. Erstens verfügt man als Privatanleger in der Regel nicht über das Fachwissen, um eine Firma, in die man investieren kann, genau zu analysieren. Doch das ist entscheidend, denn man vertraut dieser sein Geld an und trägt ein hohes Klumpenrisiko. Wenn die Firma scheitert, muss man davon ausgehen, dass man sein ganzes investiertes Geld verliert. Und Tatsache ist: Ein Vielzahl von Firmen, insbesondere von Start-ups, gehen in Konkurs.

Neben dem realen Ausfallrisiko ist man bei Private-Equity-Anlagen mit seinem Geld sehr lange gebunden. Oft dauert es fünf bis zehn Jahre, bis das Kapital zurückbezahlt wird. Seine Aktien kann man üblicherweise anders als an der Börse nicht einfach locker verkaufen. Meist ist auch die Transparenz mangelhaft, denn anders als Börsenfirmen, die aufgrund ihrer Kotierung zahlreiche Vorschriften punkto Rechnungslegung und Transparenz erfüllen müssen, sind private Firmen ihren Aktionären gegenüber nicht zu detaillierten Informationen verpflichtet.

Alles in allem geht man bei Private-Equity-Anlagen ein grosses finanzielles Risiko ein. Darum rate ich Privatanlegern von einem Private-Equity-Engagement in Einzelfirmen ab. Wer dennoch an diesem Segment interessiert ist, sollte stattdessen in Anlagefonds investieren, die sich auf Private Equity fokussieren. Eine Diversifikation in Private Equity über Anlagefonds macht aus meiner Sicht in kleinem Umfang durchaus Sinn und beinhaltet aufgrund der Vielzahl der unterschiedlichen Investments ein deutlich geringeres Risiko als eine Einzelanlage in eine private Firma.

Falls Sie also an solchen Anlageformen Interesse haben, empfehle ich Ihnen, sich von Ihrer Bank entsprechende Anlagefonds vorschlagen zu lassen. Diese sind streng reguliert, transparent und professionell geführt. Das erhöhte Anlagerisiko bleibt aber dennoch. Darum eignen sich meines Erachtens selbst solche Fonds nur für Anleger, die ein erhöhtes Risiko tragen können und wollen.

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