Hayeks Swatch Group ist gut in Schuss

Chinesische Touristen in Luzern: Swatch hat im ersten Halbjahr 2018 so viel umgesetzt wie noch nie in einer ersten Jahreshälfte. Foto: Christof Schürpf/Keystone

Fast nichts erinnert mehr daran, dass die Uhrenbranche erst vor gut anderthalb Jahren aus der Krise gefunden hat. Swatch Group hat im ersten Halbjahr so viel umgesetzt wie noch nie in einer ersten Jahreshälfte: knapp 4,3 Milliarden Franken bei einer Betriebsmarge von 14,7 Prozent. Der grösste Uhrenhersteller der Welt habe damit über alle Preisklassen hinweg Marktanteile gewonnen, sagte Chef Nick Hayek in der «Finanz und Wirtschaft». Jüngste Uhrenexportzahlen zeigen, dass das Wachstum generell nicht mehr nur auf China beschränkt ist, sondern regional breiter abgestützt ist. Wie zuversichtlich Hayek ist, unterstreicht die Tatsache, dass er die Produktion ausbaut. Im Juli habe sich die positive Tendenz fortgesetzt, berichtet er, und bei einigen Modellen gebe es bereits Engpässe. Verbesserungspotenzial gibt es bei der Profitabilität. Hayek dürfte es gelingen, die Marge zu verbessern. Auch wenn die Titel teuer sind, für längerfristig orientierte Investoren dürfte es sich lohnen, dabei zu sein. Dosiert kaufen

Günstige Gelegenheit

Die guten Zahlen von Swatch Group haben sich nur wenig auf den Kurs ausgewirkt. Das zeigt, dass der Markt hohe Erwartungen in den Kursen hat einfliessen lassen. Das gilt generell. Sichtbar ist das auch an den harschen Reak­tionen auf Enttäuschungen. Das haben die letzten Wochen gezeigt. So sind nach schlechten Nachrichten die Aktien des Klimatechnikers Meier Tobler um fast ein Drittel eingebrochen und um 10 bis 20 Prozent die Aktien des Solarzulieferers Meyer Burger, des Asset ­Managers GAM oder auch des früheren Börsenlieblings Comet. Die Liste der krassen Kursrückschläge liesse sich verlängern, beispielsweise mit Dormakaba, AMS, Bell, ­Rieter – und in der abgelaufenen Woche wurden die Aktien von Leonteq um mehr als 10 Prozent zurückgesetzt. Doch bei dem Derivatspezialisten tut sich damit eine günstige Gelegenheit auf. Leonteq hat gute Zahlen für das erste Halbjahr präsentiert, den Turnaround bewiesen und wird in Zukunft weiter wachsen. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 12 für 2018 und 11 für 2019 sind die Titel günstig bewertet. Der Kursrückschlag vergangene Woche war der Ankündigung geschuldet, eine Kapitalerhöhung durchzuführen. Das ist jetzt im Kurs drin. Dosiert kaufen

Langfristige Trends sind intakt

Mitgefangen, mitgehangen, heisst es doch so schön. Daran muss ich denken, wenn ich mir den Kursverlauf der Aktien von Inficon anschaue. Sie haben schwer gelitten. Sorgen um den Halbleiterzyklus haben den Spezialisten für Vakuuminstrumente, Sensortechnologie und Prozesskontrollsoftware Zuspruch gekostet. Zum Stand von Anfang Jahr notieren Inficon-Titel 17 Prozent niedriger – nachdem sie davor weit überdurchschnittlich avanciert waren. Die Kurskorrektur ist übertrieben. Der Investitionszyklus im Halbleitersegment, einem wichtigen Kundenkreis der Gesellschaft, offenbart zwar Zeichen einer Abschwächung. Doch die langfristigen Trends – Digitalisierung, Industrie 4.0, mobile Kommunikation, Robotik, automatisiertes Fahren etc. – sind intakt. Zudem ist der Markt für Vakuumtechnik über den Halbleitersektor hinaus breit abgestützt. Der gute Dividendenzahler Inficon wird weiter wachsen. Die Korrektur ist eine Kaufgelegenheit. Kaufen

Gewinnwarnung

Dass der Klimatechniker Meier Tobler mit seiner Fusion schlechter vorankommt als gedacht, habe ich vor einer Woche aufgezeigt. Der Schliesstechniker Dormakaba, entstanden aus Dorma und Kaba, ist noch so ein Fall. Nicht gut angekommen war schon, dass Riet Cadonau gleichzeitig Chef und Verwaltungsratspräsident wird und sich damit quasi selbst kontrolliert. Nun gab es eine Gewinnwarnung für das abgelaufene Geschäftsjahr per Ende Juni sowie die Erklärung, dass es zwei Jahre länger brauche, um die Mittelfristziele zu erreichen. Die Quittung kam sofort, die Aktien verloren ein Fünftel ihres Werts und liegen 40 Prozent unter dem Allzeithoch. Die Integration bereitet vor allem in den zwei sehr wichtigen Märkten USA und Deutschland Probleme. In den USA scheinen zu viele Köche den Brei zu verderben, das Management sei überdimensioniert, heisst es, nun werde gehandelt. Auch das Management in Deutschland habe gewisse Kostenziele nicht erreicht. Cadonau schiebt die Verantwortung also ab. Ich bin gespannt, ob er der richtige Mann für das Doppelmandat ist. Vorerst sind mir die Aktien auch auf dem niedrigen Niveau zu wenig attraktiv. Meiden

Dividendenrendite von 6 Prozent

Die Aktien des Handyspezialisten Mobilezone haben in 15 Monaten fast ein Drittel verloren – so richtig erklären kann ich mir den Kursrückgang nicht. Einen Ansatz dazu bietet die im Dezember angekündigte Übernahme der deutschen Vertriebsgesellschaft TPHCom. Im Fokus steht dabei die langjährige Zusammenarbeit mit dem ­Mobilfunkkonzern Vodafone. Im Markt fragt man sich, was wohl die Folgen wären, wenn sie auslaufen würde. Mobilezone-Chef Markus Bernhard bekräftigte, dass diese Zusammenarbeit auch in Zukunft gesichert sei. Auf Befremden stiess, dass Mobilezone zur Finanzierung der 58 Millionen Franken teuren TPHCom-Übernahme eine Kapitalerhöhung im Umfang von 80 Millionen Franken durchgeführt hatte – mit den überschüssigen Mitteln könne das Unternehmen gleich die Dividende zahlen, lautete der Vorwurf. Ungeachtet dessen darf, wer die Aktien heute kauft, eine Dividendenrendite von 6 Prozent erwarten. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 10, gemessen an der Gewinnschätzung für 2018, sind die Titel der gut geführten Mobilezone-Gruppe zudem günstig. Kaufen

1 Kommentar zu «Hayeks Swatch Group ist gut in Schuss»

  • Holger Narrog sagt:

    Hinsichtlich der Fa. DormaKaba teile ich die Ansicht des Autors. Es ist nicht verständlich, dass man dem Vorsitzenden der seine Ziele massiv verfehlt hat, dies mit einem Machtzugewinn und verminderter Aufsicht honoriert. Meines Erachtens ist das Gegenteil geboten. Es ist seitens des Verwaltungsrats zu prüfen ob die Stelle ideal besetzt ist.
    Andererseits ist der Markt für Schliesssysteme ein potentiell wachsender Markt mit hohen Eintrittsbarrieren (Wenn eine Fa./Haus erst mal mit einem Schliesssystem ausgestattet ist wird dieses über Jahrzehnte kaum gewechselt und so lässt sich mit Ersatz und Ergänzungen gutes Geld verdienen) und damit dem Potenzial stabile, hohe Margen zu erzielen.
    Interessenkonflikt: Ich bin Aktionär der Fa. DormaKaba.

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