Kann Idorsia den Erfolg von Actelion toppen?

Interessante Perspektiven: Das Biotechunternehmen Idorsia verfügt über ein hohes Aufwärtspotenzial, wenn die Produkte zu einem Erfolg werden. Foto: Keystone

Ich war viele Jahre im Besitz von Actelion-Aktien und hatte damit schöne Kursgewinne eingefahren. Nun überlege ich mir, Idorsia-Aktien zu kaufen in der Hoffnung, dass sich unter Jean-Paul Clozel das «Actelion-Märchen» wiederholt. Würden Sie Idorsia zum Kauf empfehlen oder eher doch nicht? H.H.

Ich halte Idorsia für eine spannende Aktie.

Mir gefällt, dass das Unternehmen mit den beiden Firmenmitgründern Jean-Paul und Martine Clozel von zwei starken Unternehmerpersönlichkeiten geprägt wird, welche bereits hinter dem beeindruckenden Erfolg von Actelion standen.

Seit gut einem Jahr sind die Aktien von Idorsia an der Schweizer Börse und haben sich erfreulich entwickelt. Bereits kurz nach dem Börsengang erwarben Jean-Paul und Martine Clozel weitere Aktien und vereinen einen Stimmenanteil von rund 26 Prozent auf sich.

Damit geben sie auch finanziell ein klares Bekenntnis für Idorsia ab und zeigen, dass sie an einem langfristig nachhaltigen Ertrag des Unternehmens interessiert sind.

Allerdings müssen Sie sich bewusst sein, dass das Biotechunternehmen nach wie vor rote Zahlen schreibt. Und so schnell wird sich das nicht ändern. Laut Jean-Paul Clozel dürfte es rund fünf Jahre dauern, bis Idorsia Gewinne erzielt. Er warnt die Aktionäre sogar davor, dass Idorsia in dieser Zeit erneut Kapital aufnehmen muss.

Darin sehe ich indes nicht das grösste Risiko. Dieses liegt vielmehr bei den Produktekandidaten von Idorsia. Falls diese nicht die erhoffte Wirkung erreichen, was durchaus möglich ist, käme es bei Idorsia sowohl in der Entwicklung als auch beim Aktienkurs zu einem empfindlichen Rückschlag.

Idorsia ist momentan auf dem Weg, vier Wirkstoffe in Phase III der klinischen Entwicklung zu bringen. Noch hat die Firma kein Medikament auf dem Markt. Mit einem Kauf von Idorsia-Papieren setzen Sie also auf die Forschungspipeline des Unternehmens.

Wie bei jedem Biotechunternehmen kann da einiges schiefgehen, gleichzeitig ist das Aufwärtspotenzial hoch, wenn die Produkte zu einem Erfolg werden.

Erst kürzlich hat Idorsia kommuniziert, dass die Firma eine zulassungsrelevante Phase-III-Studie mit Nemorexant startet. Dieses Mittel soll künftig für die Behandlung von Schlaflosigkeit genutzt werden – einer weitverbreiteten Krankheit.

In der angekündigten Studie sollen für die Dauer von zwei Jahren 1800 Patienten in mehr als 160 Einrichtungen in 18 verschiedenen Ländern behandelt werden.

Zuvor schon hatte Idorsia den Start einer Zulassungsstudie kommuniziert, mit Lucerastat als mögliche neue Behandlungsoption für Patienten mit der Stoffwechselerkrankung Morbus Fabry, einer zwar seltenen, aber lebensbedrohenden und vererbbaren Krankheit.

Die Ergebnisse dieser Studien dürften massgeblich den künftigen Kursverlauf der Idorsia-Aktien beeinflussen. Bei positiven Ergebnissen erwarte ich bei den Papieren einen weiteren Kurssprung, bei Problemen während der Studie kann es indes zu einem Kurseinbruch kommen.

Weitere Phase-III-Studien hat die Firma mit Aprocitentan und Clazosentan gestartet.

Wenn Sie Idorsia halten, gehen Sie ein Klumpenrisiko ein, da das Unternehmen bislang nur wenig Produktekandidaten hat. Dies will CEO Jean-Claude Clozel aber ändern. In einem Interview hatte er erklärt, dass er bei den Produkten eine Diversifikation anstrebt, damit Idorsia langfristig nicht von einem Projekt abhängig sei.

Ich halte die Produktepipeline von Idorsia für vielversprechend. Sie haben aber keine Gewissheit, dass die Projekte erfolgreich sein werden.

Idorsia-Aktien sollte man nur kaufen, wenn man bewusst erhöhte Risiken tragen will und kann.

Es ist möglich, dass das Unternehmerehepaar Jean-Claude und Martine Clozel die Erfolgsstory von Actelion mit ihrem neuen Baby Idorsia zumindest teilweise wiederholen – eine Garantie dafür haben Sie aber nicht.

3 Kommentare zu «Kann Idorsia den Erfolg von Actelion toppen?»

  • Bärtschi Susanna sagt:

    Ich selbst habe 4000 solche Aktien erworben.Meine Meinung:Der Erfolg wird sich einstellen,ob es eine zweite Actelion wird,sei in Frage gestellt,aber sage „niemals nie“!
    Ich glaube,das wir von Idorsia,resp.vom Ehepaar Clozel, noch viel hören werden.
    Ich jedenfalls drücke dem tollen Duo und Ihrem Team beide Daumen.

  • Andrew Weiss sagt:

    Guten Tag Herr Spieler
    Die Wortspielerei mit ähnlichklingenden Vornamen wie ‚Jean-Claude‘ bringt immer wieder Mitarbeiter der Idorsia zum Schmunzeln. Möglicherweise war aber der Vergleich mit dem Schauspieler belgischer Herkunft aber nicht gemeint.
    BG, Andrew Weiss

  • Chris sagt:

    Bei Actelion habe ich 16 Jahre auf meinen größten Deal ever gewartet. Einen Teil der Gewinne habe ich am ersten Handelstag wieder in Idorsia investiert. Bisher hat sich der Kurs schon mehr als verdoppelt. Ich zähle weiter auf die Pipeline und das Ehepaar Clozel.

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