So fressen Gebühren Ihre Gewinne weg

Pflöcke einschlagen beim Sparen: Wer sein Geld sicher und gewinnbringend anlegen will, sollte niemals die oft unnötigen Gebühren unterschätzen. Foto: iStock

Wir sind sehr unerfahren in Sachen Finanzen. Bei Postfinance haben wir seit drei Jahren den Fonds 4. Weil wir relativ sparsam sind, haben wir weitere 100’000 Franken zur Verfügung, die wir in den nächsten Jahren nicht brauchen. Bei Aktien kennen wir uns nicht aus. Auf unserer Wohnung haben wir keine Hypothek mehr. Wir fragen uns, ob wir einen weiteren Fonds bei der Postfinance oder der Raiffeisen oder anderswo machen sollen. B.B.

Der von Ihnen gehaltene Postfinance Fonds 4 investiert weltweit in Geldmarktanlagen, Obligationen und Aktien. Rund die Hälfte des Kapitals ist durchschnittlich in Aktien investiert. Knapp ein Drittel des Geldes entfällt auf Fremdwährungen.

Beides beinhaltet für Sie erhöhte Risiken, gleichzeitig aber auch höhere Renditechancen. Zu den grössten Aktienpositionen des Fonds zählen bekannte Schweizer Firmen wie Nestlé, Novartis, Roche, Zürich oder ABB, aber auch ausländische Konzerne wie Apple und Microsoft.

Im vergangenen Jahr hat sich der Fonds erfreulich entwickelt. Seit Jahresbeginn notiert er aufgrund des beträchtlichen Aktienanteils wegen der Marktkorrektur seit Februar leicht im Minus. Doch das machen die meisten vergleichbaren Fonds derzeit ebenfalls.

Störend finde ich bei diesem Vehikel allerdings die Tatsache, dass sich der Fonds in mehreren Jahren schlechter entwickelt hat als der von der Fondsleitung genutzte Vergleichsindex.

Dies würde bedeuten, dass Sie mit einem passiv verwalteten Indexfonds besser gefahren wären. Auch ist der Fonds nicht ganz günstig. Sie bezahlen bei der Postfinance zwar keine Depotgebühren, dafür werden dem Fonds Gebühren im Umfang von immerhin 1,19 Prozent belastet, welche unter der Gesamtkostenkennziffer TER ausgewiesen sind. Diese gehen von Ihrer Rendite ab.

Nun wollen Sie weitere 100’000 Franken, die Sie gespart haben, investieren. Damit Sie eine breite Diversifikation erreichen, würde ich nicht in Einzeltitel anlegen, sondern wieder Fonds nutzen. Wie hoch dabei der Aktienanteil ausfallen soll, hängt von Ihrer persönlichen Risikobereitschaft und -fähigkeit ab, die ich nicht kenne.

In den letzten paar Jahren haben die Aktienmärkte mehrheitlich nach oben tendiert. Das muss nicht ewig so bleiben. Sie sollten sich darauf einstellen, dass es an den Börsen künftig wieder stärkere Kursschwankungen geben wird als etwa im letzten Jahr, welches ein ausgezeichnetes Börsenjahr war.

Besonders wichtig ist die Frage Ihres Anlagehorizontes: Wie lange wollen Sie das Geld anlegen und liegenlassen? Wenn Sie das Kapital während fünf bis zehn und mehr Jahren sicher nicht benötigen, können Sie eher höhere Risiken eingehen, als wenn Sie das Geld vielleicht schon in zwei oder drei Jahren brauchen.

Ihre Hypothek haben Sie bereits abgezahlt. Ich frage mich aber, wie wohl Ihre Altersvorsorge aussieht. Falls Sie noch keine 3. Säule haben und noch erwerbstätig sind, was ich angesichts Ihrer hohen Sparquote annehme, würde ich wenigstens einen Teil des Geldes in die steuerbegünstigte 3. Säule und entsprechende Vorsorgefonds investieren und vom Steuerabzug profitieren.

In diesem Fall wären zusätzlich freiwillige Einzahlungen in Ihre Pensionskasse zu prüfen, die Sie ebenfalls von den Steuern abziehen können.

Wenn Sie stattdessen in zusätzliche Anlagefonds investieren würden, empfehle ich Ihnen, sich von Ihrer Bank neben dem Postfonds 4, den Sie bereits halten, auch passiv verwaltete Fonds offerieren zu lassen, die Ihrem persönlichen Risikoprofil entsprechen.

Alle grossen Fondsfirmen bieten entsprechende Vehikel an. Diese haben den Vorteil, dass Sie deutlich tiefere Gebühren verrechnen und damit für Sie unter dem Strich mehr Rendite übrig bleibt.

Weil man nie voraussagen kann, wann genau der perfekte Einstiegszeitpunkt ist, würde ich die 100’000 Franken nicht auf einmal, sondern in mehreren Tranchen in verschiedenen Phasen anlegen, was Ihr Risiko, zum schlechtestmöglichen Zeitpunkt alles investiert zu haben, verringert.

4 Kommentare zu «So fressen Gebühren Ihre Gewinne weg»

  • Kurt Seiler sagt:

    Immer dieser Druck irgend was zu machen.
    Warum einfach mal Monate oder Jahre nichts machen bis der Zeitpunkt da ist.
    Die die jetzt kaufen werden bei der nächsten grossen Korrektur mit hohem Verlust verkaufen – und den Rest des Lebens keine Aktie mehr anfassen.

  • Charly Bühler sagt:

    Diese 100K einfach liegen lassen, wieso soll man in Fonds investieren die wie Beispiel zeigt nicht rentieren sondern nur Gebühren für die Banken bedeuten?
    Die Bank hat keinerlei Risiken und der Kunde ist voll im Risiko, ohne Absicherung, keine Win-Win Situation!

    • Kurt Seiler sagt:

      Ja natürlich.
      Wenn ich am Aktienmarkt teilhaben will kauf ich Aktien und kein Versprechen irgendeiner Bank.
      Und hab ich überhaupt keinen Schimmer von Aktien, kauf ich mir einfach Nestle wenn sie vom Top schön zurückgekommen sind.

  • Dietmar sagt:

    Ich verstehe auch nicht warum der Author dauernd empfiehlt, in irgendwelche Fonds zu investieren, mit dem Hinweis auf Diversifikation. Der Bullenmarkt ist in einem sehr fortgeschrittenem Zustand. D.h. jetzt noch grössere Summen anzulegen ist aus Sicht des CRV ungünstig

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