Liegt Geld brach, schmilzt es dahin

Teuerung, Gebühren, kaum Zinsen: Das Vermögen reduziert sich von selbst, wenn man es nicht aktiv bewirtschaftet. Foto: iStock

Ich wünsche mir von Ihnen einen Tipp, wie ich mein bescheidenes Barvermögen in der Höhe von 430’000 Franken besser und trotzdem sicher anlegen kann. Ich bin 70 Jahre alt, verwitwet, wohne in einer unbelasteten Eigentumswohnung und benötige von meinem Ersparten zwecks Erhalt meines bisherigen Standards 10’000 Franken pro Jahr. Feste Anlagen habe ich bei der Postfinance, je 11’000 Franken in den Fonds 1, 2 und 3, und besitze Namenaktien der Swiss Life. Was soll ich mit meinem Vermögen machen, damit es sich nicht von selbst reduziert? C. L.

Ihren Angaben entnehme ich, dass der grösste Teil Ihres Vermögens nicht oder nur schlecht angelegt ist. Das führt dazu, dass Sie auf Ihrem Geld nur mickrige Renditen haben und nach Abzug aller Gebühren wohl sogar Geld verlieren.

Dazu kommt der von Ihnen erwähnte Aspekt der Inflation: Derzeit haben wir nur eine geringe Teuerung. Dennoch: Selbst eine kleine Inflation sorgt dafür, dass der Wert des Geldes abnimmt, sofern es nicht investiert ist und eine höhere Rendite als die Inflation abwirft.

Allein schon die Tatsache, dass Sie pro Jahr 10’000 Franken benötigen, damit Sie Ihren Lebensstandard aufrechterhalten können, spricht dafür, dass Sie mehr aus Ihrem Geld machen.

Allerdings hat eine höhere Rendite immer einen Preis. Gratis gibt es diese nicht. Eine höhere Rendite erzielen Sie nur, wenn Sie bereit sind, etwas höhere Kursschwankungen in Kauf zu nehmen.

Keine Schwankungen haben Sie, wenn Sie das Geld auf dem Bankkonto liegen lassen. Dafür haben Sie dort auch null Rendite und tragen zusätzlich bei hohen Summen an liquiden Mitteln das Konkursrisiko der Bank. Sehr sichere Anlagen wie Anleihen der Eidgenossenschaft werfen auch praktisch keine Rendite mehr ab und sind nach Abzug der Depotgebühren sogar ein Minusgeschäft.

Aus meiner Sicht wäre es sinnvoll, wenn Sie die 430’000 Franken breit diversifiziert professionell anlegen würden. Dabei würde ich die Expertise einer Bank nutzen und von dieser eine Anlagestrategie ausarbeiten lassen, welche Ihrer Risikobereitschaft Rechnung trägt und auf Ihre persönlichen Bedürfnisse eingeht. Dabei werden die unterschiedlichen Anlageklassen wie Anleihen, Immobilien, Aktien, Rohstoffe und liquide Mittel genutzt und gemäss Ihrer individuellen Risikofähigkeit gewichtet.

Nur schon mittels Dividendenperlen, also Aktien mit einer hohen Dividende wie Swiss Re, Zürich, Swisscom, Nestlé, Novartis, Roche oder auch Swiss Life, die Sie bereits halten, könnten Sie einen Teil der 10’000 Franken Ihres jährlichen Bedarfs gut erwirtschaften.

Natürlich hat dies Kursschwankungen zur Folge. Darum ist es wichtig, dass das Kapital sehr breit diversifiziert wird und die Schwankungsrisiken gemäss Ihren Wünschen in Grenzen gehalten werden. Auf keinen Fall sollten Sie ein Klumpenrisiko eingehen. Mittels Fonds können Sie ein solches aber einfach ausschliessen.

Ich rate Ihnen, sich von Ihrer Bank und allenfalls noch einem oder zwei anderen Instituten einen Vorschlag machen zu lassen, wie Sie Ihr Kapital breit diversifiziert und mehrheitlich konservativ investieren können. Dann können Sie vergleichen und sehen, welches Institut am ehesten auf Ihre Bedürfnisse eingeht.

Wichtig ist allerdings, dass Sie auch die anfallenden Gebühren vergleichen, denn diese fressen Ihre Rendite weg.

19 Kommentare zu «Liegt Geld brach, schmilzt es dahin»

  • Robert Roger sagt:

    Legt man es falsch an, schmilzt es schneller. Rechnet man die Kommissionen oben drauf, noch schneller. Die Börsen steigen m.E. schon zu lange, somit ist in Bezug die Schnellschmelzgefahr noch höher.

  • Kurt Seiler sagt:

    Ja, mit 70 oder 80 in einen Crash geraten um dann festzustellen, dass auch das best diversifizierte Depot nichts mehr wert ist.
    Man hockt dann auf 50% Verlusten und merkt, dass man da lebend nicht mehr rauskommt.

  • jean-pierre neidhart sagt:

    70 Jahre Alt und ein Vermoegen von CHF 430000.– sind genug Geld um noch ueber 20 Jahre davon zu leben. Viel Hin und Her macht Taschen leer. Das wird dieser Person auch passieren wenn sie ihr Geld einem windigen Anlageberater anvertraut.

    • R. Wenger sagt:

      Hin und Her macht Taschen leer reimt sich zwar, ist aber ein sinnloser Spruch.. Mit Hin und Her habe ich bei einer Onlinebank mit niedrigen Courtagen einen schönen Stock aufgebaut. Bei meinem Depot interessiert mich nur, was es an Dividenden abwirft. Kursschwankungen sind mir egal, ausser wenn ich kaufen/verkaufen will.

      • R. Wenger sagt:

        Betr. Anlageberater. Finger weg davon. Das ist eine Mogelpackung. Er will den Kunden nicht beraten, sondern ihm das andrehen, an dem die Bank am meisten verdient.

  • Patrik sagt:

    Ich verstehe das Problem nicht ganz:
    Reserven 430’000.
    Annahme: wir haben 2 Jahre mit 15% Inflation!
    Nötig also: 13’000 Fr. p.a.
    430’000/13’000 = 33 Jahre. Alter: 70 J.
    VM aufgebraucht mit 103.
    Verschiebt der Hr. 25% in Gold, reicht das Geld noch für 24+70, also bis Alter 94. Sollte mit ca. 95 J. trotz des Verbrauchs des VM der wahrscheinliche Bestand von Geld auf Konten eintreffen, handelt es sich (SORRY!) im wahrsten Sinne des Wortes num „Dead Money“, über das sich nur Erben
    & Steueramt freuen, nicht jedoch der betroffene
    Herr. Für ein Depot à la 10% Anl. 5% Aktien 10% Gold,Silb. 70% Cash eher keine Vermögensverwaltung einsetzen. Allerdings nimmt
    das Vermögen so zugegebenermassen ab (was ja nicht das Ziel ist !?!?)
    Fazit: Kaum Aenderung der Anlage, evtl. PF 3/Akt.-Verk.

  • Thomas Burckhardt sagt:

    Man sollte unbedingt den gesamten Betrag in Gold anlegen ! Wenn es sich verdoppelt hat man nachher doppelt so viel und kann sich bequem zurücklehnen !!

    • Patrik sagt:

      @ Thomas B.
      Geben sie doch bitte eine seriöse Empfehlung ab.
      Man kann aus guten Gründen ein Gold- und Silberfan sein, aber nicht einmal diese würden eine solche
      „Diversifikation“ empfehlen.
      Ich glaube, es war in den 70ern als seriöse Privatbanken zum Teil noch Gold bis zu 40% des Portfolios empfohlen haben. Ich denke, danach kann man sich als vorsichtiger Mensch auch heute noch ausrichten, und wer völlig an den Untergang der Zivilisation glaubt, kann auch 50% nehmen.
      Im angegeben Bsp. oben scheint mir bis auf
      das Fehlen von Gold UND SILBER (!) die Anlage
      gar nicht so schlecht gewählt zu sein. Jedenfalls keine Kapitalfehler entdeckt.

  • Tom Sivers sagt:

    „Mein bescheidenes Barvermögen in der Höhe von 430’000 Franken“ regt schon zum Schmunzeln an, die Kohle geniessen und Ausgeben solange man noch gesund und klar bei Sinnen ist, lautet meine Devise.

    • Zimmermann sagt:

      Wie wahr

    • carlo corno sagt:

      völlig richtig. Der Aspekt „Pflegebedürftigkeit“ wird hier überhaupt nicht abgehandelt. Dann ist das Vermögen ratz fatz weg. Lieber geniesst man es vorher. Geplanter Vermögensverzehr ist der passende Tip, will man nicht, dass plötzlich die KESB bestimmen, was mit Deinem Geld läuft.

  • Jürg Schneeberger sagt:

    Immer und immer wieder fallen Leute auf eine Anlagestrategie herein, bei der für sie selber nichts heraus schaut ausser das Risiko das Geld zu verlieren.
    Ich halte gar nichts von diesen Empfehlungen, welche hier dargelegt werden.
    Ich empfehle Ihnen, gehen Sie auf Nummer sicher und freuen Sie sich dass Sie CHF 430‘000.- zur. Verfügung haben, welche zusammen mit Ihrer Rente für Sie offensichtlich bis ans Lebens genügen.
    Teilen Sie das Geld auf vielleicht drei unterschiedliche top Banken wie ZKB, WIR, CS und UBS auf (ev. etwas längerfristig) und freuen Sie sich darüber, dass Sie so mit Ihrem jährlichen Bedarf bis an Ihr Lebensende stressfrei mehr als gut über die Runde kommen.

    • Karl Knapp sagt:

      Schöner kann man es kaum ausdrücken. Die vielbeschworene „individuelle“ oder „persönliche“ Strategie ist in der Bank schon vorgedruckt und nummeriert, in aller Regel von 1 bis 5. Verlorene Lebenszeit, machen Sie lieber einen Ausflug.

    • R.Wenger sagt:

      Der Kundenberater der Bank ist eine Mogelpackung. Er will den Kunden nicht beraten, sondern ihm das andrehen, an dem die Bank am meisten Verdient und er via Boni damit.

  • Carmen Haag sagt:

    @ Jürg Schneeberger: Musste schmunzeln, die genannten Banken sind top im Gebühren kassieren, mehr definitiv nicht.

  • carlo corno sagt:

    liegt das Geld auf der Bank brach, schmilzt es durch Negativzins und Gebühren u.U. noch schneller.

  • carlo corno sagt:

    „Eine höhere Rendite erzielen Sie nur, wenn Sie bereit sind, etwas höhere Kursschwankungen in Kauf zu nehmen“ – schöne Umschreibung für höheres Risiko. Wenn die Kursschwankungen ständig nach unten zeigen, resultiert schlicht und ergreifend ein Verlust. Gerade mit 70 hat man nicht mehr den nötigen Zeithorizont dafür.

  • Claude Fontana sagt:

    Tja Geld und Glace Schmelzen wenn sie in der sonne liegen, weiss doch jedes kind. Der schmelzpunkt von geld liegt bei genau 0 grad wieder jemand, der behauptet zu wissen was geld ist.
    Geben sie geld nicht aus der Hand, dann haben sie esm, wenn sie es brauchen. und genau soviel, wie sie besitzen.. nicht ein versprechen, das gehalten werden soll, oder halt nicht.wenn Sie es schon jemandem in die hand drücken. dann jemandem der ihnen direkt etwas dafür gibt. Zum beispiel ein Glace. Dem könnenn sie nun bein schmelzen zusehen, oder es geniessen,während es in ihrem Mund schmilzt. Aber bezahlen sie bitte nicht den Lohn eines Glücksspielers. danke. und auf wiedersehen.

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