Wer indirekt amortisiert, spart Steuern

Günstiges Eigenheim: In Europa ist nicht mit einem raschen Zinsanstieg zu rechnen. Foto: Getty Images

Ich bin 57 Jahre alt und wohne zusammen mit meiner Partnerin in meiner Wohnung im Stockwerkeigentum. Ich habe eine Hypothek von rund 400’000 Franken, die abläuft. Ich denke über einen Neuabschluss einer Libor-Hypothek nach. Soll ich mit meinem Ersparten die Hypothek verkleinern oder dies besser anderweitig anlegen? M.N.

Wenn Sie eine Liborhypothek wählen, können Sie weiterhin von sehr tiefen Zinsen profitieren. Allerdings tragen Sie dabei das volle Zinsrisiko. Wenn die Zinsen steigen, schlägt dies bei Liborverträgen rasch auf Ihre Zinsen durch und die Hypothek kostet Sie mehr.

In den USA haben die Zinsen nach den Leitzinserhöhungen durch die US-Notenbank bereits angezogen. In Europa sind die Sätze aber nach wie vor tief, da die Inflation noch unter den Zielwerten der Europäischen Zentralbank liegt und die Konjunktur zwar gut läuft, aber in den letzten Monaten etwas an Tempo eingebüsst hat.

Auch die hohen Schuldenberge in einigen europäischen Ländern sprechen gegen einen schnellen Zinsanstieg in Europa.

Dies sind Argumente dafür, dass auch bei uns in der Schweiz die Zinsen kurzfristig kaum schnell steigen werden. Denn die Schweizerische Nationalbank ist stark von der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank abhängig.

Solange diese die Zinsen nicht verändert, dürfte sich die Nationalbank vor einem Zinsanstieg hüten, da sonst der Franken gegenüber dem Euro wieder stärker würde, was die SNB aber genau verhindern will.

Vor diesem Hintergrund können Sie durchaus eine Liborhypothek wählen, müssen sich aber bewusst sein, dass die Zinsen sicher nicht mehr sinken, aber künftig irgendwann ansteigen werden.

Sie müssen selbst abschätzen, ob Sie dieses Zinsrisiko tragen wollen und können oder ob Sie lieber eine Festhypothek wählen und damit die tiefen Zinsen anbinden.

Bei vielen Banken haben Sie zudem die Möglichkeit, wenn Sie eine Liborhypothek halten, auch später noch recht unkompliziert in eine Festhypothek zu wechseln. Dann wirds aber wohl teurer.

Nun schreiben Sie, dass Sie einen Teil der Hypothek mit Ihrem Ersparten reduzieren könnten. Mit einer Teilamortisation sparen Sie die Zinsen der Bank. Dafür können Sie diese nicht mehr bei den Steuern abziehen, wobei dieser Steuerspareffekt oft überschätzt wird.

Eine Alternative wäre eine indirekte Amortisation: Sie könnten den Sparbatzen in die steuerbegünstigte Säule 3a und allenfalls in Form von freiwilligen Einzahlungen in die Pensionskasse einzahlen, sofern diese robust ist. Beides würde eine erhebliche Steuerreduktion bringen, zumal Sie erwerbstätig sind.

Natürlich könnten Sie das Geld anstelle der direkten oder indirekten Amortisation auch investieren. Da geht die Rechnung nur auf, wenn Sie tatsächlich mehr Rendite erwirtschaften, als Sie der Bank Zins für die Hypothek bezahlen.

Auf den ersten Blick erscheint dies einfach. Sie müssen aber die eingegangenen Risiken mitberücksichtigen.

Wenn Sie höhere Risiken eingehen und beispielsweise Aktien kaufen, können Sie im positiven Fall zwar eine attraktive Rendite erwirtschaften. Doch dieses haben Sie nicht garantiert. Ebenso möglich ist, dass Sie auf hohen Buchverlusten sitzen, falls sich die Finanzmärkte längere Zeit negativ entwickeln.

In diesem Fall wären Sie wohl froh, wenn Sie stattdessen amortisiert hätten. Da Sie in acht Jahren das Rentenalter erreichen, würde ich wohl eher eine konservativere Variante wählen und über die 2. und 3. Säule indirekt amortisieren.

Damit profitieren Sie von der Steuerersparnis und stärken gleichzeitig Ihre Altersvorsorge.

15 Kommentare zu «Wer indirekt amortisiert, spart Steuern»

  • Chris Stoffer sagt:

    Wichtig ist, dass Sie die Tragbarkeit nach der Pensionierung berechnen. Da sind die Banken sehr strikt geworden und es kann der Verlust des Wohneigentums drohen. Bei 400’000 Hypothek brauchen sie ca. 90’000 Jahreseinkommen um tragbar zu sein. Wenn Sie zu 100% Eigentümer sind müssen Sie alleine dieses Einkommen aufbringen können. Bei 300’000 Hypothek sind es noch ca. 72’000. Sie (oder Ihr bank-berater) müssen somit rechnen, wie viel Sie noch zurückzahlen müssen, damit sie nach der Pensionierung noch Tragbar sind.

    Wenn Sie das Geld somit brauchen, um nach der Pension die Hypothek abzahlen zu können, dann kommt bei Ihrem alter eine Investition in Aktien nicht mehr in Frage. Zinsen gibt es keine somit ist einkaufen in die PK und steuern sparen wohl das beste.

  • Eugen Motz sagt:

    In die PK einkaufen? Genauso unsicher wie der heutige Aktienmarkt, denn man kann leider dem Bund mit seinen Gesetzen nicht mehr trauen. Der Umwandlungssatz wird permanent vermindert, obwohl es den Pensionskassen gut geht.
    Sie verlieren also effektiv Geld, trotz einer kurzfristigen Steuerersparnis für dieses Jahr der Einzahlung. Ich würde das Risiko nie auf mich nehmen und in die PK zusätzlich einzahlen (dazu kommt noch, dass diese Beträge meinst im Überobligatorium landen, wo die PK freie Hand hat bei der Verzinsung, welche dann meist 0% ist)

    • Karl Knapp sagt:

      Man kann Ihre Ideen auch noch ein bisschen extrapolieren, Herr Motz: je nach PK-Reglement kann es im Einzelfall sogar Sinn machen, Geld aus der PK zu nehmen, um einen Teil der Hypothek zurückzuzahlen (WEF Bezüge sind bis maximal Alter 62 möglich), das hängt von vielen zusätzlichen Parametern ab, die hier gar nicht angesprochen werden.

      • Eugen Motz sagt:

        @Knapp: das ist korrekt, aber soweit wollte ich in meinen Ausführungen nicht gehen, da dies ein „Platzproblem“ gewesen wäre

  • urs brand sagt:

    Warum wird nur von indirekter Amortisation gesprochen. Als ob man ohne Hypothek nicht auch in die 2. und 3. Säule einzahlen könnte um Steuern zu sparen.
    Mit der indirekten Amortisation verschafft man vor allem der Bank ein gutes Geschäft. Denn einmal verkauft sie einem eine Hypothek und verdient damit Geld. Einlagen in die 3. Säule wird die Bank als Sicherheit für die Hypothek verpfänden. Die Zinsen in der 3. Säule liegen um 50% tiefer als die Liborhypothek. Ob man unter dem Strich besser fährt, wenn man einen Hypozins an die Bank zahlt, um geringfügig Steuern zu sparen hängt wohl von der Höhe des steuerbaren Einkommens ab. Hier gilt je höher das Einkommen, desto eher lohnt sich die Hypothek um das steuerbare Einkommen weiter senken zu können.

  • Benjamin Zibble sagt:

    …meinen Kommentar das ich über mehr als 10 Jahre freiwillige Einzahlungen in die PK machte, jeweils in Absprache mit der PK und gemäss den Reglement, und diese eingekauften Leistungen mit zwei Briefen der PK um kummuliert 32% gestrichen wurden haben Sie nicht veröffentlicht. Diese meine freiwilligen Einzahlungen waren auch nicbt ganz freiwillig weil die Deckungslücke wegen Stellenwechsel in früheren Jahren enstand. Also auch das ohne mein Verschulden… das Geld dafür habe ich mir über Jahre gespart. Nun bin ich wieder fast auf dem gleichen tiefen Niveau als zuvor… und im Alter garantiert von der SoHi und EL Abhängig falles es diese dann noch gibt. Mein Vertrauen wurde missbraucht ohne das ich was tun kann… das Vertrauen ist weg.

    • Simona Seiler sagt:

      Nur zum besseren Verständnis: Ihre PK hat Ihnen das tatsächliche Altersguthaben gekürzt? Oder war es vielmehr so, dass der Umwandlungssatz gesenkt wurde und die aus dem AGH resultierende Rente bei höherem AGH tiefer ausfällt?
      .
      Ich wundere mich nur, denn das AGH gehört Ihnen, nicht der PK. Kann also höchstens bei einer massiven Unterdeckung und daraus resultierenden Sanierungsmassnahmen angetastet werden (wenn überhaupt, das hängt vom Reglement ab).
      .
      Statt Rente bleibt Ihnen aber noch die Möglichkeit des Kapitalbezugs.

      • Benjamin Zibble sagt:

        …die vereinbarten Leistungen die zuvor durch freiwilligen Einkauf verbessert wurden hat man gekürzt. Einmal um die 18% für Rente, IV, Witwenrente. Das zweitemal gab es noch weniger, nun total -32% bei Rente, IV und -72% Witwenrente. Das freiwillig geleistete dümpelt heute vor sich hin… leider habe ich nur das eine Leben und diesen Betrug korrigieren da bleibt nicht mehr soviel Zeit wie auch schon… ich bin ja nicht nachtragend, aber das enttäuscht und macht wütend bis heute. Nun hetzt man die Jungen noch auf die angeblich diebischen Alten.

      • Bruno Juchli sagt:

        @Zibble
        Es mag sein, dass die PK damals grobfahrlässigerweise – oder gar betrügiersch – vollmundige Versprechen gemacht hat die sie heute nicht halten kann.
        Wenn der Fehlbetrag heute von den Jungen bezahlt werden muss, dann – so finde ich – kann man zurecht von „diebischen“ Alten sprechen.
        Um so mehr, da schon in den 90er Jahren die kommenden finanziellen Probleme der Altersvorsorge aufgrund des Demographiewandels bekannt waren (Radio DRS,…). In Expertenkreisen selbst schon Ende 70er Jahre diskutiert.
        Zeit zu handeln wäre also gewesen, aber wenn man statt dessen den Kopf in den Sand steckt…

      • Frank Lauer sagt:

        Ich verstehe nicht, was die IV damit zu tun hat. Das gehört ja zur 1. Säule und nicht zur 2. Wenn ich Sie aber richtig verstehe, wurde tatsächlich nicht Ihr Altersguthaben gekürzt, sondern „nur“ die Leistungen. Tja, das ist leider nichts ungewöhnliches und ist mir in den letzten 7 Jahren gleich zweimal passiert (notabene bei derselben PK).
        .
        Normalerweise werden aber die so entstehenden Leistungslücken für ältere Arbeitnehmer vom Arbeitgeber geschlossen. Die jüngeren bekommen höhere Beiträge über die Zeit (und müssen auch mehr bezahlen). So zahle ich jetzt pro Monat mehr ein, um später eine tiefere Rente als vor der Anpassung zu bekommen.
        .
        Aber es bleibt ja noch der Kapitalbezug (zumindest noch, wer weiss was der Gesetzgeber damit noch macht…).

      • Benjamin Zibble sagt:

        Frank, die IV hat insofern was damit zu tun als sich eine eventuelle IV Rente aus dem Ausweis der Pensionskasse ergibt… diese kommt dann zum Zug wenn die staatliche IV eine Rente ausspricht und wird also aus diesem Zusammenhang heraus berechnet….
        .
        Im übrigen empfinde ich das völlig legale über den Tisch ziehen mit unanständigen Reglementen und Versprechen von Leistungen betrügerisch. Die wenigsten Mensch hier sind ausgebildete Finanzspezialisten, trotzdem darf sich diese Branche schlicht erlauben die einstigen Versprechen jederzeit völlig einseitig zum groben Nachteil anzupassen. Bei all dem wurden jedem von uns alle Rechte und Klagemöglichkeiten entzogen obwohl jeder das volle Ausfallrisiko zu jeder Zeit selber trägt.

    • Benjamin Zibble sagt:

      Bruno, es liegt einzig und alleine ander Politik das sich die Jungen nicht gegen die Alten in die Haare kriegen und umgekehrt. Das Aufhetzen der Jungen gegen die Alten war zu Zeiten als ich mal jünger war von niemandem in den Mund genommen. Leider setzen sich einige Hetzer aus Politik und Wirtschaft darüber hinwegen und agieren im gröbsten Sinn asozial. Am Ende stehen private Versicherungen die sich an die Spargelder machen wollen anstatt das diese in die staatliche AHV gehen. Im übrigen ist Demographie keine Wissenschaft und ist auf Modellrechnungen angewiesen. Mit diesen Modellen hetzt man die Bevölkerung böswillig vor sich her. Es geht am Ende um die volle individuelle privatisierung der extrem profitablen Rentensysteme.

    • Anh Toàn sagt:

      @Benjamin Zibble und andere „PK-Betrogene“

      Als ich jung war, gut verdiente und die Zahl meines „projizierten Altersguthabens“ sah, dachte ich nach dem ersten „Wow!“, was dies dann wohl nach Inflation mir noch kauft.

      Das Altersguthaben wäre – bei einem anderen Lebenslauf – nur wenig kleiner (tiefere Verzinsung des bereits einbezahlten Teils), würde aber viel mehr kaufen, als ich damals erwartet habe.

      Deutlich reduziert wurden die Rentenansprüche, weil man sich wegen höherer Lebenserwartung heute diese Rentenansprüche nicht mehr kaufen könnte. Da es sich im BVG um ein Deckungssystem handelt, können nicht Renten versprochen werden, die nicht gedeckt sind.

      Bindend versprochen wurde jedoch weder das projizierte Alterskapital noch die daraus resultierenden Rentenansprüche.

  • Benni Bochsler sagt:

    Was für eine Titelzeile – wer indirekt amortisiert spart steuern!!! Im Anschluss müsste es dann korrekter weise heissen und zahlt an die Bank Zinsen.
    Das Geld für die Zinszahlungen an die Bank ist ebenso verloren, wie das Geld für die Steuern. Einziger Unterschied, der Gewinn der Bank geht mehrheitlich als Boni ans Management, die Steuerfranken kommen der Allgemeinheit und mir wieder zu gute.
    Steuern via 2. und 3. Säule kann man auch ohne eine Hypothek sparen.

  • Michael Blanc sagt:

    Irreführender Kommentar!
    3a Konto sollte sowieso jeder machen und vom grossen Steuerabzug profitieren.
    Hypothek sollte so rasch als möglich zurück bezahlt werden, denn die Kosten der Hypothek übersteigen die Steuerersparnise um gut 70%.
    Nur wer sicher höher als die Hypobelastung anlegen kann, fährt besser. Dies ist aber zu 99% nie der Fall.
    Daher, amortisieren so schnell wie möglich.
    PS: 3a Konti alle 5 Jahre beziehen!

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