Warum Schrottanleihen weniger attraktiv sind

Zinsen im Steigflug: Die US-Notenbank hat bereits sieben Zinserhöhungen seit 2015 vollzogen. Foto: Shutterstock

Die UBS erachtet das Umfeld für High Yields als negativ und empfiehlt, diese nicht mehr zu halten. Sie empfiehlt sowohl den Verkauf des UBS USD High Yield (Valor 12088400/CHF hedged) als auch des von mir vorgekauften Nordea (Valor 1365459). Es ist mir bewusst, dass mit diesen Anlagen nicht das grosse Geld zu machen ist. Solange diese aber stabil bleiben und ich kein Geld damit verliere, würde ich sie im Sinne einer Diversifikation zu meinem bereits hohen Aktienanteil gern im Depot lassen. Wie sehen Sie das? A. R.

Obligationen von Schuldnern mit einem schlechten Rating der internationalen Ratingagenturen sind in der Niedrigzinsphase eine beliebte Alternative zu den Anleihen mit gutem Rating, welche kaum mehr vernünftige Zinsen abwerfen.

Insbesondere im Schweizer Franken lohnen sich Obligationeninvestments in Papiere von erstklassigen Schuldnern weiterhin oft kaum. Wenn man die Gebühren miteinbezieht, verliert man auf diesen Papieren nicht selten Geld.

High-Yield-Bonds – oder auch despektierlich Schrottanleihen –, wie die Anleihen von Schuldnern mit niedrigem Rating auch genannt werden, bringen deutlich attraktivere Renditen, weisen aber auch ein deutlich höheres Ausfallrisiko auf.

Darum ist es sinnvoll, für Engagements in High-Yield-Bonds Fonds zu nutzen, wie Sie es tun. Wenn ein Schuldner ausfällt, wirkt sich dies aufgrund der sehr breiten Diversifikation im Fonds nicht gravierend aus.

In den USA, auf die der von Ihnen gehaltene UBS High-Yield-Fonds fokussiert, beobachten wir momentan allerdings starke Umschichtungen im Anleihenmarkt. Investoren verabschieden sich vermehrt aus den gut rentierenden High-Yield-Bonds und wenden sich stärker Schuldnern mit etwas besseren Ratings zu.

Das ist rational gut nachvollziehbar: US-Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit haben zeitweise die psychologisch wichtige Renditemarke von 3 Prozent überschritten. Erst kürzlich hat die US-Notenbank zum zweiten Mal in diesem Jahr die Leitzinsen angehoben und damit bereits sieben Zinserhöhungen seit 2015 vollzogen.

Doch dabei wird es nicht bleiben. Noch in diesem Jahr dürften die US-Zinsen weitere zweimal steigen. Für die Anleger bedeutet das, dass sie höhere Zinsen auf Papieren mit deutlich geringeren Risiken erhalten.

Im Vergleich der risikoarmen Anleihen zu den Hochzinsanleihen wird das deutlich höhere Risiko bei den High-Yield-Bonds derzeit nicht mehr genügend hoch abgegolten. Mit den steigenden Renditen bei den sehr sicheren US-Anleihen müssten die Renditen bei den High-Yield-Bonds noch deutlich stärker steigen.

Ich erwarte, dass sich in den nächsten zwölf Monaten noch mehr Investoren aus dem High-Yield-Segment zurückziehen werden – so wie wir es übrigens auch bereits bei vielen Schwellenländer-Anlagen gesehen haben. Wenn man mit weniger Risiko mehr Zins bekommt, sinkt der Anreiz, deutlich höhere Risiken einzugehen.

Vor diesem Hintergrund teile ich die Einschätzung der UBS. In Europa sehe ich indes für Hochzinsanlagen vorderhand noch mehr Chancen, nachdem die Europäische Zentralbank klar gemacht hat, dass die Zinsen noch bis mindestens Ende Sommer 2019 tief bleiben.

Mit dem Trend zu steigenden Zinsen würde ich die Positionen in Hochzinsanleihen dennoch schrittweise reduzieren. Als Ergänzung zu Ihrem hohen Aktienanteil würde ich amerikanische Unternehmensanleihen mit einem mittelguten Rating, aber noch im Investment-Grad nutzen.

Eine weitere Alternative sind aus meiner Sicht nachrangige Anleihen von an sich guten Schuldnern, wie sie regelmässig von Finanzunternehmen herausgegeben werden. Allerdings bergen diese hohe Risiken im Konkursfall und eignen sich daher nur als Depotbeimischung in einem breit diversifizierten Depot, wie Sie es halten.

 

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