Verkauft China jetzt seine US-Staatsanleihen?

Gewichtiges Pfand im Handelskrieg: China ist mit rund 1200 Milliarden Dollar der weitaus grösste ausländische Gläubiger der USA. Foto: Keystone

Der Handelskrieg zwischen den USA und China hat die Börsen bereits belastet. Ich habe in meinem Depot amerikanische Bundesanleihen und ich frage mich, wie sich eine weitere Eskalation des Handelskriegs auf die Papiere auswirken könnte. Was könnte passieren? S.T.

Eine erste Reaktion gab es schon vor ein paar Monaten: Als Spekulationen die Runde machten, dass China amerikanische Staatsanleihen abstossen werde, stiegen die Zinsen dieser Papiere deutlich an, während die Kurse unter Druck gerieten.

In der Realität passierte aber gar nichts, denn die Gerüchte erwiesen sich als heisse Luft.

Tatsächlich hat China im Handelsstreit mit den USA ein gewichtiges Pfand in der Hand. Der chinesische Staat hat in den letzten Jahren riesige Geldsummen in die US-Treasuries investiert, was dazu geführt hat, dass China mit rund 1200 Milliarden Dollar vor Japan der weitaus grösste ausländische Gläubiger der USA ist.

Faktisch finanzieren die Chinesen den immensen Schuldenberg der Amerikaner zu einem grossen Teil.

Aufgrund der Steuererleichterungen, welche US-Präsident Donald Trump umgesetzt hat, werden die amerikanischen Schulden noch mehr in die Höhe klettern.

Falls China, wie immer wieder mal spekuliert wird, als Gegenmassnahme im Handelsstreit beginnen sollte, Teile seiner US-Staatsanleihen auf den Markt zu werfen, würden die Zinsen dieser Papiere in die Höhe klettern. Für den amerikanischen Staat würde der Schuldendienst somit teurer.

Sie als Besitzer von US-Treasuries müssten gleichzeitig mit sinkenden Kursen rechnen. Wie gross der Effekt auf die US-Zinsen wäre, darüber gehen die Meinungen an den Finanzmärkten allerdings stark auseinander.

Jedenfalls könnte die US-Notenbank den Effekt des Zinsanstiegs rasch abfedern, indem Sie einerseits weitere Zinserhöhungen vorderhand aussetzt oder nur schon verbal einen langsameren Zinsanhebungsprozess signalisiert. Auch dies hat Wirkung.

Anderseits könnte die US-Notenbank auch problemlos wieder selbst im grossen Stil US-Bundesanleihen aufkaufen. Damit würde der Effekt eines Verkaufs durch die Chinesen gedämpft oder sogar kompensiert. Darum rechne ich nicht damit, dass China im Handelsstreit als Vergeltung einen Verkauf von US-Staatsanleihen einsetzt.

Vielmehr erwarte ich, dass das Reich der Mitte, welches hinter den USA bereits zur zweitgrössten Volkswirtschaft der Welt aufgestiegen ist und diese in den kommenden zwanzig Jahren übertrumpfen könnte, ein ganz anderes Mittel einsetzt: nämlich eine weitere Abschwächung der chinesischen Währung Yuan.

Dank einer Verbilligung des Yuan werden Produkte aus China auf dem Weltmarkt billiger und die hemmende Wirkung der Strafzölle der USA kann so eingedämmt werden. Das ist für China weit risikoloser und wirksamer, als die US-Treasuries auf den Markt zu werfen.

Für Sie als Inhaber von US-Staatsanleihen stufe ich daher die Risiken trotz des Handelsstreites als gering ein.

5 Kommentare zu «Verkauft China jetzt seine US-Staatsanleihen?»

  • Tofa Tula sagt:

    Reuters July, 2018: China’s holdings of Treasuries edged to $1.183 trillion from $1.182 trillion in April, while Japan’s ownership of Treasuries increased to $1.049 trillion from $1.031 trillion in April, which was the lowest level since October 2011.

    Somit, weitaus groesste auslaendische Glaeubiger? Erklaeren Sie doch bitte, warum Zinsen auf festverzinslichen Papieren in die Hoehe klettern, in Dollar. Das verstehe ich nicht ganz. Wenn das so weiter geht, wird China enorme Probleme haben, mit unmittelbaren Folgen im Inland, wo es immer schwieriger werden wird, die Bevoelkerung zufrieden zu halten. China ist schon noch Jahrzehnte davon entfernt, so stark zu sein wie es sich gibt.

    • Ralph Künzle sagt:

      Sie mögen mit vielem Recht haben, vergessen aber die Gedankenstruktur der Machtbasis in China. China ist der Massen Bevölkerungsreich, dass es den Mächtigen EGAL ist ob 100 Mio Chinesen verhungern. Es trifft Alte und Schwache. Dies würde auf Dauer sogar das Überalterungsproblem der Chinesen lösen. Bestialisch? Die würden sowas nicht tun? Tja, dann kennen sie Chinesen wirklich nicht. Mao hat bewiesen wie die ticken. Und nirgends ist der Druck der Bevölkerung sinnloser als in China. Da wird nicht geknüppelt, da wird verhaftet und erschossen. Rus/Irn/Bra/Saf/Chi/Ind haben längst mit dem Angriff auf den Petrodollar begonnen. Die werden nicht nachgeben. Trumps Zollgepolter ist nichts Weiteres als der sinnlose Versuch die Situation zu retten. Als Leitwährung hat der Dollar extrem eingebüsst.

      • Tofa Tula sagt:

        Auch richtig. Allerdings, damals auf dem Roten Platz, haben sie ziemlich frueh, ziemlich vehement durchgegriffen (stuetzt ein Teil Ihrer Theorie). Man koennte aber zumindest teilweise den Schluss ziehen, dass es auch darum ging, einen Flaechenbrand zu verhindern. Ein bisschen Angst vor den eigenen Massen (jetzt, wo doch einige Millionen schon ein bisschen den suessen Honig gekostet haben) hat das Zentralkomite schon. Das bei den Uiguren verwendete Rezept laesst sich nicht beliebig ausdehnen.

  • Claudio Hammer sagt:

    Fakt ist auf jeden Fall, dass das Ausland schon seit einigen Jahre kaum mehr US-Treasuries kauft, obwohl die public Debt seit Trump noch kräftiger am steigen sind seit Trump und mittlerweile 15.7 Bio $ (weitere 5.7 Bio sind interne Schulden, total Schulden waren es per gestern 21.4 Bio $) betragen und das Ausland davon 6.2 Bio $ hält und sich dieses in den letzten Jahren nicht mehr erhöht hat, ergo kaufen US Bürger/Institutionelle diese Papiere.
    Bislang hat Trump seit Amtsbeginn über 1.4 Bio neue Schulden gemacht, für 2019 werden rund 1.2 Bio pro Jahr veranschlagt.
    Es fragt sich einfach wer wird all diese Schuldpapiere noch kaufen, zumal die FED auch noch gegen 600 hundert Mrd Treasuries pa abbauen will

  • Blaues Wunder sagt:

    Das Foto zeigt übrigens Japanische Schriftzeichen.
    Schöne Grüsse H.Sato

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