Warum leiden Fonds aus Schwellenländern?

Währungsturbulenzen: Nach dem Absturz der türkischen Lira haben auch die Währungen anderer Schwellenländern stark an Wert eingebüsst. Foto: Getty Images

In meinem Portefeuille hat es gleich zwei Fonds mit Wertschriften aus Schwellenländern, einer mit vor allem Aktien und ein zweiter mit mehrheitlich Anleihen aus den Emerging Markets. Kann ich auf eine baldige Erholung hoffen, wenn sich das Geschrei um die Türkei endlich legt? F.U.

Nein. Die Türkei-Krise hat den Anlegern deutlich vor Augen geführt, wie anfällig die Währungen der Schwellenländer für massive Kurskorrekturen sind.

Obwohl sie mehrheitlich nur indirekt von den Folgen der Türkei-Krise betroffen sind, haben nach dem Absturz der türkischen Lira auch die Währungen anderer Schwellenländern, wie etwa der südafrikanische Rand, stark an Wert verloren. Tiefstände erreichten auch der russische Rubel oder die indische Rupie.

Gleichzeitig war eine Flucht in sichere Währungen wie den Schweizerfranken zu beobachten, was dazu führte, dass der Euro zeitweise unter einem 1.13 Franken gehandelt wurde.

Die Währungsturbulenzen haben auch den Aktien und Anleihen etlicher Emerging Markets kräftig zugesetzt und sowohl Aktien- als auch Anleihen-Fonds mit Fokus Schwellenländern in den Keller gedrückt. Dafür verantwortlich sind meines Erachtens allerdings nicht nur die effektiven Währungsverluste alleine, auch wenn diese für die Investoren brutal sind.

Währungen sind schwer prognostizierbar und generell volatil und können sich ebenso schnell erholen, wie sie eingebrochen sind. Selbst wenn sich die Schwellenländer-Währungen auffangen würden, reche ich nicht mit einer schnellen und starken Erholung bei den Emerging-Markets-Fonds. Der Grund: Auch unabhängig von der neusten Verunsicherung gegenüber Schwellenländern, wie sie im Zuge der Türkei-Krise aufgetreten ist, spricht einiges dafür, dass weitere Gelder aus den Emerging Markets rausfliessen.

In Zeiten rekordtiefer Zinsen und des damit verbundenen Anlagenotstandes wichen viele Investoren aus den USA und Europa in die Schwellenländer-Papiere aus, weil diese deutlich bessere Renditen abwarfen. Je mehr nun aber die Zinsen in den USA steigen, desto weniger attraktiv werden für einen Teil der Anleger Investments in Schwellenländern. Warum sollte man das erhöhte Risiko in den Emerging Markets in Kauf nehmen, wenn auch mit sehr sicheren US-Treasuries steigende Renditen möglich werden?

Die höheren US-Zinsen machen US-Anleihen interessanter und haben den Vorteil, dass man weit weniger Risiken eingeht, als mit Anleihen aus Schwellenländern. Entsprechend dürfte der Abfluss von Emerging-Markets-Fonds meines Erachtens noch längere Zeit anhalten und deren Kurse weiter abbröckeln lassen.

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